Spritpreisdeckel, Forsa-Umfrage

Spritpreisdeckel: 69 Prozent der Deutschen sind für staatliche Grenze

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 00:01 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt: Knapp sieben von zehn Deutschen befürworten einen staatlichen Preisdeckel für Benzin und Diesel. Die Bundesregierung arbeitet parallel an einem befristeten Spritpreisdeckel nach Vorbildern aus Luxemburg und Belgien.

Mehrheit der Deutschen will Preisdeckel für Benzin und Diesel
Tankstelle am 18.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Knapp 69 Prozent der Deutschen sprechen sich für einen staatlichen Preisdeckel auf Benzin und Diesel aus. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ und des Senders RTL ist die Zustimmung seit April von 67 auf 69 Prozent gestiegen.

Breite Zustimmung, aber auch Ablehnung

Aktuell lehnen 26 Prozent der Befragten einen Preisdeckel ab, weitere fünf Prozent sind unentschieden und antworteten mit „weiß nicht“. Damit bleibt die Einführung staatlich begrenzter Höchstpreise umstritten, auch wenn eine klare Mehrheit dafür ist.

Die Umfrage zeigt zudem deutliche regionale Unterschiede: In Ostdeutschland wünschen sich 81 Prozent der Befragten eine Spritpreisbremse, in Westdeutschland liegt die Zustimmung bei 67 Prozent. Besonders stark ist die Unterstützung bei Anhängern von SPD und Linken, während unter den Sympathisanten der AfD rund ein Drittel (35 Prozent) verbindliche Höchstpreise an der Zapfsäule ablehnt.

Regierung plant befristeten Preisdeckel

Auslöser der Debatte sind die stark gestiegenen Spritpreise infolge des Konflikts im Nahen Osten. Tanken ist deutlich teurer geworden, viele Haushalte und Unternehmen stehen unter Druck. In mehreren europäischen Ländern gelten bereits staatlich festgelegte Höchstpreise, um extreme Preisspitzen zu begrenzen.

Die Bundesregierung plant nach Angaben der Umfrage einen befristeten Preisdeckel für Benzin und Diesel nach den Vorbildern Luxemburgs und Belgiens. Ziel ist, die finanziellen Belastungen kurzfristig abzufedern und zugleich Erfahrungen mit einer solchen Regulierung zu sammeln.

Details der Befragung

Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa am 17. und 18. September 2026 insgesamt 1.001 Deutsche. Die Umfrage wurde im Auftrag des Magazins „Stern“ und des Senders RTL durchgeführt. Sie misst Stimmungen zur Energiepreispolitik kurz vor dem geplanten Start weiterer Entlastungsmaßnahmen.

Die klare Mehrheit für einen staatlichen Preisdeckel auf Benzin und Diesel fällt in eine Phase außergewöhnlich hoher Kraftstoffpreise. Gleichzeitig plant die Bundesregierung bereits ein Entlastungspaket mit abgesenkter Energiesteuer und einem befristeten Spritpreisdeckel nach Vorbildern aus Luxemburg und Belgien. Die Umfrage zeigt damit, dass sich die öffentliche Meinung in weiten Teilen mit den aktuellen politischen Plänen deckt.

Hintergrund: Hohe Preise und politische Gegenmaßnahmen

Seit Monaten liegen die durchschnittlichen Spritpreise in Deutschland deutlich über zwei Euro pro Liter. Ursache sind insbesondere Spannungen und Angriffe im Nahen Osten sowie eine enge globale Angebotslage beim Öl, was sich direkt an der Zapfsäule niederschlägt. Parallel dazu hat die Bundesregierung einen erneuten Tankrabatt und einen zeitlich begrenzten Spritpreisdeckel angekündigt, um Bürger und Unternehmen kurzfristig zu entlasten und Preisspitzen abzufedern.

Der geplante Preisdeckel soll in Abstimmung mit der Mineralölwirtschaft kommen und zeitlich befristet sein. Luxemburg und Belgien dienen als Vorbilder, weil dort staatliche Höchstpreise für Kraftstoffe festgelegt werden, die den Wettbewerb erhalten sollen, zugleich aber extreme Ausreißer nach oben begrenzen. In Deutschland wird darüber diskutiert, wie ein solches Modell umgesetzt werden kann, ohne Anreize zum Energiesparen völlig zu unterlaufen.

Bedeutung für Parteien und Verbraucher

Die Forsa-Zahlen verweisen auf deutliche Unterschiede zwischen Ost und West sowie zwischen den Anhängern der Parteien. Besonders im Osten, wo Einkommen im Schnitt niedriger sind und längere Pendelstrecken verbreitet sind, liegt die Zustimmung zur Spritpreisbremse deutlich höher. Dass vor allem Anhänger von SPD und Linken staatliche Eingriffe befürworten, passt zu ihrem sozialpolitischen Profil, während ein signifikanter Teil der AfD-Sympathisanten staatliche Höchstpreise ablehnt.

Für die Bundesregierung liefern die Daten ein Signal, dass ein Preisdeckel politisch mehrheitlich akzeptiert wäre. Zugleich bleibt die Frage offen, wie dauerhaft solche Instrumente sein können und wie sie sich mit Klimazielen und dem Ausbau der Elektromobilität vereinbaren lassen. Kurzfristig steht jedoch die Entlastung der Haushalte und des Mittelstands im Vordergrund.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Spritpreis-Entlastung: "Lösungspaket" oder "planlose Politik"?“ (21.09.2026)

Der Beitrag ordnet das Entlastungspaket mit Steuersenkung auf Benzin und Diesel sowie dem geplanten Spritpreisdeckel ein. Neben der beschriebenen zeitlich befristeten Maßnahme nach Vorbildern Luxemburgs und Belgiens werden Kritikpunkte von Umweltverbänden und Ökonomen aufgegriffen, die vor Fehlanreizen und hohen Kosten für den Staat warnen. Damit bestätigt der Artikel den Fokus auf kurzfristige Entlastung, betont aber stärker die klima- und fiskalpolitische Risiken.

NDR.de: „Reaktionen aus Norddeutschland auf Spritpreis-Entlastungspaket: "Echtes Lösungspaket"“ (21.09.2026)

Der NDR berichtet über Reaktionen aus Norddeutschland auf die geplante Spritpreis-Entlastung, inklusive der vorgesehenen Steuersenkung und des Spritpreisdeckels. Während Teile von Wirtschaft und Pendlern die Maßnahmen als notwendige Entlastung begrüßen, äußern andere Zweifel an der Nachhaltigkeit und sehen Versäumnisse bei alternativen Mobilitätsangeboten. Im Vergleich zur Umfrage rückt der Artikel regionale Sichtweisen und praktische Auswirkungen für Berufspendler stärker in den Mittelpunkt.

taz.de: „Kritik an Spritpreis-Entlastungen: Klimaschädlich, teuer, ungerecht“ (20.09.2026)

Die taz setzt einen kritischen Schwerpunkt auf ökologischen und verteilungspolitischen Folgen der Entlastungsmaßnahmen. Der Beitrag argumentiert, dass Steuersenkungen und ein Spritpreisdeckel vor allem Viel- und Autofahrerhaushalte begünstigen und klimapolitische Ziele konterkarieren könnten. Im Gegensatz zur breiten Zustimmung in der Forsa-Umfrage hebt der Artikel die konfliktreiche Debatte hervor und macht deutlich, dass ein Preisdeckel politisch umstritten bleibt.

Übergreifend bestätigen die Medienberichte, dass die geplanten Entlastungen und der Spritpreisdeckel eine breite gesellschaftliche Relevanz haben. Während einige Beiträge die unmittelbare finanzielle Entlastung würdigen, konzentrieren andere sich auf ökologische und fiskalische Risiken sowie auf die Frage, wie dauerhaft staatliche Eingriffe in die Preisbildung sein sollen.

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