Einsamkeits-App wird Kassenleistung: 60 Millionen Versicherte
18.06.2026 - 12:42:01 | boerse-global.de
Doch die Kehrseite der Medaille zeigt wachsende psychische Belastungen durch Digitalisierung und Isolation. Neue Projekte und Apps sollen jetzt gegensteuern.
Eine IHK-Umfrage unter 6.300 Azubis in Rheinland-Pfalz zeichnet ein zweigeteiltes Bild. Die Mehrheit ist zufrieden. Aber ein Drittel kritisiert die Berufsschulen – vor allem Ausstattung, Digitalisierung und fachliche Qualität. Zudem fühlen sich zwei Drittel der Jugendlichen gesellschaftlich nicht ausreichend anerkannt.
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Digitaler Stress beginnt früh
Die EU-weite Umfrage vom 17. Juni zeigt einen Generationenkonflikt: 48 Prozent der 13- bis 18-Jährigen sehen positive Effekte von Social Media auf ihre Psyche. Bei den Eltern sind es nur 21 Prozent. Die Bildschirmzeit? 4,5 Stunden an Schultagen, über 6 Stunden am Wochenende.
Bayern reagiert. Das Gesundheitsministerium startete am 17. Juni eine „Agenda für digitale Balance“. Kern: Ein Social-Media-Kompass für Schulen und der Ausbau von Präventionsprogrammen wie IPSY und REBOUND. Ziel ist es, Kompetenz im Umgang mit digitalen Stressfaktoren zu fördern – bevor die Jugendlichen ins Berufsleben starten.
Azubi-Sommerhaus gegen Isolation
Die Südwestfalen Agentur setzt auf ein ungewöhnliches Format. Seit dem 16. Juni leben zwölf Azubis für fünf Tage am Biggesee. Team-Challenges wie Seifenkistenrennen und Koch-Wettbewerbe sollen Vorurteile abbauen und die Ausbildung als modernes Karrieremodell präsentieren.
Parallel gewinnt das Pilotprojekt „KlimAzubi“ an Bedeutung. Es schult Auszubildende in der öffentlichen Verwaltung zur Klimaanpassung. Das Projekt wurde für den Bundespreis „Blauer Kompass“ nominiert.
App gegen Einsamkeit wird Kassenleistung
Eine Premiere in der Gesundheitsvorsorge: Das Berliner Startup platoniq erhielt am 16. Juni die Zulassung für eine App gegen Einsamkeit als Präventionskurs nach §20 SGB V. Das Programm basiert auf kognitiver Verhaltenstherapie, entwickelt mit der Humboldt-Universität. Rund 60 Millionen gesetzlich Versicherte können die Kosten jetzt erstattet bekommen.
Auch in Leipzig wird digitale Hilfe erprobt: Das Programm MeTAzeit bietet Übungen zu Meditation, Achtsamkeit und Bewegung – gegen Konzentrationsstörungen und Stress.
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Strukturelle Probleme in Unternehmen
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht derzeit die psychischen Belastungen in kleinen und mittleren Unternehmen. Über 3.000 Betriebe wurden befragt. Die Datenbasis für künftige Präventionsstrategien soll ab dem ersten Quartal 2027 verfügbar sein.
Ein blinder Fleck: Finanzielle Sorgen der Mitarbeiter. Schulden führen zu Fehlzeiten und Konzentrationsschwierigkeiten, warnen Experten. Unternehmen sollten präventive Informationsangebote schaffen.
Zukunftswerkstatt für Fachkräfte
Die Leuphana Universität Lüneburg veranstaltet am 23. Juni ein „Job Lab“. Gemeinsam mit Unternehmen sollen Stellenprofile entwickelt werden, die den Erwartungen der Nachwuchskräfte an moderne Arbeitsmodelle entsprechen. Parallel beschäftigt sich eine Veranstaltung an der Universität Heidelberg mit Resilienzräumen und Mental Health Literacy im Bildungssystem.
