Entgelttransparenz: Deutschland verpasst EU-Frist um Monate
03.07.2026 - 13:42:27 | boerse-global.de
Juni 2026 verstrichen – doch Deutschland hat noch kein nationales Gesetz zur Entgelttransparenzrichtlinie vorgelegt.
Das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) plant die Novelle des Entgelttransparenzgesetzes erst für Anfang 2027. Der Handlungsdruck auf Unternehmen wächst jedoch schon jetzt: Die Gehaltsdaten des laufenden Jahres bilden vermutlich die Grundlage für künftige Berichtspflichten.
Verzögerung mit Folgen
Die Bundesregierung hat die EU-Frist zur Umsetzung der Richtlinie 2023/970 schlicht verstreichen lassen. Das BMFSFJ will den Gesetzgebungsprozess nun im kommenden Jahr abschließen und die ersten Berichtsstichtage um ein Jahr auf 2028 verschieben.
Bleiben die ursprünglichen EU-Stichtage unverändert, wäre der 7. Juni 2027 der erste relevante Termin. Dann müssten Unternehmen ab 150 Mitarbeitenden ihre Pay-Gap-Analysen auf Basis der Gehaltsdaten von Januar bis Dezember 2026 erstellen. Arbeitnehmervertreter sehen bei den geplanten Verzögerungen weiteren Diskussionsbedarf.
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Was Unternehmen jetzt wissen müssen
Unabhängig vom finalen Gesetz sollten Firmen bereits heute ihre Entgeltdaten archivieren. Die Richtlinie verlangt nämlich nicht nur die Bezüge der aktuellen Belegschaft – auch Daten ausgeschiedener Mitarbeiter fließen in die Analysen ein.
Besonders kritisch ist die 5-Prozent-Schwelle: Überschreitet das geschlechtsspezifische Lohngefälle diesen Wert und fehlt eine sachliche Rechtfertigung, greift ein gemeinsames Entgeltbewertungsverfahren (Joint Pay Assessment). Das kann bei einer Zeitraumbetrachtung sogar kleinere Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten betreffen.
KI hilft bei der Analyse
Angesichts des hohen Verwaltungsaufwands drängen automatisierte Lösungen auf den Markt. Das deutsche Startup CompLens (DexterBee GmbH) bietet eine SaaS-Plattform, die Pay-Gap-Analysen KI-gestützt durchführt und Beraterleistungen ersetzen soll.
Das System erfüllt laut Anbieter die Vorgaben zum Joint Pay Assessment und ist DSGVO-konform. Für Firmen mit 150 bis 500 Mitarbeitenden kostet der Vollzugriff 5.990 Euro jährlich – genau die Zielgruppe, die ab 2026 direkt von der Dokumentationspflicht betroffen ist.
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Wirtschaftlich schwieriges Umfeld
Die neue Regulierung trifft deutsche Betriebe in einer ohnehin angespannten Lage. Wie auf der Mitgliederversammlung des Pensions-Sicherungs-Vereins (PSVaG) Mitte Juni bekannt wurde, wuchs das BIP 2025 nur um 0,2 Prozent – bei einem Anstieg der Insolvenzen um 8 Prozent.
Besonders die betriebliche Altersversorgung leidet: Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der zu sichernden Fälle um 40 Prozent auf über 28.000. Der PSVaG-Beitragssatz dürfte daher von 1,2 Promille im Vorjahr auf 1,2 bis 2,5 Promille steigen. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden Steffen Kampeter (BDA) und Holger Lösch (BDI).
