Elektrifizierungsplan, Mrd

Elektrifizierungsplan: EU spart bis 260 Mrd. Euro bei fossilen Importen

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 21:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission will den Elektrifizierungsgrad bis 2040 auf 46 Prozent steigern und lockert parallel den Emissionshandel.

EU-Elektrifizierungsplan: Stromanteil soll sich bis 2040 verdoppeln
Eine stilisierte Darstellung eines leuchtenden elektrischen Stroms, der durch eine Europakarte fließt und Städte verbindet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ziel: Europa soll bis 2040 zum ersten weitgehend elektrisch betriebenen Kontinent werden.

Der Elektrifizierungsgrad am Endenergieverbrauch soll von derzeit 23 auf 46 Prozent steigen. Das ist mehr als eine Verdopplung in 14 Jahren.

Milliarden-Ersparnis bei fossilen Importen

Die Kommission verspricht sich davon eine drastische Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Die jährlichen Importkosten könnten um bis zu 260 Milliarden Euro sinken.

Bis 2040 soll die Gasnachfrage um 70 Prozent fallen, die Ölnachfrage um 40 Prozent. Finanziert werden soll der Umbau durch eine neue Bank für industrielle Dekarbonisierung mit 100 Milliarden Euro Volumen.

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen sieht das Ende des fossilen Zeitalters gekommen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie durch die Elektrifizierung sichern.

Strom muss günstiger werden

Ein zentrales Problem: In vielen EU-Staaten ist Strom bis zu 2,5-mal teurer als Erdgas. Das soll sich ändern. Bis 2030 peilt Brüssel ein Preisverhältnis von maximal 2,5 für Haushalte und 2 für die Industrie an.

Erreicht werden soll das durch Anpassungen bei Steuern, Abgaben und Netzentgelten. Zudem plant die Kommission einen beschleunigten Netzausbau und mehr Smart-Meter.

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Im Gebäudesektor soll die Installationsrate von Wärmepumpen auf 4 Millionen Einheiten pro Jahr steigen. Gleichzeitig sind 200 Gigawatt Speicherkapazität geplant – nötig, weil der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix auf 70 Prozent klettern soll.

Emissionshandel: Weniger Druck für die Industrie

Parallel lockert die EU die Regeln im Emissionshandel (ETS). Das bisherige Ziel, die Zertifikatsmenge bis 2039 auf null zu fahren, wird aufgegeben. Stattdessen soll die jährliche Reduktionsrate ab 2031 verlangsamt werden – der Nullpunkt verschiebt sich in die 2040er Jahre.

Die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten für die Industrie wird bis Ende 2037 verlängert, ursprünglich war 2034 geplant. Allerdings ist die Vergünstigung an konkrete Investitionen in Dekarbonisierung geknüpft.

Gleichzeitig weitet die EU den ETS räumlich und sektoral aus. Erstmals sollen Müllverbrennungsanlagen sowie Flüge zu Drehkreuzen außerhalb der EU – etwa Istanbul oder Abu Dhabi – einbezogen werden.

Geteiltes Echo aus der Wirtschaft

Die Industrie reagiert gespalten. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lehnt eine starre Elektrifizierungsquote ab und fordert marktorientierte Rahmenbedingungen. Solarpower Europe begrüßt die Initiative, vermisst aber eine stärkere Förderung von Batteriespeichern.

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Octopus Energy hebt die Bedeutung der geplanten Preisrelationen hervor – sie seien entscheidend für den Markthochlauf von Wärmepumpen.

Kritik gibt es an der bisherigen Verwendung der ETS-Einnahmen. Seit 2013 flossen rund 260 Milliarden Euro über das System – aber nur etwa 5 Prozent direkt in industrielle Investitionen. Künftig sollen mindestens 50 Prozent zweckgebunden für die Dekarbonisierung reserviert werden.

Eine Gesetzgebung auf Basis der Entwürfe wird für das vierte Quartal 2026 erwartet.

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