Biker, MotorrÀder

Warum viele Biker elektrische MotorrÀder meiden

29.04.2024 - 05:41:38

Elektrisch und emissionsfrei: E-MotorrÀder sind eine umweltfreundliche Alternative zu Verbrenner-Modellen. Bei traditionellen Bikern hat die E-Version aber einen schweren Stand.

  • Bei schweren MotorrĂ€dern ist die E-Version deutlich weniger beliebt. - Foto: Boris Roessler/dpa

    Boris Roessler/dpa

  • WĂ€hrend sich E-Autos langsam etablieren, haben batteriebetriebene MotorrĂ€der noch einen langen Weg vor sich. - Foto: Paul Zinken/dpa

    Paul Zinken/dpa

Bei schweren MotorrÀdern ist die E-Version deutlich weniger beliebt. - Foto: Boris Roessler/dpaWÀhrend sich E-Autos langsam etablieren, haben batteriebetriebene MotorrÀder noch einen langen Weg vor sich. - Foto: Paul Zinken/dpa

Auf den ersten Blick sieht die Harley-Davidson «Livewire One» aus wie ein gewöhnliches Motorrad. Erst an der Ampel hört man den Unterschied zur sonst ĂŒblichen LĂ€rm-Kulisse. Mit ihrem elektrischen Antrieb ist sie nicht nur leise unterwegs, sondern auch umweltfreundlich: Weil der Zweirad-Stromer keine Abgase ausstĂ¶ĂŸt, reduziert er die lokale Belastung durch Feinstaub und Schadstoffe.

In Deutschland spielt ElektromobilitĂ€t in der Automobilindustrie eine wichtige Rolle, um Klimaziele zu erreichen. Doch wĂ€hrend sich E-Autos langsam etablieren, haben die batteriebetriebenen MotorrĂ€der noch einen langen Weg vor sich. «Die meisten Biker brauchen das FreiheitsgefĂŒhl auf der Maschine. Sie wollen ihre Strecken fahren, ohne an die nĂ€chste Steckdose denken zu mĂŒssen», erzĂ€hlt Dirk, der anonym bleiben möchte, der dpa. FĂŒr den leidenschaftlichen Motorradfahrer komme der Kauf eines E-Modells nicht infrage: «Ein Biker erkennt eine Maschine am Klang - auch das fĂ€llt bei den Elektro-MotorrĂ€dern weg.»

Geringe Nachfrage - ĂŒberschaubares Angebot

Zwar ist nach Angaben des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland (IVM) das Interesse an motorisierten ZweirĂ€dern mit Elektroantrieb in den Jahren seit 2020 deutlich gestiegen, das gelte aber vor allem fĂŒr die kleineren Fahrzeugsegmente. 2023 gab es nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) 222.046 Neuzulassungen fĂŒr KraftrĂ€der - davon waren nur 16.945 (7,6 Prozent) mit Elektro-Antrieb. Im Jahr zuvor waren es noch 33.687 von 223.889 neu zugelassenen KraftrĂ€dern.

Auch die Angebotspalette von elektrischen KraftrĂ€dern ist ĂŒberschaubar. So verschob BMW die Vorstellung seines ersten E-Motorrads auf frĂŒhestens 2026 - ursprĂŒnglich war das Modell schon fĂŒr 2025 angekĂŒndigt worden. Es gebe weltweit «nirgendwo eine wirklich relevante Nachfrage seitens der Kunden nach elektrischen MotorrĂ€dern», sagt BMW-Sprecher, Tim Diehl-Thiele. Solange die Nachfrage ausbleibt, mache es keinen Sinn, ein vollelektrisches Motorrad auf den Markt zu bringen.

EingeschrÀnkte Reichweite und lange Ladezeiten

Die hĂ€ufigsten Kaufhindernisse sind die eingeschrĂ€nkte Reichweite und die Aufladedauer von E-MotorrĂ€dern, erklĂ€rt Matthias Meier, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Harley-Davidson-Factory in Frankfurt. Nach Angaben des ADAC schaffen es die meisten Modelle nur auf 100 bis 200 Kilometer Reichweite, einige wenige schaffen auch mehr. Motorradfahrer wĂŒrden ihre KraftrĂ€der aber oft fĂŒr deutlich lĂ€ngere Strecken nutzen, sagt Meier. «Wenn der typische Motorradfahrer mit seinen Kumpels einen Ausflug machen will, kommt er mit der E-Version nicht weit.»

Um die Barrieren der Motorradfahrer abzubauen, lohne sich eine Probefahrt, sagt Meier. «Elektrische MotorrĂ€der polarisieren beim Erstkontakt.» Das Handling und die spielerische Leichtigkeit wĂŒrden fast jeden Fahrer begeistern. «Man muss nicht mal kuppeln. Auch die Bremse braucht man nur, wenn man mal scharf bremsen muss. Und im Hochsommer muss man sich nicht vor der MotorwĂ€rme schĂŒtzen», erzĂ€hlt er ĂŒber die «E-Harley».

E-Modelle in urbanen Gebieten beliebt

Deutlich erfolgreicher sind die kleineren E-Modelle. Gerade in Stadtgebieten profitiere man von kurzen Stauzeiten, einfacheren Parkmöglichkeiten und ĂŒberschaubaren Fahrzeugkosten, heißt es vom IVM. Dem Verband zufolge machen Elektrofahrzeuge in der kleinsten Klasse, die KleinkraftrĂ€dern mit bis zu 50 Kubikzentimetern Hubraum entspricht, fast 30 Prozent aus. Ähnliches gilt fĂŒr die Klasse A1 mit einem Hubraum bis zu 125 Kubikzentimetern, wo im vergangenen Jahr mehr als 10 Prozent der neu zugelassenen ZweirĂ€der einen Elektroantrieb hatte.

Viele Hersteller setzen demnach gerade in Stadtgebieten auf den E-Antrieb. Gerade aus China werden zahlreiche Elektro-Roller angeboten. Auch BMW fokussiert sich nach eigenen Angaben bei neuen Modellen fĂŒr stĂ€dtische RĂ€ume und ĂŒberschaubare Distanzen ausschließlich auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Schließlich seien die Bayern mit ihrem ersten E-Großroller C Evolution von 2013 auf Anhieb MarktfĂŒhrer geworden und hĂ€tten den Markt wesentlich angeschoben, betont Diehl-Thiele.

Motorradfahrer auf den E-Geschmack bringen

Damit kĂŒnftig mehr Motorradfahrer auf den emissionsfreien Geschmack kommen, mĂŒsse sich Meier zufolge die Infrastruktur von Ladestationen verbessern. «Man braucht fĂŒr die E-Modelle mehr Lademöglichkeiten in- und außerhalb der Stadt», betont er. Auch BMW-Sprecher Diehl-Thiele bemĂ€ngelt «die bei weitem noch nicht ausreichende Dichte an Ladestationen» fĂŒr die ĂŒberwiegend in der Freizeit genutzten MotorrĂ€der. Daneben wĂŒrden technische Herausforderungen auf der Produktseite das Umstellen von MotorrĂ€dern auf E-Motoren erschweren, erklĂ€rt er. «Nur ein Beispiel: Das Batteriegewicht ist im Motorrad ein viel komplizierteres Thema als im Auto.»

Auch gebe es keine regulatorischen Angaben fĂŒr Hersteller, wie etwa Flottenvorgaben, erklĂ€rt der BMW-Mann. FĂŒr die Anschaffung von E-Autos wurden von der Bundesregierung finanzielle Anreize gesetzt. Bis Mitte Dezember 2023 förderte die Bundesregierung den Kauf eines Elektrofahrzeuges mit bis zu 4500 Euro. FĂŒr ein E-Motorrad gab es keine UmweltprĂ€mie. «Wenn es fĂŒr E-MotorrĂ€der eine staatliche Förderung gĂ€be, wĂŒrde man vielleicht den ein oder anderen davon ĂŒberzeugen», sagt Meier. «Aber das ist bei der Regierung durchs Raster gefallen.»

Nach IVM-Ansicht wird der Anteil von Elektrofahrzeugen bei motorisierten ZweirĂ€dern gerade im Bereich der kleineren Fahrzeuge als MobilitĂ€tsalternative weiter steigen. Gleiches gelte fĂŒr das Motorradsegment, in dem auch Hybrid-Antriebe eine Rolle spielen könnten.

@ dpa.de