ESRS-Reform, Pflichtangaben

ESRS-Reform: EU senkt Pflichtangaben um 60–70 Prozent

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 19:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU reduziert die Pflichtangaben in den Nachhaltigkeitsstandards um bis zu 70 Prozent und vereinfacht die Regeln für Drittstaatenkonzerne.

EU-Kommission und EFRAG: Nachhaltigkeitsstandards massiv entschlackt
Modernes Bürogebäude mit digitaler Datenvisualisierung auf einem Tablet als Symbol für EU-Nachhaltigkeitsberichte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die EU-Kommission und die Berichterstattungsorganisation EFRAG haben die europäischen Nachhaltigkeitsstandards (ESRS) massiv entschlackt. Ziel ist es, die Bürokratielast für Unternehmen deutlich zu senken und klare Regeln für Konzerne aus Drittstaaten zu schaffen.

70 Prozent weniger Pflichtangaben

Ein Kernstück der Reform: Die Zahl der verpflichtenden Datenpunkte sinkt um 60 bis 70 Prozent. Die EU-Kommission hatte die überarbeiteten Standards Anfang Juli per Delegierter Verordnung veröffentlicht.

Die Neuerungen sollen die Interoperabilität der Standards verbessern. Auch die Wesentlichkeitsanalyse wird vereinfacht. Trotz der Streichungen bleibt das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit erhalten.

Für große Unternehmen gibt es zudem neue Regeln im Umgang mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Lieferkette. Sie dürfen von diesen künftig nur noch Daten verlangen, die dem freiwilligen VSME-Standard entsprechen.

Anzeige

Compliance-Experten warnen: Wer die KI-Verordnung ignoriert, riskiert empfindliche Strafen. Jetzt kostenlos herunterladen: Der Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act mit allen relevanten Übergangsfristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Sonderregeln für Nicht-EU-Konzerne

Parallel hat die EFRAG den Entwurf für den Standard ESRS-40a vorgelegt. Er richtet sich an Unternehmen aus Drittstaaten mit EU-Tochtergesellschaften oder Zweigniederlassungen.

Betroffen sind Konzerne, deren Mutter außerhalb der EU in den letzten zwei Jahren mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz in der Union erzielt hat – und deren Tochter über 200 Millionen Euro Umsatz ausweist. Durch vorangegangene Reformen sinkt die Zahl der betroffenen Nicht-EU-Konzerne von rund 10.000 auf etwa 1.200.

Der neue Entwurf beschränkt sich auf die sogenannte „Impact Materiality“. Diese Unternehmen müssen nur über ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft berichten, nicht über finanzielle Risiken und Chancen.

Ein „Mixed Approach“ erlaubt es den Firmen, die Berichterstattung bei den meisten Themen auf die EU zu begrenzen. Ausnahme: Der Klimawandel muss weiterhin global erfasst werden. Die Konsultationsphase läuft bis zum 31. Oktober 2026. Die finale Fassung wird für Anfang 2027 erwartet, die Berichtspflicht beginnt voraussichtlich mit dem Geschäftsjahr 2028.

Anzeige

Neben neuen Nachhaltigkeitsvorgaben kommen durch die EU-KI-Verordnung weitere komplexe Pflichten auf Unternehmen zu. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche Risikoklassen und Dokumentationspflichten Sie jetzt kennen müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden sichern

Übergangsregeln für 2026

Für Unternehmen, die bereits unter die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) fallen, gibt es flexible Übergangsregeln. Für das Geschäftsjahr 2026 dürfen sie wählen: Berichten sie nach den alten ESRS, den neuen Standards oder einer Kombination?

Die neuen Regelungen treten voraussichtlich Mitte November 2026 in Kraft – drei Tage nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt. Ab dem Geschäftsjahr 2027 ist die neue Struktur inklusive des „Value Chain Cap“ verpflichtend. Diese Deckelung soll den Aufwand bei der Datenerhebung in der Wertschöpfungskette begrenzen. Für die ersten drei Jahre gibt es zusätzliche Erleichterungen bei fehlenden Daten.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69897200 |