Fleischkonsum, Vegan-Trend

Fleischkonsum stabilisiert sich, Vegan-Trend lÀsst nach

07.02.2025 - 12:04:46

Erstmals seit 2016 wird wieder mehr Fleisch produziert. Marktforscher sehen verÀnderte Konsumgewohnheiten, aber keine Trendwende. Sie warnen: Die Fleischwirtschaft werde noch Probleme bekommen.

  • Die Schlachtmenge bei Schweinefleisch ist zuletzt um 1,9 Prozent gestiegen. - Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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  • In den vergangenen Jahren wurde in Deutschland immer weniger Fleisch produziert. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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Die Schlachtmenge bei Schweinefleisch ist zuletzt um 1,9 Prozent gestiegen. - Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpaIn den vergangenen Jahren wurde in Deutschland immer weniger Fleisch produziert. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Die Fleischproduktion in Deutschland ist erstmals seit 2016 wieder gestiegen. Laut vorlÀufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben die gewerblichen Schlachtunternehmen im Jahr 2024 rund 6,9 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt. Das waren 97.200 Tonnen und 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbandes der Fleischwirtschaft, Steffen Reiter, sieht nach den ĂŒber mehrere Jahre hinweg rĂŒcklĂ€ufigen Zahlen eine Trendwende. «Die Verbraucher greifen wieder vermehrt zu Fleisch.» Die Anstrengungen und Investitionen von Landwirtschaft und Fleischwirtschaft in Klimaschutz und Tierschutz zeigten Erfolg.

Wie ist die Entwicklung zu erklĂ€ren? Der Yougov-Handelsexperte Robert Kecskes beobachtet verĂ€nderte Konsumgewohnheiten. «Der große Trend zu vegan und vegetarisch hat an Dynamik verloren, auch bei jĂŒngeren Menschen.» Der Fleischkonsum stabilisiere sich. Viele Ă€ĂŸen zwar weniger, seien aber bereit, mehr Geld fĂŒr Fleisch auszugeben und höherwertige Produkte zu kaufen. «Fleisch wird wieder als etwas wertigeres angesehen», so der Marktforscher.

Von einer echten Trendwende möchte Kecskes nicht sprechen. Er erwartet, dass die QualitĂ€tsnachfrage kĂŒnftig weiter wĂ€chst, nicht aber die Fleischmengen. 

Jeder Vierte isst tÀglich Fleisch oder Wurst

Knapp 60 Prozent der Menschen in Deutschland haben in den vergangenen 12 Monaten unverÀndert viel Fleisch und Wurst gegessen wie in den 12 Monaten zuvor. Das geht aus einer reprÀsentativen Befragung von Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. An der Befragung am 6. Februar nahmen 1.763 Erwachsene in Deutschland teil. 26 Prozent verzehrten demnach weniger Fleisch, lediglich 4 Prozent mehr. 

Die Daten zeigen jedoch: Deutlich mehr Ältere geben an, weniger Fleisch gegessen zu haben. Bei JĂŒngeren wiederum ist der Anteil derer, die ihren Konsum gesteigert haben, ĂŒberdurchschnittlich hoch. 

Bei Ă€lteren Menschen sei das Ausgangsniveau grĂ¶ĂŸer, sagt Kecskes. Sie Ă€ĂŸen mehr Fleisch. Deshalb sei der Anteil derer, die den Konsum reduzieren wollten, auch höher. «Die Fleischindustrie wird noch Probleme bekommen, wenn die Älteren, die klassischen Fleischesser, vom Markt verschwinden.» Übrig blieben die, die geringere Mengen konsumierten.

Fast jeder Vierte in Deutschland isst tĂ€glich Fleisch oder Wurst. Das geht aus dem im vergangenen Jahr vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichten ErnĂ€hrungsreport hervor. 39 Prozent kaufen vegetarische oder vegane Alternativprodukte. Weil sie schmecken und gesund beziehungsweise gut fĂŒr Klima wie Umwelt sind – so erklĂ€ren die KĂ€ufer ihre BeweggrĂŒnde. Auch Tierschutz wird hĂ€ufig genannt.

Starke ZuwĂ€chse beim GeflĂŒgelfleisch seit 2000

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt in heimischen Schlachthöfen 48,7 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sowie 693,3 Millionen HĂŒhner, Puten und Enten geschlachtet. Sowohl bei Schwein-, als auch bei Rind- und GeflĂŒgelfleisch sind die produzierten Mengen gestiegen. Zu Import und Export wurden keine Angaben gemacht.

Trotz des Anstiegs ist die Fleischproduktion in Deutschland weit entfernt von ihrem Höchststand. Im Jahr 2016 waren 8,4 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt worden. 

Wer die Entwicklung hierzulande ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum beobachtet, der sieht: Die mit Abstand grĂ¶ĂŸten ZuwĂ€chse verzeichnet GeflĂŒgelfleisch. Die produzierten Mengen haben sich seit 2000 verdoppelt. Das Fleisch wird von den Verbrauchern hĂ€ufig als gesĂŒnder wahrgenommen.

@ dpa.de