EN ISO 20345:2022: Neue Sicherheitsschuhe-Regeln für Deutschland
23.05.2026 - 04:09:52 | boerse-global.deSicherheitsschuhe müssen ab sofort strengere Rutschfestigkeits-Tests bestehen. Die alte Kennzeichnung SRC verschwindet.
Der Arbeitsunfall durch Ausrutschen ist kein Kavaliersdelikt: Rund 20 Prozent aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle in Deutschland gehen auf Stürze durch Rutschen, Stolpern oder Fallen zurück. Die neue Norm EN ISO 20345:2022 soll diese Zahl weiter senken. Sie ersetzt das bisherige dreistufige Kennzeichnungssystem durch klarere Vorgaben – und stellt Hersteller wie Arbeitgeber vor neue Herausforderungen.
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Schluss mit SRA, SRB und SRC
Jahrelang galt SRC als das Gütesiegel für besonders rutschfeste Sicherheitsschuhe. Die Kennzeichnung bedeutete, dass das Schuhwerk sowohl auf Keramikfliesen mit Seifenlauge als auch auf Stahloberflächen mit Glycerin getestet wurde. Mit der neuen Norm ist dieses System Geschichte.
Die bisherigen Klassen SRA, SRB und SRC werden komplett abgeschafft. Stattdessen ist eine grundlegende Rutschfestigkeit nun Pflicht für alle zertifizierten Sicherheitsschuhe – vergleichbar mit dem alten SRA-Standard. Wer mehr will, bekommt die neue Kennzeichnung „SR". Dieses Label steht für einen zusätzlichen, härteren Test auf keramischen Fliesen mit Glycerin. Er simuliert extrem rutschige oder ölige Böden.
Präzisere Tests nach menschlichem Gangbild
Die Prüfverfahren wurden grundlegend überarbeitet. Früher genügte ein Test an beliebiger Stelle der Sohle. Die neue Norm schreibt vor: Gemessen wird gezielt an Fersenauftritt und Zehenabstoß. Diese beiden Punkte sind biomechanisch die kritischsten Phasen eines Schrittes – genau hier ist das Risiko für ein Ausrutschen am höchsten.
Für Spezialschuhe mit Metallspikes, bei denen ein herkömmlicher Rutschtest unmöglich ist, gibt es das Symbol „Ø". Es zeigt an, dass die Anforderung nicht zutrifft. Diese technische Präzision erlaubt Sicherheitsverantwortlichen in Logistik, Bau und Produktion fundiertere Entscheidungen.
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Unfallzahlen: Positiver Trend, aber kein Grund zur Entwarnung
Die aktuellen Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zeigen Licht und Schatten. 2025 sank die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle auf 730.598 – ein Rückgang um rund 24.000 Fälle gegenüber dem Vorjahr. Die tödlichen Arbeitsunfälle erreichten mit 335 einen neuen Tiefststand (2024: 351).
Doch die Gefahr durch rutschige Böden bleibt. Das Institut für Arbeitsschutz (IFA) betont: Während organisatorische Maßnahmen allmählich an ihre Grenzen stoßen, sind technische Verbesserungen – wie optimierte Sohlendesigns – der entscheidende Hebel für weitere Fortschritte.
Materialinnovationen und Markttrends
Der deutsche Markt für Sicherheitsschuhe reagiert mit Hochdruck auf die neuen Anforderungen. Führende Hersteller wie ELTEN setzen verstärkt auf Hightech-Materialien. In Zusammenarbeit mit der Chemieindustrie, etwa mit BASF, kommt vermehrt expandiertes thermoplastisches Polyurethan (E-TPU) zum Einsatz. Es verbindet hohe Rutschfestigkeit mit hervorragender Dämpfung.
Der Trend für 2026 ist klar: Leichte, sportliche Sicherheitsschuhe sind gefragt, besonders in Logistik und Lagerwirtschaft. Dort legen Beschäftigte pro Schicht oft zwischen 13 und 19 Kilometer zurück. Die Herausforderung: Die Schuhe müssen SR-zertifizierten Grip bieten, ohne schwer zu sein.
Für schwere Bauarbeiten bleiben Tiefprofilsohlen mit mindestens 4,0 Millimetern Profiltiefe aus robustem Polyurethan der Standard. Sie sind für die neuen Schutzklassen S3 oder S7 ausgelegt und bieten Halt auf Schlamm und Schotter.
Übergangsfrist bis November 2029
Die neue Norm gilt zwar schon seit 2023, doch die Umstellung läuft schleichend. Schuhe, die noch nach der alten EN ISO 20345:2011 zertifiziert sind, dürfen bis zum Ablauf ihrer spezifischen Zertifikate verkauft werden. Experten rechnen mit einem Nebeneinander beider Standards bis November 2029.
Für deutsche Arbeitgeber heißt das: Sie sind nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, ihren Beschäftigten die aktuellste und sicherste Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Da die großen Hersteller ihre Produktion bereits umgestellt haben, wird die „SR"-Kennzeichnung zum neuen Standard für Hochleistungs-Sicherheitsschuhe in Europa.
Ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Ab Mitte 2026 verschärfen EU-Verordnungen die Regeln für die Vernichtung unverkaufter Schuhe. Die Branche wird sich künftig noch stärker auf langlebige und recyclingfähige Materialien konzentrieren müssen.
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