EU-Haushaltskommissar, Finanzielle

EU-Haushaltskommissar: Finanzielle Sorgen bei Ukraine-Beitritt gering

24.04.2024 - 16:54:38

Eine Aufnahme der Ukraine in die EU könnte ohne Änderung der Förderregeln nach EinschĂ€tzung des EU-Haushaltskommissars Johannes Hahn ein um 20 Prozent höheres Budget der Staatengemeinschaft erfordern.

"Klingt gigantisch, aber das entspricht nur 0,2 Prozent der europÀischen Wirtschaftsleistung und das ist sicher machbar", sagte Hahn den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch). Die finanzielle Seite eines potenziellen EU-Beitritts der Ukraine bereite ihm das geringste Kopfzerbrechen, so Hahn. "Es geht um ein lohnendes Investment, denn die Ukraine hat wirtschaftlich enormes Potenzial."

Der EU-Gemeinschaftsetat umfasst von 2021 bis 2027 rund 1,1 Billionen Euro. Eine Steigerung wĂŒrde nach heutigem Stand rund 200 Milliarden mehr bedeuten.

Das grĂ¶ĂŸere Problem sieht Hahn allerdings bei der Vorbereitung in der Staatengemeinschaft. Er zĂ€hlte auf: "Wie treffen wir Entscheidungen, wie sichern wir Rechtsstaatlichkeit? Wie bringen wir den großen Agrarsektor der Ukraine mit unserer Landwirtschaft zusammen?" UnabhĂ€ngig von einem EU-Beitritt der Ukraine und LĂ€nder des Westbalkan seien in der EU institutionelle Reformen nötig, so Hahn weiter. Er plĂ€dierte etwa fĂŒr Mehrheitsentscheidungen statt Einstimmigkeit in der Außenpolitik.

Anfang November hatte die EU-Kommission die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine empfohlen. Bei einem Gipfeltreffen Mitte Dezember hatten sich die EU-Staats- und Regierungschefs auf die Aufnahme von BeitrittsgesprĂ€chen verstĂ€ndigt. Diese dĂŒrften viele Jahre dauern.

Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft schĂ€tzten die finanziellen Folgen einer Vollmitgliedschaft der Ukraine in der Staatengemeinschaft auf das derzeitige mehrjĂ€hrige Budget der EU in einem Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Bericht auf rund 130 bis 190 Milliarden Euro. Die genaue Summe hĂ€nge davon ab, welche Annahmen ĂŒber die AckerlandflĂ€che und die Bevölkerungszahl fĂŒr die Ukraine getroffen wĂŒrden.

Auch die BrĂŒsseler Denkfabrik Bruegel kam in einer im MĂ€rz veröffentlichten Analyse zu dem Schluss, dass die Aufnahme der Ukraine bei derzeitigen Förderregeln erhebliche finanzielle Konsequenzen fĂŒr die bisherigen Mitgliedsstaaten haben wĂŒrde. Die Gesamtkosten einer Integration der Ukraine hĂ€tten sich in der laufenden Haushaltsperiode von 2021 bis 2027 Beispielrechnungen zufolge auf rund 136 Milliarden Euro belaufen.

@ dpa.de