Energiepreisschock, Deutschland

Energiepreisschock kostet Deutschland 34 Milliarden Euro Kaufkraft

20.06.2026 - 14:14:08 | boerse-global.de

Gewerbliche Erzeugerpreise in Deutschland erreichen höchsten Anstieg seit Mai 2023, getrieben durch Energie- und Rohstoffkosten.

Deutsche Erzeugerpreise steigen durch Iran-Krieg stark an
Energiepreisschock - Nahaufnahme von Euro-Münzen und -Banknoten, teilweise verdeckt von einem aufsteigenden Liniendiagramm, vor einer verschwommenen deutschen Stadtkulisse. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das ist der stärkste Zuwachs seit Mai 2023, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Treiber sind die Folgen des Iran-Krieges, der vor allem Mineralölprodukte und Energie massiv verteuert.

Energie und Rohstoffe treiben Erzeugerkosten

Im Vergleich zum Vormonat April stiegen die Preise nur moderat um 0,3 Prozent. Der Blick auf das Vorjahr zeigt jedoch die Wucht der Entwicklung: Mineralölprodukte verteuerten sich um 34,9 Prozent, Edelmetalle sogar um 59,4 Prozent und Kupfer um 24,5 Prozent.

Ganz anders sieht es bei Nahrungsmitteln aus: Hier sanken die Preise auf Erzeugerebene um 3,6 Prozent. Besonders Butter und Schweinefleisch wurden deutlich günstiger angeboten.

Anzeige

Steigende Energiekosten und höhere Preise für Dienstleistungen belasten auch private Immobilienbesitzer massiv. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber erklärt Ihnen in nur 5 Minuten, wie Sie alle zulässigen Betriebskosten rechtssicher auf Ihre Mieter umlegen. Betriebskosten 2026: Jetzt rechtssicher abrechnen

Auch Dienstleistungen werden teurer. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Erzeugerpreise hier um 2,4 Prozent im Jahresvergleich. Vor allem Reinigungsfirmen sowie Rechts- und Steuerberatungen verlangten mehr Geld. Experten zufolge sind die gestiegenen Logistikkosten durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten noch nicht vollständig eingepreist.

Inflation sinkt – aber nur vorübergehend

Trotz steigender Produktionskosten gab die Teuerung für Verbraucher im Mai leicht nach. Der Inflationsmonitor des IMK zeigte am Freitag eine Rate von 2,6 Prozent – nach 2,9 Prozent im April. Grund ist der Tankrabatt, der die Spritpreise vorübergehend drückte. Besonders einkommensschwache Familien spürten das: Ihre spezifische Inflationsrate fiel auf 2,4 Prozent.

Doch die Deutsche Bundesbank warnte in ihrem Monatsbericht vom Donnerstag vor einer Trendwende im Sommer. Der Tankrabatt läuft Ende Juni aus. Dann dürften die Energiepreise wieder anziehen. Die Bundesbank rechnet damit, dass die HVPI-Inflation im weiteren Verlauf wieder über 3 Prozent steigen könnte. Auch die LBBW hob ihre Prognose für 2026 auf 3,0 Prozent an.

Anzeige

Viele Vermieter verschenken jährlich bares Geld, weil sie im Mietvertrag wichtige Kostenpunkte vergessen oder falsch kalkulieren. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, welche „sonstigen Betriebskosten“ Sie unbedingt berücksichtigen müssen, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Kostenlosen Experten-Report herunterladen

Reallöhne legen zu – vor allem in der Chemie

Die Kaufkraft der Beschäftigten hat sich in den vergangenen zwei Jahren positiv entwickelt. Nach starken Tarifsteigerungen und Inflationsausgleichsprämien 2024 setzte sich der Trend 2025 fort: Die Nominallöhne wuchsen stärker als die Verbraucherpreise.

Besonders deutlich zeigt sich das in der Chemie- und Pharmaindustrie. Eine Umfrage der Verbände VAA und GDCh vom Freitag ergab: Die Fixgehälter für außertarifliche und leitende Angestellte stiegen 2025 um 4,2 Prozent. Zusammen mit erholten Bonuszahlungen kletterten die Gesamteinkommen um durchschnittlich 6,6 Prozent. In Großunternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern fielen die Zuwächse durch deutlich höhere Boni noch kräftiger aus.

Wirtschaftlicher Ausblick bleibt gedrückt

Trotz stabiler Löhne ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft mies. Einer aktuellen Umfrage vom Juni zufolge bewerten 85 Prozent der Bürger die wirtschaftliche Lage als negativ. Das ifo Institut erwartet für 2026 nur ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent. Der Energiepreisschock durch den Iran-Krieg kostet die Wirtschaft geschätzte 34 Milliarden Euro an Kaufkraft.

Die Bundesbank rechnet für das dritte Quartal mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent – nach einer Stagnation im Frühjahr. Eine nachhaltige Erholung? Frühestens im Herbst. Vorausgesetzt, die geopolitischen Risiken führen nicht zu weiteren Preissprüngen bei Rohstoffen. Und dann ist da noch das Finanzierungsdefizit: Laut ifo-Prognose könnte es 2026 auf 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen.

de | wirtschaft | 69590106 |