ESG-Berichte: EU kappt Datenpunkte um 60 Prozent ab 2027
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 00:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EU-Kommission kappt die geforderten Datenpunkte für Nachhaltigkeitsberichte von über 1.000 auf rund 320. Das entspricht einer Reduktion um 60 Prozent. Damit sinken die administrativen Kosten für betroffene Betriebe laut Kommission um durchschnittlich 30 Prozent. Unternehmen können die reduzierten Standards bereits ab 2026 freiwillig anwenden, verpflichtend werden sie ab dem Geschäftsjahr 2027.
Trotz der Erleichterungen bleiben die Kosten ein Thema: Rund 70 Prozent der Unternehmen bewerten die verbleibenden finanziellen Lasten weiterhin als hoch. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
KI übernimmt die Datenerhebung
Parallel zur regulatorischen Entlastung setzen erste Firmen auf Künstliche Intelligenz, um ihre ESG-Prozesse effizienter zu gestalten. Die Peach Property Group etwa nutzt KI-gestützte Systeme für die Datenerhebung. Das Unternehmen meldet für 2024 eine Treibhausgas-Intensität von 24,9 kg CO2e/m² und senkte den Gebäudeenergieverbrauch um 13 Prozent auf 121 kWh/m².
Auch der Finanzsektor justiert nach: Eine Abschlussstudie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Prüfung von KI-Modellen empfiehlt künftig ein Self-Assessment der Institute statt einer verpflichtenden externen Drittprüfung. Getestet wurde das Verfahren unter anderem an Modellen zur ESG-Prüfung. Cube Green Energy nutzt seit dem Frühsommer eine spezialisierte KI-Plattform, um Projektentwicklungen zu beschleunigen und den Workflow nahezu vollständig zu digitalisieren.
Berichte werden kürzer – und bleiben teuer
Die Erleichterungen zeigen bereits Wirkung: Das EY CSRD Barometer 2026 verzeichnet kürzere Nachhaltigkeitsberichte in Europa. Die durchschnittliche Länge sank von 123 auf 112 Seiten. Rund 62 Prozent der untersuchten Unternehmen haben ihre Berichte um durchschnittlich 25 Seiten gestrafft. Bei der Prüfung setzen 98 Prozent auf Limited Assurance, also eine begrenzte Sicherheit.
Wer sich mit dem Einsatz moderner Technologien befasst, muss heute auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für digitale Systeme im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle neuen Anforderungen, Pflichten und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Neue Regeln für KI und Produktinformationen
Seit Anfang August gelten verschärfte Transparenzpflichten für KI-Systeme. Der AI Act verlangt unter anderem die Kennzeichnung von Chatbots und Deepfakes. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Umsatzes.
Der digitale Produktepass nimmt ebenfalls Fahrt auf: Im Rahmen der EU-Ökodesign-Verordnung startete im Juli ein zentrales Register für Produktinformationen. Spezifische Anforderungen für Batterien folgen im nächsten Jahr, Textilien und Stahl sollen ab etwa 2028 dazukommen.
Angesichts drohender Sanktionen bei Verstößen gegen neue Transparenzpflichten sollten Unternehmen jetzt prüfen, ob ihre genutzten Systeme als Hochrisiko eingestuft werden. Ein kostenloser Experten-Report klärt über die notwendigen Schritte zur Compliance auf. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Während Unternehmen wie mac. brand spaces oder das Bundesrechenzentrum ihre aktuellen Berichte bereits auf modernisierten Analysen und Zertifizierungen wie der ISO 20121 aufbauen, zeigt die EY-Marktanalyse auch sozialen Nachholbedarf: Der Frauenanteil in österreichischen Top-Management-Positionen liegt bei 19,8 Prozent. Länder wie Norwegen oder Schweden erreichen dagegen Quoten von über 40 Prozent.
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