EmpCo-Richtlinie: Ritter Sport klebt Verpackungen um ab 27. September
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 20:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Schokoladenhersteller Ritter Sport sieht sich zu weitreichenden Anpassungen seiner Produktpräsentation gezwungen. Hintergrund ist die neue EU-Richtlinie EmpCo (EU) 2024/825, die strengere Anforderungen an ökologische Werbeaussagen stellt. Da das Unternehmen noch über erhebliche Bestände an alten Verpackungsmaterialien verfügt, werden diese nun seit Monaten mit Stickern überklebt, um den gesetzlichen Vorgaben rechtzeitig zu entsprechen.
Wegfall pauschaler Nachhaltigkeitsversprechen
Die Umstellung betrifft insbesondere prominente Werbeaussagen auf der Vorderseite der Schokoladentafeln. So wird der bisherige Claim „100 % zertifiziert nachhaltiger Kakaobezug“ von den Verpackungen entfernt. Die neuen gesetzlichen Regelungen untersagen pauschale Umweltaussagen wie „nachhaltig“, sofern diese nicht durch detaillierte Lebenszyklusdaten untermauert werden können.
Statt der bisherigen Werbebotschaften finden Verbraucher nun grüne Sticker mit der schlichten Aufschrift „100 g“ auf den Tafeln. Diese Maßnahme dient dazu, die alten Folien aufzubrauchen, ohne gegen die neue Rechtslage zu verstoßen.
Die neugestalteten Folien, die künftig zum Einsatz kommen, weisen auf der Vorderseite lediglich den Hinweis „ohne Zusatz von Aromen“ auf, während detaillierte Informationen zum Kakaobezug auf die Rückseite der Verpackung wandern.
Strenge Vorgaben durch die EmpCo-Richtlinie
Die EU-Richtlinie EmpCo (Empowering Consumers for the Green Transition) tritt am 27. September 2026 vollständig in Kraft. Sie zielt darauf ab, Verbraucher besser vor irreführenden Umweltaussagen zu schützen. Ab diesem Zeitpunkt sind allgemeine Begriffe wie „umweltfreundlich“, „öko“ oder „klimaneutral“ ohne konkrete und verifizierbare Belege verboten. Bei Verstößen gegen diese Auflagen drohen den Unternehmen empfindliche Geldstrafen.
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Die Neuregelung greift dabei weit: Auch grafische Elemente, wie etwa Naturbilder auf den Verpackungen, können als irreführend eingestuft werden, wenn sie einen falschen Eindruck von der Umweltbilanz des Produkts vermitteln.
Für den Handel ergeben sich zudem Verschärfungen bei regionalen Kennzeichnungen. Begriffe wie „regional“ dürfen demnach nur noch verwendet werden, wenn sie durch klare Fakten wie Kilometerangaben oder konkrete CO2-Einsparungen belegt sind.
Kritik an Rechtsunsicherheit und wirtschaftlicher Druck
Ritter Sport teilte mit, dass man das Ziel einer höheren Transparenz grundsätzlich befürworte. Dennoch übte das Unternehmen Kritik an der Ausgestaltung der neuen Regelungen und verwies auf eine bestehende Rechtsunsicherheit bei der praktischen Umsetzung der Richtlinie.
Die Entscheidung für die auffälligen Aufkleber ist zudem vor dem Hintergrund früherer Kritik zu sehen: In der Vergangenheit gab es Beanstandungen bezüglich sogenannter Mogelpackungen, nachdem das Gewicht einzelner Tafeln von 100 g auf 75 g reduziert worden war. Mit den neuen Stickern wird das Gewicht nun wieder explizit hervorgehoben.
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Die logistischen Mehraufwände durch das Überkleben treffen das Unternehmen in einer wirtschaftlich herausfordernden Phase. Ende April 2026 kündigte Ritter Sport den ersten Stellenabbau in seiner 110-jährigen Firmengeschichte an. Davon ist mehr als jede zehnte Stelle im Unternehmen betroffen.
Als Gründe für diesen Einschnitt nannte der Schokoladenhersteller massiv gestiegene Rohstoffpreise für Kakao sowie höhere Kosten für Energie und Verpackung. Zudem belaste eine spürbare Kaufzurückhaltung der Verbraucher das Geschäftsergebnis.
