Einkommenssteuerreform: Zehn Milliarden Euro Entlastung verpufft
04.07.2026 - 23:41:58 | boerse-global.de
Die geplante Einkommenssteuerreform der schwarz-roten Regierung könnte fĂŒr viele Steuerzahler zum Nullsummenspiel werden. Wirtschaftsinstitute warnen: Steigende Sozialabgaben fressen die Entlastung auf.
Was die Reform bringt
Das Paket sieht steuerliche Entlastungen von bis zu zehn Milliarden Euro jÀhrlich vor. Kernpunkte: Der Grundfreibetrag steigt schrittweise auf rund 12.900 Euro bis 2028, das Kindergeld auf 272 Euro. Der Arbeitnehmerpauschbetrag erhöht sich auf 1.430 Euro.
Auch die Tarifgrenzen verschieben sich. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift erst ab 70.600 Euro zu versteuerndem Einkommen. Die Reichensteuer wird angepasst: 45 Prozent ab 250.000 Euro, 47 Prozent ab 280.000 Euro.
FĂŒr Spitzenverdiener wird es teurer. Laut DIW-Berechnungen zahlen sie bei 300.000 Euro Einkommen 1.124 Euro mehr, bei einer Million sogar 15.894 Euro. Der Handwerkerbonus sinkt auf 900 Euro.
Die versteckte Belastung
Das IW warnt: Die Steuerentlastung verpufft durch steigende SozialbeitrÀge. Der Rentenversicherungsbeitrag klettert von 18,6 auf 19,9 Prozent bis 2028. Die geplante Kapitalrente könnte weitere zwei Prozentpunkte draufpacken.
Die Effekte sind je nach Einkommen höchst unterschiedlich:
- Familie mit zwei Kindern (76.800 Euro brutto): 642 Euro Entlastung
- Alleinerziehender (60.000 Euro): 496 Euro Plus
- Single (30.000 Euro): magere 11 Euro
- Single (50.000 Euro): 47 Euro Minus
- Single (70.000 Euro): 97 Euro Belastung
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Finanzexperte Frank Hechtner kritisiert zudem: Die kalte Progression wird 2027 und 2028 nicht vollstĂ€ndig ausgeglichen. Das DIW beziffert die steuerliche Entlastung fĂŒr 2027 auf 7,6 Milliarden Euro â der reine Ausgleich der kalten Progression schlĂ€gt bereits mit 7,5 Milliarden zu Buche.
Wer wirklich profitiert
Die Reform steht massiv in der Kritik. DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher nennt das Vorhaben âunambitioniertâ. Ifo-Chef Clemens Fuest vermisst notwendige AusgabenkĂŒrzungen auf Staatsseite.
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Besonders brisant: Geringverdiener gehen leer aus. Dietmar Bartsch weist darauf hin, dass Millionen Menschen keine Lohnsteuer zahlen â sie profitieren nicht von Entlastungen, wohl aber von steigenden SozialbeitrĂ€gen. 2022 waren das rund 4,58 Millionen SteuerfĂ€lle.
SozialverbĂ€nde bewerten das Paket lediglich als âgeringfĂŒgige Korrekturâ. Die reale Belastung der Haushalte senke es nicht wirksam.
