Drei Aurubis-VorstĂ€nde mĂŒssen Kupferhersteller verlassen
23.01.2024 - 15:03:56 | dpa.de
Nach lange unentdeckten MillionenschĂ€den durch Betrug und Diebstahl bei der Hamburger Aurubis AG mĂŒssen Vorstandschef Roland Harings und zwei weitere VorstĂ€nde das Unternehmen vorzeitig verlassen. Das gab der Kupfer- und Recyclingspezialist nach einer Sitzung des Aufsichtsrates bekannt.
«Die drei Vorstandsmitglieder tragen damit den besonderen Herausforderungen der Aurubis im abgelaufenen GeschÀftsjahr Rechnung, insbesondere mit Blick auf die schwerwiegenden Betrugs- und DiebstahlsfÀlle im Werk Hamburg und Vorkommnisse im Bereich der Arbeitssicherheit.» Im vorigen Jahr waren drei Mitarbeiter bei einem Stickstoff-Austritt bei Aurubis ums Leben gekommen.
Abschied teils schon im Februar
Die FĂ€lle von Diebstahl und Betrug waren lange unentdeckt geblieben. Das hatte bei den Mitgliedern des Kontrollgremiums Zweifel am Risikomanagement der UnternehmensfĂŒhrung geweckt. Eine Anwaltskanzlei hatte im Auftrag des Aufsichtsrates daraufhin die Verantwortung des Vorstands im Zusammenhang mit den Straftaten untersucht.
Harings, dessen Vertrag eigentlich bis Mitte 2027 lief, hatte sich Mitte Dezember noch zuversichtlich gezeigt, «dass die Untersuchungen ergeben, dass wir hier mit allen Sorgfaltspflichten und mit aller Verantwortung das Unternehmen gefĂŒhrt haben». Nun verlĂ€sst der 60 Jahre alte Manager Aurubis schon Ende September.
Produktionsvorstand Heiko Arnold geht bereits zum 29. Februar, Finanzvorstand Rainer Verhoeven gibt seinen Posten zum 30. Juni ab. Allein die erst Anfang 2023 bestellte und fĂŒr das aufstrebende RecyclinggeschĂ€ft zustĂ€ndige VorstĂ€ndin Inge Hofkens (53) behĂ€lt ihr Vorstandsmandat.
Die Bilanz des vergangenen GeschÀftsjahres
Aurubis war in mehreren FĂ€llen Opfer von Kriminellen. Unter dem Strich sprach das Unternehmen im Dezember bei der PrĂ€sentation der Jahresergebnisse fĂŒr 2022/23 (30. September) von einem Fehlbestand an Metallen von 169 Millionen Euro. Die Bilanz des vergangenen GeschĂ€ftsjahres war zudem von einem tödlichen Chemieunfall ĂŒberschattet. Dabei war Stickstoff ausgetreten; drei MĂ€nner im Alter von 24, 49 und 53 Jahren starben an den Folgen.
Finanziell besonders schmerzlich war fĂŒr das Unternehmen ein groĂangelegter Betrug. Aufgefallen war dieser bei regelmĂ€Ăigen ĂberprĂŒfungen des Metallbestands. Es gab erhebliche Abweichungen vom Sollbestand sowie Abweichungen bei Sonderproben bestimmter Recycling-Lieferungen.
Aurubis geht davon aus, dass manipulierte Proben mit hohen Gehalten wertvoller Metalle abgegeben wurden, die Lieferungen dann aber deutlich weniger wertvolle Metalle enthielten - wodurch letztlich ĂŒberhöhte Rechnungen bezahlt wurden.
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