EZB treibt Arbeit am digitalen Euro voran
18.10.2023 - 16:59:50NĂ€chster Schritt in Richtung eines digitalen Euro als ErgĂ€nzung zum Bargeld: Am 1. November soll eine zunĂ€chst auf zwei Jahre angelegte Vorbereitungsphase beginnen, wie der Rat der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) am Mittwoch beschloss. Nach Abschluss dieser Phase wollen die Euro-WĂ€hrungshĂŒter entscheiden, ob der Weg fĂŒr die EinfĂŒhrung einer digitalen Variante der europĂ€ischen GemeinschaftswĂ€hrung geebnet wird. DafĂŒr ist dann auch eine gesetzliche Grundlage fĂŒr einen digitalen Euro auf EU-Ebene nötig.
In der nun beginnenden Phase werde «das Regelwerk fĂŒr den digitalen Euro fertiggestellt und es werden Anbieter ausgewĂ€hlt, die eine Plattform und die Infrastruktur fĂŒr einen digitalen Euro entwickeln könnten», teilte die Notenbank in Frankfurt mit.
Seit geraumer Zeit laufen Vorbereitungen fĂŒr eine digitale Variante der europĂ€ischen GemeinschaftswĂ€hrung. In den vergangenen beiden Jahren haben sich die Euro-WĂ€hrungshĂŒter schwerpunktmĂ€Ăig mit Technologie und Datenschutz beschĂ€ftigt. Ende Juni 2023 hat die EU-Kommission VorschlĂ€ge fĂŒr einen Rechtsrahmen vorgelegt: Der digitale Euro soll demnach gesetzliches Zahlungsmittel werden, Schein und MĂŒnze aber nicht ersetzen. Die Behörde in BrĂŒssel will zugleich per Gesetz sicherstellen, dass Bargeld in der EuropĂ€ischen Union weiterhin breit akzeptiert wird und gut verfĂŒgbar ist.
EinfĂŒhrung eines digitalen Euro erst in einigen Jahren
Nach EinschĂ€tzung von Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz, der in das Projekt eingebunden ist, könnte es noch mindestens vier bis fĂŒnf Jahre dauern, bis ein digitaler Euro marktreif ist.
Banken könnten den digitalen Euro wie Bargeld von den Notenbanken beziehen. Verbraucher bekÀmen ihn in einer digitalen Geldbörse, einer sogenannten Wallet, gutgeschrieben und könnten in Sekundenschnelle rund um die Uhr zum Beispiel per Smartphone bezahlen - auch dann, wenn sie keine Internetverbindung haben.
US-Konkurrenz im Zahlungsmarkt Paroli bieten
Mit einem digitalen Euro wollen die Euro-Notenbanken privaten Anbietern vor allem aus den USA, die derzeit den Markt fĂŒr digitale Zahlungen in Europa dominieren, ein europĂ€isches digitales Bezahlangebot entgegensetzen.
«Die Menschen mĂŒssen beim digitalen Bezahlen unabhĂ€ngiger werden von kommerziellen Interessen einer Handvoll internationaler Konzerne», argumentierte die VorstĂ€ndin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Ramona Pop. «Der digitale Euro kann dies liefern und den Zahlungsverkehr damit auf eine neue Stufe heben.»
Auch der Digitalverband Bitkom begrĂŒĂte die Bestrebungen der EZB, wie dessen HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Bernhard Rohleder ausfĂŒhrte: «Ein digitaler Euro kann die WettbewerbsfĂ€higkeit und SouverĂ€nitĂ€t Europas nachhaltig stĂ€rken.»
Nach Ansicht von Nils Beier, GeschĂ€ftsfĂŒhrer im Bereich Finanzdienstleistungen bei Accenture, wĂ€re ein digitaler Euro fĂŒr Verbraucher «ein einfaches, benutzerfreundliches Zahlungsmittel, welches in der gesamten Eurozone fĂŒr alltĂ€gliche BezahlvorgĂ€nge akzeptiert wird, und einen direkten und digitalen Zugang zu der sichersten Form des Bargelds - dem Zentralbankgeld» gewĂ€hren wĂŒrde.
Die EZB wĂŒrde wie beim Bargeld die StabilitĂ€t einer digitalen Variante der europĂ€ischen GemeinschaftswĂ€hrung garantieren. «Wir sehen einen digitalen Euro als eine digitale Form von Bargeld, mit der sĂ€mtliche digitalen Zahlungen kostenlos möglich sind und die die höchsten Datenschutzstandards erfĂŒllt», erklĂ€rte EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde.
Sorgen um Datenschutz
Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) als Dachverband der fĂŒnf groĂen BankenverbĂ€nde in Deutschland sieht die Arbeiten am digitalen Euro grundsĂ€tzlich positiv. Tanja MĂŒller-Ziegler, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), mahnte jedoch federfĂŒhrend fĂŒr die DK: «Negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft mĂŒssen vermieden und der digitale Euro in der Bevölkerung breit akzeptiert werden.» Zudem mĂŒsse fĂŒr den digitalen Euro ein gesetzlich verankertes Haltelimit im unteren dreistelligen Euro-Bereich gelten, um Risiken fĂŒr die FinanzstabilitĂ€t zu verhindern, forderte die DK.
Angesicht von Sorgen in Sachen Datenschutz versicherte Bundesbank-Vorstand Balz im GesprĂ€ch mit dem «MĂŒnchner Merkur» (Mittwoch), das Eurosystem werde keinen Zugriff auf individuelle Nutzerdaten erhalten: «Anders als manche Plattformanbieter im Internet haben wir ohnehin keinerlei kommerzielles Interesse an persönlichen Zahlungsdaten oder an der Weitergabe solcher Daten an Dritte. Der digitale Euro wird den Nutzerinnen und Nutzern ein HöchstmaĂ an Datenschutz bieten.»


