Elektrofachkraft-Mangel: 72% der Hersteller finden keine Talente
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutsche Industrie sucht hĂ€nderingend nach ElektrofachkrĂ€ften. Laut dem aktuellen âGlobal Manufacturing World of Work Outlook 2026â von Manpower finden weltweit 72 Prozent der Hersteller keine passenden Talente. Besonders brisant: 93 Prozent der Betriebe erwarten VerĂ€nderungen durch Robotik und Smart Manufacturing, doch 60 Prozent der BeschĂ€ftigten in der Fertigung erhielten in den letzten sechs Monaten kein Skill-Training.
Vor diesem Hintergrund rĂŒckt die Qualifizierung zur Elektrofachkraft fĂŒr festgelegte TĂ€tigkeiten (EFKffT) in den Fokus. Die Zusatzqualifikation erlaubt es, FachkrĂ€fte aus anderen technischen Berufen rechtssicher fĂŒr spezifische elektrotechnische Arbeiten einzusetzen.
Neue hybride Lernkonzepte
Die DGWZ bietet ab September 2026 ein neues Seminar zur EFKffT an. Das Konzept kombiniert eine fĂŒnftĂ€gige Online-Theoriephase mit einem fĂŒnftĂ€gigen PrĂ€senz-Praxisteil. Die ersten TheoriedurchgĂ€nge starten vom 14. bis 18. September 2026, ein weiterer folgt im Februar 2027. Die praktischen Einheiten finden im FrĂŒhjahr und Sommer 2027 in Essen und Mannheim statt.
Auch das Handwerk reagiert auf den Bedarf. Die Handwerkskammer (HWK) Oberfranken fĂŒhrt im September 2026 einen spezifischen Kurs fĂŒr FachkrĂ€fte aus dem Bereich SanitĂ€r, Heizung und Klima (SHK) in Hof durch. Parallel investiert die HWK OWL massiv: Am Campus Handwerk in Bielefeld flieĂen rund 7,6 Millionen Euro in die Modernisierung der WerkstĂ€tten. Mit 2,6 Millionen Euro entfĂ€llt der gröĂte Einzelbetrag auf den Bereich Elektrotechnik.
Spezialisierung in Photovoltaik und Sicherheit
FĂŒr bereits qualifizierte EFKffT steigt die Nachfrage nach themenspezifischen Zusatzmodulen. Die DEKRA Akademie bietet im Dezember 2027 ein zweitĂ€giges ErgĂ€nzungsmodul fĂŒr Photovoltaik in Stuttgart an. Es umfasst theoretische Grundlagen und praktische Ăbungen an Solaranlagen.
Neben der fachlichen Qualifizierung ist die regelmĂ€Ăige Unterweisung zum sicheren Umgang mit Strom eine zentrale Betreiberpflicht. Mit dieser kostenlosen PowerPoint-Vorlage und Anleitung bereiten Sie Ihre nĂ€chste Elektro-Unterweisung in der HĂ€lfte der Zeit rechtssicher vor. Kostenlose PowerPoint-Vorlage und Anleitung jetzt herunterladen
Im Sicherheitsbereich werden Schulungen an aktuelle Normen angepasst. UDS Beratung fĂŒhrt Online-Schulungen zur Sachkunde fĂŒr Sprachalarmanlagen durch, die auf der aktualisierten DIN VDE 0833-4 vom Juni 2024 basieren. Die regelmĂ€Ăige Fortbildung bleibt gesetzlich vorgeschrieben: Das bfw Berlin bietet eintĂ€gige Jahresunterweisungen an, um den zertifizierten Status der EFKffT zu erhalten.
Digitale Hilfsmittel und technische Anforderungen
Die Anforderungen an die Kommunikation zwischen steuerbaren Energieanlagen wie WĂ€rmepumpen und PV-Systemen steigen stetig. Die EEBus Initiative hat gemeinsam mit dem ZVEH eine Beta-Version eines neuen Handwerkertools veröffentlicht. Das Werkzeug soll die PrĂŒfung von Kommunikationsverbindungen vereinfachen. Die finale Version ist fĂŒr das vierte Quartal 2026 geplant.
Ob beim Einsatz moderner Energieanlagen oder bei Arbeiten an der Hauselektronik â die Haftung bei UnfĂ€llen hĂ€ngt entscheidend von der lĂŒckenlosen Dokumentation der Sicherheitsschulungen ab. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, was Aufsichtsbehörden und Versicherungen im Ernstfall wirklich von Ihnen verlangen. Rechtssichere Vorlage fĂŒr Unterweisungsnachweise kostenlos sichern
Das Elektrohandwerk drĂ€ngt zudem auf stĂ€rkere Einbindung bei der Installation intelligenter Messtechnik. Der ZVEH fordert eine Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts bis 2030, lehnt jedoch vereinfachte âLightâ-Lösungen ab.
Karrierewege und Verantwortlichkeiten
Die EFKffT-Qualifikation eröffnet berufliche Perspektiven. Aktuelle Stellenausschreibungen fĂŒr Servicetechniker im AuĂendienst im Raum Frankfurt am Main nennen die Qualifikation explizit als Alternative zur klassischen elektrotechnischen Ausbildung. Die Gehaltsrahmen liegen bei etwa 40.000 bis 55.000 Euro pro Jahr.
FĂŒr FachkrĂ€fte mit Meister- oder Ingenieurstitel rĂŒckt zudem die Rolle der verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) nach DGUV Vorschrift 3 in den Fokus. Entsprechende Seminare zur Ăbernahme dieser Unternehmerpflichten werden fĂŒr Herbst 2027 in Leipzig angeboten.
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