Experten, Harris-Sieg

Experten: Harris-Sieg wĂ€re besser fĂŒr deutsche Wirtschaft

20.10.2024 - 09:39:16

Ein Sieg von Kamala Harris bei der US-PrĂ€sidentschaftswahl im November wĂ€re vielen Experten zufolge besser fĂŒr die deutsche Wirtschaft.

Eine Mehrheit erwartet unter der 60-JĂ€hrigen ein moderates Wirtschaftswachstum hierzulande. Die Erwartungen an eine neuerliche PrĂ€sidentschaft von Donald Trump sind hingegen weniger optimistisch. Das zeigt eine aktuelle Analyse, fĂŒr die das Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim die EinschĂ€tzungen von 189 Finanzmarktexperten ausgewertet hat.

Ein Beispiel: Unter einer US-PrĂ€sidentin Harris erwarten 45 Prozent der Analysten fĂŒr 2025 ein stĂ€rkeres Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) - also des Gesamtwerts aller hierzulande produzierten Waren und erbrachten Dienstleistungen. Im Gegensatz dazu rechnen nur sieben Prozent der Befragten damit, dass eine Trump-PrĂ€sidentschaft besser fĂŒr das deutsche BIP sei. Der Rest erwartete keinen Unterschied.

In diesen Teil der Studie flossen die Antworten von 101 Experten ein, die eine Prognose fĂŒr alle Jahre der Amtsperiode von 2025 bis 2028 abgegeben haben. Die PrĂ€sidentschaftswahl in den USA findet am 5. November statt. Umfragen zufolge dĂŒrfte es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Harris und dem 78 Jahre alten Trump kommen.

BIP-Wachstum wĂ€chst ĂŒber Amtszeit hinweg

Die Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass das deutsche Wirtschaftswachstum ĂŒber die vierjĂ€hrige Amtszeit hinweg leicht zunehmen wird. UnabhĂ€ngig davon, ob Trump oder Harris die Wahl gewinnen. Bei der Demokratin fĂ€llt der Effekt aber etwas stĂ€rker aus. Die Durchschnittsprognose fĂŒr 2025 unterscheidet sich demnach je nach Wahlausgang um 0,14 Prozentpunkte. Die Differenz wĂ€chst bis 2028 auf 0,26 Prozentpunkte an.

Die Prognoseunterschiede zwischen den Kandidaten seien wirtschaftlich relevant, hieß es von den Forschern. Der Grund dafĂŒr ist einfach: Die Experten rechnen mittelfristig nicht mit einer starken wirtschaftlichen Erholung in Deutschland: Im Durchschnitt liegt das erwartete BIP-Wachstum in keinem der vier Jahre höher als 1,7 Prozent.

US-Protektionismus könnte Wachstum hemmen

Die GrĂŒnde fĂŒr die Erwartung sind vielfĂ€ltig: Die Finanzexperten sehen den ZEW-Ökonomen Alexander Glas und Lora Pavlova zufolge bei einem Wahlsieg von Harris zum Beispiel grĂ¶ĂŸere Chancen fĂŒr PreisstabilitĂ€t und stabilere internationale FinanzmĂ€rkte. Beim Republikaner Trump werde im Gegensatz dazu ein stĂ€rkerer Fokus auf protektionistische Maßnahmen wie Zölle wahrgenommen. Das könne das Wachstumspotenzial Deutschland beeintrĂ€chtigen. Die Bundesrepublik ist einer der wichtigsten Handelspartner der USA.

Die Experten schlagen aus diesem Grund auch Maßnahmen vor, um die deutsche Wirtschaft vor möglichen negativen Folgen des Wahlergebnisses zu schĂŒtzen. Dazu gehören verstĂ€rkte Handelsbeziehungen mit anderen LĂ€ndern, höhere MilitĂ€rausgaben und Maßnahmen, die die inlĂ€ndischen Investitionen ankurbeln.

Zölle wĂ€ren Hiobsbotschaft fĂŒr deutsche Industrie

Bereits vor wenigen Wochen hatten Ökonomen von Ifo-Institut und Econpol Europe davor gewarnt, dass ein Wahlsieg Trumps erhebliche Folgen fĂŒr die ohnehin bedrĂ€ngte deutsche Industrie haben könnte. Sollte er nach einer RĂŒckkehr ins Weiße Haus sein Wahlversprechen höherer Einfuhrzölle umsetzen, könnten die deutschen Ausfuhren in die USA um knapp 15 Prozent sinken. Trump hat einen Zollsatz von 60 Prozent auf US-Importe aus China und von 20 Prozent auf Importe aus der restlichen Welt angekĂŒndigt. Das wĂŒrde deutsche Produkte in den USA viel teurer machen. Besonders getroffen wĂŒrden Auto- und Pharmaindustrie.

@ dpa.de