ePA und Forschung: Datenweitergabe ans FDZ Gesundheit startet Ende Oktober
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 20:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Jahr nach der Einführung der Befüllungspflicht für die elektronische Patientenakte (ePA) ziehen Fachverbände, medizinische Einrichtungen und das Bundesgesundheitsministerium (BMG) eine erste Bilanz. Während die offiziellen Stellen auf eine breite technische Abdeckung und hohe Nutzerzahlen verweisen, thematisieren ärztliche Organisationen und Fachmedien erhebliche Unklarheiten bei der praktischen Umsetzung sowie technische Instabilitäten.
Hohe Anschlussraten und steigende Datennutzung
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums wurden von den rund 74,5 Millionen gesetzlich Versicherten für etwa 73 Millionen Personen eine ePA angelegt.
Im Bereich der privaten Krankenversicherung beläuft sich die Zahl der angelegten Akten auf 386.000. Die Beteiligung aufseiten der Leistungserbringer ist demnach ebenfalls hoch: Von 160.000 angeschlossenen Einrichtungen haben mehr als 159.000 bereits mit der ePA gearbeitet. Ob diese Nutzung einmalig oder regelmäßig erfolgte, wird statistisch nicht unterschieden.
Die Gematik konkretisierte die Beteiligung in den verschiedenen Sektoren. Demnach nehmen 82.000 von insgesamt 98.500 Arztpraxen, 27.500 Zahnarztpraxen, 12.500 Apotheken und 1.300 Kliniken teil.
Laut dem TI-Dashboard der Gematik beläuft sich die Gesamtzahl der teilnehmenden Einrichtungen auf 123.251. Wöchentlich werden laut BMG rund 3 Millionen Dokumente hochgeladen und mehr als 35 Millionen Medikationslisten geöffnet.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gab an, dass seit dem Start fast 160 Millionen Dokumente hochgeladen wurden, wobei 91 Prozent dieser Uploads durch Arztpraxen erfolgten.
Kritik an technischer Stabilität und Praxistauglichkeit
Trotz der hohen Anschlusszahlen äußern ärztliche Verbände deutliche Kritik. Die Freie Ärzteschaft bezeichnete die elektronische Patientenakte in einer aktuellen Bilanz als einen milliardenteuren Fehlschlag. Nur ein Bruchteil der 74 Millionen gesetzlich Versicherten nutze das System aktiv.
Der Verband verwies auf massive Zugangsprobleme, technische Störungen sowie Risiken für die ärztliche Schweigepflicht und den Datenschutz. Zudem wurde kritisiert, dass für die geplante TI 2.0 auch ungeprüfte, handelsübliche Kartenlesegeräte zugelassen werden sollen.
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Auch der Verband MEDI Baden-Württemberg forderte ein Jahr nach Beginn der Befüllungspflicht umfassende Nachbesserungen bei der Technik und dem Datenschutz. In Praxen und medizinischen Einrichtungen wird laut Berichten von Softwareproblemen, unübersichtlichen Datenstrukturen und Schnittstellenfehlern gesprochen.
Das Aufrufen und Pflegen der Dokumente führe zu einer spürbaren Mehrarbeit im Praxisalltag. Zudem seien sowohl Patienten als auch Fachpersonal aufgrund der komplexen Handhabung verunsichert.
Ein Blick auf die Betriebssicherheit im September verdeutlicht die technischen Hürden: Beim Versichertenstammdatenmanagement (VSDM 2.0) wurden mindestens 1.102 Ausfall-Prüfintervalle registriert, was einer Ausfallzeit von über 90 Stunden entspricht. Insbesondere Störungen bei D-Trust beeinträchtigten in diesem Zeitraum die ePA, das E-Rezept und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).
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Forschungsausblick und geplante Funktionserweiterungen
Ab Ende Oktober 2026 sollen Gesundheitsdaten aus der ePA für Forschungszwecke an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) übermittelt werden können. Vorgesehen ist zunächst die Ausleitung der elektronischen Medikationsliste, weitere Datenkategorien sollen schrittweise folgen.
Die Daten werden pseudonymisiert bereitgestellt. Versicherte müssen der Übermittlung aktiv widersprechen (Opt-out), falls sie diese nicht wünschen. Ein Widerspruch ist über die ePA-App oder die Ombudsstellen der Krankenkassen möglich.
Krankenkassen sollen zum Teil erst Ende Oktober über die genauen Details zur Weitergabe und die Widerspruchsmöglichkeiten informieren. Während für ePA-Daten ein Widerspruchsrecht besteht, gilt dies derzeit nicht für die Abrechnungsdaten der Krankenkassen, die separat an das FDZ übermittelt werden.
Die Gematik plant den vollständigen Rollout der entsprechenden Funktionserweiterungen für Anfang 2027, wobei erste Modellregionen noch im laufenden Jahr starten sollen.
Der Branchenverband Bitkom forderte ergänzend die Schaffung offener Schnittstellen und die Anbindung bestehender digitaler Angebote, wie etwa Termin-Apps. Zudem sollten Funktionen wie eine digitale Impfübersicht zeitnah integriert werden, um den Nutzwert der Akte im Versorgungsalltag zu erhöhen.
