Erbschaftsteuer: Familienunternehmer fordern Abschaffung und 10-Prozent-Luxussteuer
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der anhaltenden Debatte um die fiskalische Belastung von Vermögensübertragungen plädiert die Stiftung Familienunternehmen und Politik für eine grundlegende Reform. Der Vorstand der Stiftung, Rainer Kirchdörfer, sprach sich in einer aktuellen Stellungnahme für die vollständige Abschaffung der Erbschaftsteuer aus.
Als Kompensation schlägt die Organisation die Einführung einer Luxussteuer vor, während sie gleichzeitig vor einer drohenden Erhöhung der bestehenden Erbschaftsteuer warnt.
Vorschlag einer Sonderabgabe auf Luxusgüter
Nach den Vorstellungen der Stiftung könnte eine Luxussteuer in Höhe von 10 Prozent eingeführt werden, die zusätzlich zur regulären Umsatzsteuer von 19 Prozent erhoben wird. Als konkretes Beispiel nannte Kirchdörfer den Erwerb von Sportwagen ab einem Kaufpreis von 150.000 Euro. Mit diesem Vorstoß verweist die Stiftung auf internationale Vorbilder wie Schweden und Österreich, in denen die Erbschaftsteuer bereits abgeschafft wurde.
Hintergrund der Forderung ist eine beobachtete Veränderung innerhalb der Nachfolgergenerationen in deutschen Familienbetrieben. Laut Kirchdörfer habe sich die Verkaufsneigung potenzieller Erben zuletzt deutlich erhöht.
Demnach halten aktuell 30 Prozent der Nachfolger einen Unternehmensverkauf im Zuge des Generationswechsels für möglich. Im Jahr 2020 lag dieser Wert noch bei 14,4 Prozent. Die Stiftung sieht darin ein Warnsignal für den Erhalt mittelständischer Strukturen.
Juristische und politische Spannungsfelder
Die Diskussion gewinnt vor dem Hintergrund einer bevorstehenden Verhandlung am Bundesverfassungsgericht an Bedeutung. Am 12. und 13. Oktober befasst sich das Gericht mit den Gesetzgebungskompetenzen im Bereich der Erbschaftsteuer. Kirchdörfer ist in diesem Verfahren als sachverständiger Dritter beteiligt. Mit einem Urteil wird noch im Laufe des Jahres 2026 gerechnet.
Wer sich mit dem Thema Erbschaft befasst, sollte auch die rechtssichere Vorsorge für den Ernstfall nicht vernachlässigen. Dieser kostenlose Ratgeber bietet geprüfte Vorlagen für Testament und Patientenverfügung, um die eigene Familie abzusichern. Berliner Testament & Patientenverfügung kostenlos sichern
Parallel dazu formiert sich politischer Widerstand gegen eine Entlastung großer Vermögen. Eine Initiative um den Bremer Altbürgermeister Carsten Sieling stellte den sogenannten Bremer Appell für gerechte Vermögensverteilung vor.
Die Unterzeichner, zu denen unter anderem VdK-Präsidentin Verena Bentele und der frühere SPD-Chef Norbert Walter-Borjans gehören, fordern eine faire Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen ab einem Wert von 5 Millionen Euro.
Zudem setzen sie sich für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ab einer Grenze von 10 Millionen Euro ein. Dem Appell zufolge entgehen dem deutschen Fiskus jährlich Steuereinnahmen in Höhe von 8,8 Milliarden Euro durch bestehende Ausnahmeregelungen bei der Erbschaftsteuer.
Fiskalische Entwicklung und Kurs der Bundespolitik
Die Relevanz des Themas wird durch aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes und der Finanzverwaltungen unterstrichen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 21,4 Milliarden Euro an Erb- und Schenkungsteuer festgesetzt, was einem Zuwachs von knapp 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Die Debatte um höhere Belastungen zeigt, wie wichtig eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der eigenen Nachlassregelung ist. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie typische Fehler beim Testament vermeiden und rechtssichere Dokumente erstellen. Kostenlosen Ratgeber für Nachlass und Vorsorge herunterladen
Diese Steigerung wird primär auf sehr große Vermögensübertragungen von mindestens 20 Millionen Euro zurückgeführt, die häufig Unternehmensanteile und Betriebsvermögen umfassten. Insgesamt lag den Festsetzungen ein übertragenes Vermögen von rund 141 Milliarden Euro zugrunde.
Innerhalb der Bundesregierung drängt insbesondere der SPD-Vorstand auf einen schärferen finanzpolitischen Kurs. Ein Positionspapier sieht vor, eine Reform der Erbschaftsteuer zur Finanzierung einer Bildungsoffensive zu nutzen, wobei insbesondere große Erbschaften und Schenkungen stärker belastet werden sollen.
Während ein Parteikonvent bis Dezember 2026 die langfristige Strategie festlegen soll, sind geplante Einkommensteuer-Entlastungen erst zum 1. Januar 2027 vorgesehen. Ergebnisse aus jüngsten Koalitionsgesprächen im Kanzleramt, an denen Vertreter von Union und SPD teilnahmen, sollen zudem in den Koalitionsausschuss am 7. Oktober einfließen.
Strukturwandel im Mittelstand
Die Debatte findet in einem Umfeld statt, in dem sich deutsche Familienunternehmen zunehmend professionalisieren und für externes Kapital öffnen. Marktforscher beobachten jährlich mehr als 800 Transaktionen, bei denen gründergeführte Betriebe erstmals den Eigentümer wechseln.
Der Anteil von Finanzinvestoren an diesen Übernahmen stieg von weniger als zehn Prozent im Jahr 2018 auf knapp ein Viertel im Jahr 2025. Als Treiber dieser Entwicklung gelten neben dem Nachfolgedruck auch notwendige Investitionen in Digitalisierung und künstliche Intelligenz sowie veränderte geopolitische Rahmenbedingungen.
