Elektro-Lkw: Deutschland braucht bis 2045 bis zu 43 Terawattstunden Ladestrom
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 04:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Strombedarf von Elektro-Lkw in Europa könnte bis 2045 auf mehr als 200 Terawattstunden pro Jahr steigen, wobei Deutschland den größten Bedarf hätte.
Bis 2035 bereits rund 100 Terawattstunden
Das geht aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und des International Council on Clean Transportation hervor. Unter günstigen politischen Rahmenbedingungen für die Verbreitung batterieelektrischer Lastwagen könnten demnach bereits 2035 rund 100 Terawattstunden benötigt werden.
Bei ungünstigeren Bedingungen wäre es laut der Untersuchung jeweils nur etwa ein Drittel des Bedarfs. Die Szenarien beziehen sich auf den Strombedarf für das Laden batterieelektrischer Lkw in Europa.
Deutschland vor Frankreich und Großbritannien
Für Deutschland werden im Jahr 2045 bis zu 43 Terawattstunden erwartet. Frankreich folgt mit rund 35 Terawattstunden, Großbritannien mit etwa 34 Terawattstunden.
Zum Vergleich: In Deutschland wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr insgesamt 432 Terawattstunden Strom erzeugt und in das Netz eingespeist. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.
Laden vor allem in Depots
Der Studie zufolge wird nur ein Bruchteil des Ladebedarfs unterwegs anfallen. In allen Ländern und Szenarien dominiere das Laden im Depot.
Der Bedarf konzentriere sich auf bestimmte Güterverkehrskorridore, Industriestandorte und Logistikzentren, erklärte Hauptautor Steffen Link vom Fraunhofer ISI. Bei Ausbau der Infrastruktur und Netzplanung sollten daher Gebiete mit besonders sicherem und hohem Bedarf im Mittelpunkt stehen. Andernfalls könne die Netzinfrastruktur mit dem raschen Umstieg auf batterieelektrische Lkw nicht Schritt halten.
Der Bedarf wächst mit dem Güterverkehr
Der prognostizierte Strombedarf hängt nicht nur von der Zahl neuer Elektro-Lkw ab, sondern auch von deren Einsatzprofil. Fernverkehr, hohe Jahresfahrleistungen und schwere Lasten erhöhen den Energiebedarf deutlich. Entscheidend ist deshalb, welche Transportstrecken elektrifiziert werden und wie schnell sich batterieelektrische Modelle im Alltag durchsetzen.
Die regionale Konzentration macht den Ausbau planbarer, erhöht aber zugleich die Anforderungen an einzelne Netzabschnitte. Depots, Logistikzentren und Industriestandorte benötigen leistungsfähige Anschlüsse, damit viele Fahrzeuge in vergleichsweise kurzen Zeitfenstern geladen werden können. Für Netzbetreiber wird damit neben der insgesamt erzeugten Strommenge vor allem die lokale Lastspitze relevant.
Netzplanung wird zum Engpassfaktor
Die Größenordnung von bis zu 43 Terawattstunden für Deutschland im Jahr 2045 entspricht rechnerisch etwa einem Zehntel der im Vorjahr erzeugten und eingespeisten Strommenge. Der Vergleich beschreibt jedoch keine zusätzliche Dauerlast: Ladevorgänge verteilen sich über das Jahr und können teilweise zeitlich gesteuert werden.
Für Unternehmen bedeutet die Entwicklung, dass Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und betriebliche Abläufe gemeinsam geplant werden müssen. Gesteuertes Laden, größere Depotanschlüsse und die Nutzung günstiger Erzeugungszeiten können die Belastung reduzieren. Bleiben Genehmigungen oder Netzverstärkungen hinter dem Fahrzeughochlauf zurück, könnten fehlende Kapazitäten die Umstellung im Güterverkehr bremsen.
