Ergonomie-Hightech, Fachkräftemangel

Ergonomie-Hightech gegen Fachkräftemangel: Logistikbranche setzt auf Assistenzsysteme

13.05.2026 - 01:24:31 | boerse-global.de

Ergonomische Helfer wie Exoskelette und Vakuumheber sollen Ausfallzeiten senken und die Attraktivität als Arbeitgeber steigern.

Ergonomie-Hightech gegen Fachkräftemangel: Logistikbranche setzt auf Assistenzsysteme - Foto: über boerse-global.de
Ergonomie-Hightech gegen Fachkräftemangel: Logistikbranche setzt auf Assistenzsysteme - Foto: über boerse-global.de

Die Logistikbranche reagiert mit immer smarteren Assistenzsystemen – und präsentiert die neuesten Lösungen Anfang Juni in Hamburg.

Die physische Entlastung der Mitarbeiter wird zum strategischen Faktor. Angesichts des Fachkräftemangels und einer alternden Belegschaft gewinnen ergonomische Handhabungslösungen massiv an Bedeutung. Die LOGISTICS & AUTOMATION in Dortmund zeigte im Februar bereits klare Trends. Jetzt richtet sich der Blick der Branche auf Hamburg, wo Anfang Juni innovative Ansätze vorgestellt werden. Die Devise: Automatisierung nicht als Ersatz für den Menschen, sondern als notwendige Unterstützung.

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Assistenzsysteme entlasten zwar den Körper, doch auch die rechtliche Absicherung der Transportabläufe ist für Logistikunternehmen existenziell. Ein aktuelles Gerichtsurteil verdeutlicht die massiven finanziellen Risiken bei Fehlern in der Transportsicherung. Kostenloses Vorlagenpaket zur Ladungssicherung sichern

Vakuumheber und intelligente Greifer

Die PRONOMIC GmbH kündigte Mitte Mai an, auf der Messe in Hamburg erstmals umfassende Lösungen für das Materialhandling zu präsentieren. Im Fokus stehen bodengeführte Hebelift-Lösungen und mobile Systeme, die sich nahtlos in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen. Ziel ist es, manuelle Abläufe so zu gestalten, dass eine einzelne Person sie ohne gesundheitliches Risiko bewältigen kann.

Neben stationären Wandmontagen gewinnen deckengeführte Systeme an Relevanz. Sie ermöglichen eine großflächige Abdeckung von Arbeitsbereichen, ohne wertvolle Bodenfläche zu beanspruchen. Ein weiterer Eckpfeiler ist die Vakuum-Handhabungstechnik. Die J. Schmalz GmbH treibt hier die Entwicklung voran, wie Präsentationen im Frühjahr 2026 belegen.

Der Vakuum-Schlauchheber JumboFlex ist speziell für hohe Taktzahlen und schnelle Greifzyklen ausgelegt. Ergänzt wird das Portfolio durch intelligente Greifsysteme wie den modularen Fingergreifer mGrip. Er passt sich flexibel an unregelmäßige Formen und unterschiedliche Materialeigenschaften an. So lassen sich auch empfindliche Güter sicher bewegen – die körperliche Belastung bei repetitiven Aufgaben sinkt massiv. Über Schnittstellen wie IO-Link werden zudem Daten zur Prozessoptimierung direkt an die Steuerungsebene übertragen.

20,8 Prozent aller Krankheitstage durch Muskel-Skelett-Erkrankungen

Die Notwendigkeit für Investitionen in ergonomische Technik untermauern aktuelle Daten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) bleiben die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Rund 20,8 Prozent aller Krankheitstage entfielen auf Diagnosen aus diesem Bereich. Für Unternehmen bedeutet das massive wirtschaftliche Verluste.

Die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten durch Arbeitsunfähigkeit erreichten 2023 eine Rekordmarke von 221 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfungsverlusten. Allein der Ausfall an Bruttoentgelten wurde auf 128 Milliarden Euro geschätzt. In der Logistikbranche, die durch manuelles Heben und Tragen besonders belastet ist, wird Ergonomie daher zunehmend als harte betriebswirtschaftliche Kennzahl gewertet.

Experten weisen darauf hin: Ergonomische Assistenzsysteme senken nicht nur Ausfallzeiten, sondern steigern auch die Arbeitgeberattraktivität. In Zeiten des akuten Personalmangels wird die physische Schonung der Mitarbeiter zum wettbewerbsentscheidenden Faktor bei der Gewinnung neuer Fachkräfte.

Exoskelette: Milliardenmarkt mit Wachstumsdynamik

Ein besonders dynamisches Segment sind Exoskelette. Marktanalysen vom Mai 2026 prognostizieren massives Wachstum. Der globale Markt für tragbare Roboter-Exoskelette wird für 2026 auf rund 3,52 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Logistikbranche zählt neben dem Gesundheitswesen zu den Haupttreibern.

Der Markt differenziert sich zunehmend in aktive, kraftunterstützende Systeme und passive Modelle, die über Feder- oder Seilzugmechanismen wirken. Besonders Systeme für den Oberkörper, die Schultern und den Rücken dominieren mit einem Anteil von über 45 Prozent. Diese Geräte steigern die körperliche Ausdauer und minimieren das Risiko degenerativer Erkrankungen.

Technologische Fortschritte in der Robotik und leichtere Materialien haben die Akzeptanz unter den Beschäftigten erhöht. Aktuelle Modelle passen sich besser an unterschiedliche Umgebungen an – ideal für den vielseitigen Einsatz im Lager, bei der Kommissionierung oder beim Be- und Entladen von Containern. Führende Anbieter integrieren zunehmend Sensoren, die Bewegungsabläufe in Echtzeit analysieren und die Unterstützung dynamisch anpassen.

Von isolierten Lösungen zur ganzheitlichen Integration

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt eine deutliche Verschiebung: Ergonomie ist 2026 fester Bestandteil der Anlagenplanung, nicht mehr nachträgliche Anpassung einzelner Arbeitsplätze. Die Verknüpfung von Künstlicher Intelligenz und Handhabungstechnik ist hierbei ein zentraler Trend. KI-gestützte Systeme identifizieren ergonomische Risiken proaktiv, indem sie Daten aus vernetzten Hebegeräten oder Wearables auswerten.

Auf der LOGISTICS & AUTOMATION in Dortmund wurde bereits im Februar deutlich: Die Branche pocht auf den Return on Investment dieser Technologien. Unternehmen investieren vermehrt in Lösungen, die nachweislich die Fehlerquote senken und die Prozessstabilität erhöhen. Die intelligente Verknüpfung von Warehouse Management Systemen mit physischen Assistenzsystemen ermöglicht eine optimierte Lastenverteilung und individuelle Anpassung der Arbeitsgeschwindigkeit an die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters.

Die Logistik wandelt sich damit von einer rein effizienzgetriebenen Branche hin zu einem Human-Centric-Modell, in dem die Technologie dem Menschen folgt.

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Hamburger Messe als Gradmesser für die Zukunft

Die kommende Messe am 2. und 3. Juni 2026 in Hamburg wird zeigen, wie weit diese Integration bereits fortgeschritten ist. Zahlreiche Aussteller werden mobile und modulare Systeme präsentieren, die sich flexibel an schwankende Sendungsvolumina und wechselnde Sortimente anpassen lassen. Ein Schwerpunkt liegt auf der einfachen Bedienbarkeit – die „Intuitive Handling“-Philosophie soll sicherstellen, dass Assistenzsysteme ohne lange Einarbeitungszeit produktiv genutzt werden können.

Auch die Nachhaltigkeit der Systeme spielt eine größere Rolle. Ergonomie wird als sozialer Aspekt der Nachhaltigkeit (S-Faktor in ESG-Kriterien) begriffen, eng verknüpft mit wirtschaftlicher Effizienz. Gesetzliche Anforderungen an den Arbeitsschutz und Berichtspflichten zur sozialen Verantwortung erhöhen den Druck auf Unternehmen, in moderne Handhabunsgtechnik zu investieren.

Die Messe in Hamburg wird damit nicht nur eine Leistungsschau neuer Geräte sein. Sie ist ein Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Intralogistik im globalen Wettbewerb.

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