ESG-Omnibus MĂ€rz 2026: Berichtspflicht sinkt von 45.000 auf 10.000
02.06.2026 - 07:20:43 | boerse-global.deDas GrĂŒne Vermögensquote (GAR) genannt, die zentrale Nachhaltigkeitskennzahl der EU, steckt in einer tiefen Strukturkrise. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer aktuellen Analyse massive Schwachstellen identifiziert und fordert eine gezielte Reform des Instruments.
Der GAR soll eigentlich messen, wie viel Geld Banken in ökologisch nachhaltige AktivitĂ€ten flieĂen lassen. Doch die Kennzahl leidet unter erheblichen âblinden Fleckenâ â das zeigt die am Montag veröffentlichte Studie des IW.
DatenlĂŒcken und hoher Verwaltungsaufwand
Das Hauptproblem: Der GAR ist durch eine begrenzte TaxonomiefĂ€higkeit und groĂe DatenlĂŒcken geschwĂ€cht. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Firmen mit Sitz auĂerhalb der EU. Die Folge: Hoher bĂŒrokratischer Aufwand fĂŒr Banken bei gleichzeitig geringer Lenkungswirkung fĂŒr nachhaltige Investitionen.
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Zwar haben das EU-âOmnibusâ-Paket und die delegierte Verordnung (EU) 2026/73 erste Erleichterungen gebracht. Doch das IW betont: Weitere Reformen sind nötig, damit der GAR zu einem funktionalen Werkzeug fĂŒr die Finanzbranche wird.
ESG-Omnibus: Weniger Unternehmen, mehr Probleme
Der Reformbedarf zeigt sich besonders deutlich vor dem Hintergrund der jĂŒngsten regulatorischen Kehrtwende. Mit dem ESG-Omnibus-Paket im MĂ€rz 2026 hat die EU-Kommission die Richtung geĂ€ndert. Die Zahl der Unternehmen, die detaillierte Nachhaltigkeitsberichte vorlegen mĂŒssen, wurde drastisch reduziert â von rund 45.000 auf etwa 10.000.
Die neue Regel: Nur noch Firmen mit mehr als 1.000 BeschĂ€ftigten und einem Jahresumsatz von ĂŒber 450 Millionen Euro sind berichtspflichtig. FĂŒr die betroffenen Unternehmen beginnen die Pflichten mit dem GeschĂ€ftsjahr 2027.
Banken in der ZwickmĂŒhle
Die Reduzierung der Berichtspflichten hat jedoch einen unerwarteten Nebeneffekt: Den Banken fehlen plötzlich die Daten. Weil weniger Firmen ESG-Informationen offenlegen mĂŒssen, wird die Datenbasis fĂŒr das Risikomanagement und die GAR-Berechnung der Kreditinstitute dĂŒnner.
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Besonders prekĂ€r: KMU gelten nach den neuen Regeln als âgeschĂŒtzte Unternehmenâ und dĂŒrfen individuelle Datenanfragen von Banken ablehnen. Freiwillige Berichterstattung ist zwar ĂŒber den VSME-Standard möglich, doch das reicht nicht.
Die mangelnde DatenverfĂŒgbarkeit erschwert den Banken die Bewertung von Klimarisiken. Und das, obwohl die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) Klimarisiken weiterhin als grundlegendes Finanzrisiko einstuft, das in die Bankenaufsicht integriert werden muss. Ein Dilemma, das sich so schnell nicht auflösen dĂŒrfte.
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