ESG-Regulierung: US-Botschafter fordert Ausnahmeregelungen für Unternehmen
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Botschafter der Vereinigten Staaten bei der Europäischen Union, Puzder, hat die EU nachdrücklich dazu aufgefordert, ihre regulatorischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass der bilaterale Handel und die operative Tätigkeit amerikanischer Unternehmen nicht behindert werden. In seinen Ausführungen verwies der Diplomat insbesondere auf bestehende Zusagen aus dem sogenannten Turnberry-Abkommen, welches im Juli 2025 geschlossen wurde.
Puzder mahnte an, dass die Europäische Union die dort getroffenen Vereinbarungen einhalten müsse. Er drohte der EU zudem mit der Einleitung notwendiger Maßnahmen, sollten die aktuellen Regulierungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) nicht entschärft werden.
Im Zentrum der Kritik stehen dabei vor allem die Richtlinie über die Nachhaltigkeitspflichten von Unternehmen (CSDDD) sowie die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD).
Streitpunkt ESG-Regulierung und Lieferketten
Nach Ansicht des US-Botschafters dürften die Vorgaben der CSDDD und der CSRD keine neuen Handelshemmnisse darstellen. Puzder kritisierte, dass die EU zwar bereits Anpassungen an den Regelwerken vorgenommen habe, es jedoch versäumt worden sei, spezifische Ausnahmeregelungen für US-Unternehmen zu schaffen. Innerhalb der US-Wirtschaft fordern zudem Schwergewichte wie ExxonMobil weitergehende Änderungen an den europäischen Gesetzesvorhaben.
Die Europäische Union hatte zuletzt zwar Zugeständnisse gemacht, diese gehen der US-Seite jedoch nicht weit genug. So wurde die Einhaltung der CSDDD-Vorgaben (Compliance) auf Mitte 2029 verschoben. Zudem wurde der Anwendungsbereich der CSRD modifiziert: Diese gilt nun nur noch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, während zuvor eine Grenze von mehr als 250 Beschäftigten vorgesehen war.
Forderungen zum CO2-Grenzausgleich und technologische Kooperation
Über die ESG-Richtlinien hinaus sieht die US-Regierung weiteren Anpassungsbedarf bei europäischen Handelsinstrumenten. So fordert Washington Änderungen am CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) der EU. Dieser Mechanismus soll verhindern, dass Industrien in Länder mit laxeren Klimaschutzvorgaben abwandern, wird von Handelspartnern jedoch oft als protektionistisch wahrgenommen.
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Die EU-Kommission reagierte auf die Forderungen mit einem Verweis auf ihre Souveränität. Brüssel betonte, dass die eigene Regulierungsautonomie nicht verhandelbar sei. Trotz der aktuellen Spannungen in der Handelspolitik warnte Botschafter Puzder die EU davor, sich technologisch von den Vereinigten Staaten abzukoppeln.
Mit Blick auf den globalen Wettbewerb, insbesondere gegenüber den Herausforderungen durch China im Bereich der Künstlichen Intelligenz, betonte er die Notwendigkeit einer engen transatlantischen Zusammenarbeit. Eine Fragmentierung der Standards könnte nach Einschätzung des Diplomaten die gemeinsame Position schwächen.
