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EMFIS Market Recap Lateinamerika

Veröffentlicht: 12.11.2006 um 17:51 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

Die lateinamerikanischen Aktienmärkte konnten sich in der abgelaufenen Woche erneut besser entwickelten als die etablierten Märkte etwa in den Vereinigten Staaten. Dabei stürmten insbesondere die Börsen in Mexiko und Argentinien ungebrochen nach oben, während der brasilianische Leitindex etwas hinterherhinkte. Insgesamt ließ sich vor allem der Trend feststellen, dass insbesondere zyklische Papiere aus dem Stahl- und Finanzsektor nicht mehr zu den Favoriten der Anleger zählten. Stattdessen wurden vor allem Papiere aus dem Telekom-Sektor nachgefragt, wobei einige Sondersituation hier das Interesse besonders belebten. Die Kongresswahlen in den USA, wo die Demokraten sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus wieder die Mehrheit der Sitze erringen konnten, hatte auf die Marktentwicklung kaum Auswirkungen. Weit mehr Beachtung fand das dortige Verbrauchervertrauen (Uni Michigan), das im November nach unten gegangen war und mit 92,3 unter den Markterwartungen lag. Allerdings kamen auch positive Signale aus den Vereinigten Staaten. So hatten dort etwa die Importpreise zuletzt unter den Prognosen gelegen, was den Inflationsdruck auf die weltgrößte Volkswirtschaft lindern und die US-Notenbank in absehbarer Zeit zu einer Zinswende veranlassen könnte. Die Rohölnotierungen wiederum konnten sich angesichts der US-Lagerbestandsdaten wieder über 60 Dollar pro Barrel nach oben arbeiten. Gegen Ende der Woche zeigte sich dann aber, dass sich dieses Niveau vorerst nicht durchhalten ließ. So hatte die Internationale Energieagentur ihre Prognosen für den künftigen globalen Ölbedarf angesichts der schwächeren weltwirtschaftlichen Entwicklung erneut nach unten angepasst. Dies brachte den Rohölpreis zum Wochenende hin wieder unter Druck. Der brasilianische Bovespa konnte auf Wochensicht ein Kursplus von 0,7 Prozent auf 40.719 Punkte verbuchen und blieb damit hinter den anderen großen lateinamerikanischen Indizes zurück. Für eine gewisse Zurückhaltung sorgten die Daten zur brasilianischen Industrieproduktion, die im September nur noch um enttäuschende 1,3 Prozent angewachsen war. Saisonbereinigt hat sich sogar eine Verringerung um 1,4 Prozent ergeben. Zwar war ein Teil davon auf streikbedingte Produktionsunterbrechungen bei einigen großen Autokonzernen zurückzuführen gewesen. Aber auch der hohe Außenwert des brasilianischen Real, der die Exporte zunehmend abdämpft, dürfte zu dieser Entwicklung nennenswert beigetragen haben. Neuerlich gefragt waren die Titel des Eisenerzriesen Vale do Rio Doce, der seinen Umsatz im dritten Quartal um 41 Prozent und den Nettogewinn um 56 Prozent verbessern konnte. CEO Roger Agnelli hatte zudem auf der Bilanzpressekonferenz dargelegt, dass die größte Herausforderung für die Branche vorerst darin bestehe, den weltweit hohen Bedarf ausreichend abzudecken. Die Aktie von Petrobras profitierte von den zwischenzeitlich deutlich gestiegenen Rohölnotierungen. Zudem hatte der Konzern gemeldet, seine Expansionspläne auch auf das afrikanische Angola ausgeweitet zu haben, wo mehrere Kooperationsabkommen zur Offshore-Förderung unterzeichnet worden sind. Daneben legte die Aktie des Telekom-Konzerns Telemar Tele Norte Leste wieder merklich zu. Hier belebte einmal mehr die Aussicht auf die Angleichung von Stammaktien und Vorzügen die Kursentwicklung. Insgesamt schwächer zeigten sich allerdings die Stahlwerte, die für den Gesamtmarkt zu einem Belastungsfaktor wurden. Da die Marktteilnehmer nur noch ein moderates globales Wachstum erwarten, standen Papiere wie Gerdau und Usiminas auf der Verliererseite. In Mexiko hielten zwar die politischen Unruhen im Bundesstaat Oaxaca weiter an, wurden aber vom Markt zunehmend nur noch als „Hintergrund-Rauschen“ wahrgenommen. Im Vorfeld des Besuchs von Regierungschef Vicente Fox in der Region war es dort zu einigen Bomben-Explosionen gekommen. Die große Eskalation, die von manchem Beobachter befürchtet wurde, war aber ausgeblieben. Vor diesem Hintergrund stürmte der mexikanische IPC-Index, der noch in der Vorwoche nach unten ausgeschert war, um satte 3,3 Prozent nach oben auf 23.951 Zähler. Am Freitag konnte das Kursbarometer damit ein neues Allzeit-Schlusshoch markieren. Eine gewisse Aufwärtstendenz bei der Inflationsentwicklung focht die Marktteilnehmer dabei relativ wenig an. Zwar hatte sich bei den Verbraucherpreisen auf Jahressicht ein Anstieg um 5,3 Prozent ergaben, was dem höchsten Zuwachs seit 15 Monaten entsprochen hat. Dies war aber in erster Linie auf höhere Preise für Lebensmittel und Elektrizität zurückzuführen gewesen. Die Analysten gehen davon aus, dass sich Mexikos Inflationsrate im Laufe des Jahres 2007 wieder auf rund 3,5 Prozent zurückentwickeln wird. Die wichtigste Story am Markt war ohne Zweifel die Eingliederung von America Telecom in den Mobilfunker America Movil via Aktientausch. Dieser wurde von dem Multimilliardär Carlos Slim eingeleitet, der beide Konzerne kontrolliert. America Telecom verbuchten daraufhin satte Zuschläge, aber auch America Movil konnten sich weiter nach oben arbeiten. Zum Wochenbeginn hatten Bear Stearns für die Aktie ihre Einstufung „outperform“ bestätigt und das Kursziel angehoben. Daneben halten es viele Marktteilnehmer für wahrscheinlich, dass das Unternehmen jetzt auch noch in Brasilien bei TIM Participacoes (bislang Telecom Italia) einsteigen könnte. In Argentinien gewann der Merval 2,3 Prozent auf 1885 Stellen hinzu. Für einen spürbaren Aufwärtsschub sorgten die Quartalszahlen des Marktschwergewichts Tenaris. Der weltgrößte Pipeline-Produzent hatte die Erwartungen übertroffen und stellte für 2007 ein robustes Umsatzwachstum in Aussicht, da in der Öl- und Gasbranche weiterhin ein hoher Investitionsbedarf bestehe. Bei den zuletzt stark gefragten Bankaktien fanden hingegen Gewinnmitnahmen statt. Hier konnte den zum Teil sehr hochgesteckten Erwartungen an die Ergebnisentwicklung nicht immer entsprochen werden. Papiere wie Grupo Financiero Galicia kamen dementsprechend nach Zahlen unter Abgabedruck. Gerhard Heinrich P.S. Diesen und Rückblicke zu Asien, Osteuropa und Rohstoffen erhalten Sie exklusiv als Leser des EMFIS Market Recap. Melden Sie sich dafür noch heute an auf www.EMFIS.com.

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