USA wieder wichtigster Handelspartner Deutschlands - Zölle im Fokus
19.02.2025 - 11:17:26Nun droht der Republikaner, auch Einfuhren von Autos in die USA deutlich zu verteuern. Das könnte die ohnehin kriselnde deutsche Automobilindustrie hart treffen.
Die Zölle auf den Import von Autos in die USA wĂŒrden "in der NĂ€he von 25 Prozent liegen", sagte Trump auf eine entsprechende Frage bei einer Pressekonferenz in seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida. Am 2. April wolle er sich konkreter dazu Ă€uĂern. Die AufschlĂ€ge wĂŒrden nicht anfallen, wenn Unternehmen in den USA produzierten, sagte Trump. Gefragt nach Zöllen auf Arzneimittel, Ă€uĂerte der US-PrĂ€sident sich Ă€hnlich.
Zölle als Belastung fĂŒr die Exportnation Deutschland
"Aufgrund des immensen Handelsvolumens haben diese Zölle grundsĂ€tzlich das Potenzial, die europĂ€ische Wirtschaft zu schwĂ€chen, dies gilt insbesondere fĂŒr Deutschland", analysiert Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Die Zölle wĂŒrden auch Einfuhren aus Mexiko treffen, wo groĂe deutsche Automobilhersteller in den vergangenen Jahrzehnten in teils gigantische Fabriken investiert haben.
Kraftwagen und Kraftwagenteile waren im vergangenen Jahr trotz eines RĂŒckgangs das wichtigste Exportprodukt "Made in Germany" mit einem Gesamtwert von 262 Milliarden Euro (minus 4,0 Prozent), gefolgt von Maschinen (216,5 Mrd Euro/minus 4,8 Prozent) und Chemischen Erzeugnissen (138,6 Mrd Euro/minus 2,1 Prozent).
Nach EinschĂ€tzung von Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung, könnte eine Eskalation des Handelskonflikts dazu fĂŒhren, dass die deutschen Ausfuhren in die USA 2025 erstmals seit Jahren wieder zurĂŒckgehen.
Komme es gar zu einem globalen Handelskrieg, könnte die deutsche Wirtschaft um mehr als ein Prozent schrumpfen, und es könnten rund 300.000 Jobs in Deutschland verloren gehen könnten, warnt Dullien. Dies zeigten Simulationen des IMK.
USA ĂŒberflĂŒgeln China in Rangliste der Handelspartner
Im vergangenen Jahr rĂŒckten die USA wieder auf Rang 1 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands: Das Volumen aus Importen und Exporten im GeschĂ€ft mit den Vereinigten Staaten summierte sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 252,8 Milliarden Euro.
Damit ĂŒberflĂŒgelten die USA China (246,3 Mrd Euro), das in den Jahren 2016 bis 2023 jeweils den Spitzenplatz innehatte. Auf Rang 3 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands landeten 2024 die Niederlande mit Exporten und Importen im Wert von zusammen 205,7 Milliarden Euro.
WÀhrend es im GeschÀft mit den USA binnen Jahresfrist leichte ZuwÀchse gab (plus 0,1 Prozent), nahm der Handel mit China vor allem wegen sinkender deutscher Ausfuhren nach China ab (minus 3,1 Prozent).
Die "aggressive Industriepolitik des asiatischen Landes" hĂ€lt IMK-Forscher Dullien fĂŒr eine weitere der zentralen Herausforderungen fĂŒr Deutschland: "Die Regierung in Peking versucht, im Rahmen der "Made in China 2025"-Strategie heimische Industrien gerade in jenen Bereichen zum WeltmarktfĂŒhrer zu machen, in denen Deutschland bisher stark war." Das soll China unabhĂ€ngiger von Importen machen, die deutsche Industrie verliert Marktanteile.
USA wichtigster Abnehmer fĂŒr "Made in Germany"
Wichtigster Einzelmarkt fĂŒr Waren "Made in Germany" sind seit 2015 die USA. Auch im vergangenen Jahr gingen die meisten deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten: Deutsche Firmen verkauften dorthin Waren im Wert von 161,4 Milliarden Euro und damit 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auf Rang 2 der wichtigsten AbnehmerlĂ€nder deutscher Exporte lag Frankreich (116,2 Mrd Euro), gefolgt von den Niederlanden (110,5 Mrd).
Bei den Einfuhren nach Deutschland dominieren seit 2015 chinesische Produkte: Obwohl die Importe aus China leicht auf 156,3 Milliarden Euro sanken, war China auch 2024 das mit Abstand wichtigste Lieferland fĂŒr Deutschland. Auf den PlĂ€tzen 2 und 3 der wichtigsten LieferlĂ€nder folgen die Niederlande (95,2 Mrd Euro) und die Vereinigten Staaten (91,4 Mrd Euro).
ExportĂŒberschuss gestiegen
Insgesamt exportierte Deutschland den jĂŒngsten Angaben der Wiesbadener Statistiker zufolge 2024 Waren im Gesamtwert von 1.556 Milliarden Euro und damit 1,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Importe verringerten sich noch deutlicher um 3,0 Prozent auf 1.316,9 Milliarden Euro. Der ExportĂŒberschuss stieg dadurch auf 239,1 Milliarden Euro, nach 217,7 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Auftragspolster der Industrie etwas dicker geworden
Ein kleiner Lichtblick: Die deutsche Industrie ist mit einem Auftragspolster ins neue Jahr gegangen. Der preisbereinigte Bestand sei im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent gestiegen, berichtet das Statistische Bundesamt. Im Vergleich zu Dezember 2023 war der Wert jedoch um 0,6 Prozent niedriger.
FĂŒr den leichten Aufschwung binnen Monatsfrist sorgten vor allem einige GroĂauftrĂ€ge fĂŒr den sonstigen Fahrzeugbau, wozu Flugzeuge, Schiffe, ZĂŒge oder MilitĂ€rfahrzeuge zĂ€hlen. Auch der Auftragsbestand im Maschinenbau legte zu. EinbuĂen mussten hingegen ElektroausrĂŒster und Autoindustrie hinnehmen. Im Schnitt reichen die AuftrĂ€ge den Berechnungen des Bundesamtes zufolge nunmehr fĂŒr 7,5 Monate, um die Unternehmen auszulasten.

