ESRS-Reform, Datenpunkte

ESRS-Reform: 60 Prozent weniger Datenpunkte ab August

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 05:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU reduziert die CSRD-Berichtspflichten deutlich. Eine Analyse zeigt Fortschritte bei der Prüfqualität und eine starke Marktkonzentration der Prüfgesellschaften.

EU-Kommission vereinfacht Nachhaltigkeitsberichte: 60 Prozent weniger Datenpunkte
Ein Nachhaltigkeitsbericht liegt auf einem Holztisch in einem hellen, modernen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat einen wesentlichen Schritt zur Entlastung von Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung unternommen. Im August 2026 endet die sogenannte Scrutiny Period für die überarbeiteten delegierten Verordnungen zu den European Sustainability Reporting Standards (ESRS).

Die angepassten Standards sollen ab 2026 eine deutliche Vereinfachung bewirken und rund 60 Prozent weniger Datenpunkte für Berichte gemäß der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) vorsehen.

Stabilität in der aktuellen Berichtspraxis

Trotz der bevorstehenden Änderungen zeigt eine Analyse der zweiten CSRD-Berichtsserie der 50 größten französischen Unternehmen eine hohe Kontinuität. Experten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersuchten dazu Daten aus dem Jahr 2025 (Stand Ende März 2026). Die Berichte umfassen durchschnittlich 145 Seiten, was einer Reduktion um 10 Seiten im Vergleich zum Jahr 2024 entspricht.

Dabei veröffentlichen 92 Prozent der untersuchten Unternehmen ihren Vigilanzplan separat. Im Schnitt werden acht thematische Standards abgedeckt. Ein Großteil der identifizierten wesentlichen Themen (70 Prozent) betrifft negative Auswirkungen oder finanzielle Risiken.

Während 98 Prozent der Unternehmen einen Übergangsplan vorlegen, bewerten Analysten bisher nur 80 Prozent dieser Pläne als vollständig. Ein Netto-Null-Ziel für Scope-3-Emissionen haben bislang 24 Prozent der Firmen formuliert, während 58 Prozent den Standard ESRS E3 als wesentlich einstufen.

Ein deutlicher Fortschritt zeigt sich bei der Prüfungsqualität: Der Anteil der Berichte mit Anmerkungen durch Auditoren sank von 96 Prozent im ersten Berichtsjahr auf nun 42 Prozent.

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Konzentration im Markt der Nachhaltigkeitsprüfer

Parallel zur Etablierung der Standards festigt sich die Struktur der Prüfungsinstanzen. Nach Angaben der zuständigen Aufsichtsbehörde Haute Autorité de l’audit sind derzeit 1.485 Nachhaltigkeitsprüfer registriert. Hierbei zeigt sich eine starke Marktkonzentration: Die fünf führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (Deloitte, KPMG, Mazars, PwC und EY) stellen 42,1 Prozent der registrierten Prüfer.

Besonders bei den Unternehmen des französischen Leitindex CAC 40 ist die Dominanz ausgeprägt; hier wurden die großen fünf Gesellschaften in 98 Prozent der Fälle für CSRD-Prüfungen beauftragt.

Deloitte und KPMG führen den Markt mit Anteilen von 9,2 Prozent beziehungsweise 9,1 Prozent an, gefolgt von Mazars und PwC mit jeweils 8,4 Prozent sowie EY mit 7 Prozent. Zum Vergleich: Bei klassischen Finanzprüfungen liegt der Anteil dieser Gesellschaften lediglich bei 9,3 Prozent.

Politisches Ringen um Vereinfachung und globale Reichweite

Der Weg zur nun angekündigten Reduktion der Datenpunkte war von politischen Auseinandersetzungen geprägt. Bereits im Oktober 2025 hatte das Europäische Parlament im Plenum einen Vorschlag zur Vereinfachung der CSRD und der Lieferkettenrichtlinie (CS3D) abgelehnt. Auch im Rat der EU gab es im Juni 2025 keine Einigung auf einen Kompromissvorschlag zur Revision dieser Regelwerke.

International steht die EU zudem unter Druck. Die US-Regierung forderte die EU-Kommission bereits im Herbst 2025 dazu auf, die Verpflichtungen aus CSRD und CS3D für nicht-europäische Unternehmen zu streichen. Auf nationaler Ebene schreitet die Umsetzung hingegen voran: Die niederländische Regierung hat einen Gesetzesentwurf zur Umsetzung der CS3D-Richtlinie vorbereitet, dessen öffentliche Konsultation Anfang August 2026 endete.

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