ESG-Regulierung: Banken vergeben keine Kredite mehr
01.07.2026 - 21:29:43 | boerse-global.de
Banken, Industrie und Mittelstand laufen Sturm gegen die immer neuen ESG- und Nachhaltigkeitsauflagen aus Brüssel. Die Regulierungswelle droht, die ohnehin schwache Konjunktur weiter abzuwürgen.
Banken können kaum noch Kredite vergeben
Eine Umfrage des Genoverbands unter 277 Bankvorständen zeigt das ganze Ausmaß: Fast die Hälfte der Firmenkunden ist mit den geforderten Nachhaltigkeitsdaten schlicht überfordert. Fehlen aber valide Daten, können Banken die Risiken nicht bewerten — und vergeben keine Kredite mehr.
Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe fordert deshalb weniger Bürokratie und mehr Rechtssicherheit. Besonders bei Recyclingmaterialien müsse die Politik nachbessern. Sein Vorschlag: einfachere Standards wie der VSME-Standard, um kleine und mittlere Unternehmen zu entlasten.
Industrie will Lieferkettenpflichten aussetzen
Die Wirtschaftsprognose für 2026 liegt bei mageren 0,4 Prozent. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schlägt deshalb Alarm. Anlässlich des Koalitionstreffens am 1. Juli forderte Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner eine investitionsfreundlichere Politik. Ihr wichtigster Punkt: Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz soll bis Sommer 2029 ausgesetzt werden.
Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger warnt vor neuen EU-Vorgaben. Die ab 2027 greifende EU-Methanverordnung könnte die Versorgungssicherheit gefährden, sagt er. Die Nachweispflichten für Importeure fossiler Energieträger bedrohten Arbeitsplätze in Raffinerien. Aiwanger unterstützt daher Bestrebungen, die Einführung zu verschieben.
Stahlbranche unter Druck — Logistik mit neuen Pflichten
In der Stahlindustrie verschärft sich die Lage zusätzlich. Neue EU-Schutzzölle auf Importe sind am 1. Juli in Kraft getreten. Die zollfreie Menge wurde halbiert, die Strafzölle verdoppelten sich auf 50 Prozent. Besonders betroffen: Lieferungen aus China, Indien und der Türkei.
Der geplante Umstieg auf grünen Stahl stockt derweil. ArcelorMittal lehnte Förderungen ab, ThyssenKrupp sucht Käufer für seine Stahlsparte, Salzgitter verschob den kompletten Umstieg auf 2035. Experten sehen die Wettbewerbsfähigkeit nur bei einem Wasserstoffpreis von rund 12 Cent pro Kilowattstunde — plus staatlicher Abnahmegarantien.
Und noch eine neue Pflicht: Seit dem 1. Juli müssen leichte Nutzfahrzeuge über 2,5 Tonnen im internationalen Güterverkehr mit dem Smart Tacho 2 nachgerüstet werden. Der Dokumentationsaufwand steigt weiter.
Die Bürokratie im Außenhandel nimmt stetig zu, und viele Händler wissen noch nicht, ob sie von den neuen Umweltauflagen betroffen sind. Dieser kostenlose Leitfaden klärt auf, wie Sie die neuen Sorgfaltspflichten rechtssicher erfüllen. Gratis-Report zur EU-Entwaldungsverordnung herunterladen
ESG-Umsetzung: Licht und Schatten
Trotz aller Kritik gibt es Fortschritte. Der Futtermittelradar 2026 der Deutschen Umwelthilfe zeigt: 15 von 23 befragten Unternehmen bewerten die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) positiv, acht haben sie bereits vollständig umgesetzt. Negativ fielen Rewe und Lekkerland auf — ihnen fehlen laut Bericht noch systematische Prüfverfahren für die Lieferketten.
Im Bereich Künstliche Intelligenz bereiten sich Firmen auf die EU-KI-Verordnung vor. Bei Verstößen drohen Sanktionen von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des Jahresumsatzes. Dienstleister wie VORTIQX Consilium bieten bereits technische Lösungen für die KI-Governance an. Ab Ende September startet ClimatePartner zudem neue Zertifizierungsprogramme gegen Greenwashing.
Während die ESG-Anforderungen wachsen, stellt auch der neue EU AI Act Unternehmen vor komplexe Dokumentationspflichten und hohe Bußgeldrisiken. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihrer IT- und Rechtsabteilung den notwendigen Überblick über alle Fristen und Risikoklassen. Kostenloses E-Book zum EU AI Act sichern
Personalmangel in den Nachhaltigkeitsabteilungen
Die Stimmung in den ESG-Abteilungen ist angespannt. Der Sustainability People Report 2026 zeigt: 81 Prozent der Verantwortlichen wollen im Berufsfeld bleiben, aber 40 Prozent sind wechselwillig. Hauptgründe: fehlende Aufstiegschancen und wachsende emotionale Distanz zum Aufgabenbereich. Kein Wunder bei dem Druck, der auf den Teams lastet.
