Immobilienpreise sinken in Metropolen, Mieten steigen weiter
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 12:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFinanzierung belastet Haushalte
- Das IW meldet fĂŒr Wohnungen in den sieben gröĂten StĂ€dten ein Minus von fast einem Prozent binnen Jahresfrist.
- In Stuttgart sanken die Wohnungspreise um 3,9 Prozent, in Berlin um 2,0 Prozent und in Köln um 1,3 Prozent.
- FĂŒr 300.000 Euro Kredit stieg die Monatsrate bei zwei Prozent Tilgung von rund 1.450 auf gut 1.600 Euro.
IW sieht sinkende Kaufpreise in GroĂstĂ€dten
Stark gestiegene Kreditzinsen drĂŒcken einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge die Immobilienpreise in deutschen Metropolen, wĂ€hrend die Mieten krĂ€ftig steigen. Im dritten Quartal kosteten Wohnungen in den sieben gröĂten StĂ€dten fast ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor, HĂ€user verbilligten sich um 2,3 Prozent.
StĂ€rkster RĂŒckgang in Stuttgart
Besonders deutlich fielen die Wohnungspreise in Stuttgart um 3,9 Prozent, in Berlin um 2,0 Prozent und in Köln um 1,3 Prozent. Deutschlandweit stagnierten die Preise fĂŒr Wohneigentum und lagen damit nach Angaben der IW-Immobilienökonomen gut zehn Prozent unter dem Höchststand von 2022.
Kreditzinsen erreichen hohen Stand
Die durchschnittliche Verzinsung zehnjÀhriger Immobiliendarlehen kletterte nach Daten des Finanzierungsvermittlers Interhyp zuletzt auf rund 4,5 Prozent. Das ist der höchste Stand seit der Finanzkrise 2009.
FĂŒr Haushalte mit einem Kredit ĂŒber 300.000 Euro und zwei Prozent Tilgung stieg die monatliche Belastung laut IW von rund 1.450 Euro zu Jahresbeginn auf gut 1.600 Euro. Das entspricht einem Plus von mehr als zehn Prozent.
Mieten steigen trotz sinkender Kaufpreise
Die Angebotsmieten erhöhten sich bundesweit um 4,5 Prozent und im Umland der Metropolen um 5,2 Prozent. In den Metropolen betrug der Anstieg 3,8 Prozent.
Eine Ausnahme war Hamburg: Dort stiegen die Mieten laut IW um fast sieben Prozent. IW-Experte Michael VoigtlĂ€nder erklĂ€rte, hohe Zinsen trieben zahlungskrĂ€ftige Haushalte zurĂŒck auf den Mietmarkt. Dadurch steige die Nachfrage, wĂ€hrend das Angebot nicht wachse.
IW erwartet zusÀtzlichen Druck durch Baukosten
Investoren mit viel Eigenkapital hielten sich ebenfalls zurĂŒck, weil Staatsanleihen angesichts von Sorgen ĂŒber hohe Schulden in LĂ€ndern wie Frankreich höhere Renditen abwerfen. Immobilien verlören dadurch als Investment an AttraktivitĂ€t.
Steigende Baukosten könnten den Neubau zusĂ€tzlich bremsen, da Bauen viel Energie verbrauche. Das IW schlĂ€gt deshalb unter anderem staatliche BĂŒrgschaften fĂŒr private Immobilienkredite vor.
Der Wohnungsmarkt reagiert derzeit auf zwei gegenlĂ€ufige KrĂ€fte: Die Finanzierung verteuert sich deutlich, wĂ€hrend das Angebot an Mietwohnungen knapp bleibt. FĂŒr Kaufinteressenten sinkt dadurch zwar der Preis einzelner Immobilien, die monatliche Belastung aus Zins und Tilgung steigt jedoch weiter.
Besonders angespannt ist die Lage in wirtschaftsstarken StÀdten. Dort treffen hohe Nachfrage, begrenzte BauflÀchen und ein schwacher Neubau auf Haushalte, die wegen der Finanzierungskosten den Eigentumserwerb verschieben. Diese zusÀtzliche Nachfrage wirkt auf den Mietmarkt, ohne dass kurzfristig entsprechend viele Wohnungen hinzukommen.
Hohe Finanzierungskosten verÀndern den Markt
Die GröĂenordnung zeigt sich an einem Darlehen ĂŒber 300.000 Euro: Bei zwei Prozent Tilgung stieg die monatliche Belastung laut IW von rund 1.450 auf gut 1.600 Euro. FĂŒr viele Haushalte kann der Kauf damit trotz niedrigerer Preise unerschwinglicher werden.
Auch fĂŒr Kapitalanleger wird die Rechnung schwieriger. Höhere Anleiherenditen, Baukosten und Finanzierungskosten mindern die AttraktivitĂ€t von Immobilien, wĂ€hrend Vermieter zugleich mit steigenden Mieten auf die Nachfrage reagieren. Das kann den Mietmarkt kurzfristig entlasten, wenn weniger Menschen kaufen, verschĂ€rft aber den Druck auf Wohnungssuchende.
Was jetzt entscheidend wird
FĂŒr die weitere Entwicklung kommt es darauf an, ob die Zinsen dauerhaft hoch bleiben und wie schnell neuer Wohnraum entsteht. Bleibt der Neubau hinter dem Bedarf zurĂŒck, könnten sinkende Kaufpreise und steigende Mieten parallel bestehen bleiben. FĂŒr Haushalte bedeutet das: Die Entscheidung zwischen Kaufen und Mieten hĂ€ngt stĂ€rker als bisher von Eigenkapital, Einkommen, Lage und Anschlussfinanzierung ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: âImmobilienkredite sind so teuer wie seit 2009 nicht mehrâ (20.10.2026)
Der Beitrag habe den Anstieg der zehnjĂ€hrigen Kreditzinsen auf knapp 4,5 Prozent beschrieben und die höhere monatliche Belastung fĂŒr Kreditnehmer betont. Anders als die dpa-Meldung habe er den Schwerpunkt auf Inflation, Bauwirtschaft und fehlendes Eigenkapital gelegt.
Frankfurter Rundschau: âIst der Immobilienboom vorbei? Was EigentĂŒmer und KĂ€ufer jetzt wissen mĂŒssenâ (23.10.2026)
Der Artikel habe steigende Bauzinsen und die schwierige Kalkulation fĂŒr Anleger eingeordnet. WĂ€hrend die dpa-Meldung die aktuellen Preis- und Mietbewegungen des IW hervorhebe, richte der Beitrag den Blick zusĂ€tzlich auf Anschlussfinanzierungen, Erbschaften und regionale Unterschiede.
Beide BeitrÀge bestÀtigten den hohen Finanzierungsdruck, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte. Offen bleibt, wie dauerhaft das Zinsniveau bleibt und wie stark zusÀtzlicher Neubau den Mietmarkt entlasten kann.
