EU-Agentur, Enforcement

EU-Agentur fĂŒr Enforcement: 315 Behörden sollen zentralisiert werden

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 19:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kai Zenner und Maria Koomen schlagen eine unabhÀngige EU-Stelle vor, um 171 Digitalgesetze und 597 Governance-Mandate besser zu koordinieren.

Expertengruppe fordert unabhĂ€ngige EU-Agentur fĂŒr Digitalaufsicht
Ein modernes, minimalistisches BehördengebĂ€ude in BrĂŒssel mit einer Glasfassade, die den Himmel reflektiert. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts einer zunehmend unĂŒbersichtlichen Regulierungslandschaft im Technologiesektor hat eine hochkarĂ€tig besetzte Expertengruppe eine grundlegende Reform der europĂ€ischen Digitalaufsicht gefordert. Am 3. September 2026 prĂ€sentierten Kai Zenner und Maria Koomen gemeinsam mit weiteren Fachleuten einen Vorschlag zur Schaffung einer unabhĂ€ngigen EU-Agentur fĂŒr digitales Enforcement.

Die geplante Institution, die unter der Bezeichnung „Agencia de Cumplimiento Digital“ gefĂŒhrt wird, soll die wachsende regulatorische Fragmentierung innerhalb der EuropĂ€ischen Union adressieren und eine kohĂ€rente Anwendung bestehender Vorschriften gewĂ€hrleisten.

Massive Fragmentierung der digitalen Aufsicht

Der Vorstoß der Expertengruppe stĂŒtzt sich auf eine detaillierte Bestandsaufnahme der aktuellen regulatorischen Situation in Europa. Nach Analysen von Zenner und Koomen ist der digitale Sektor mittlerweile durch eine immense Dichte an Vorschriften und ZustĂ€ndigkeiten geprĂ€gt. Demnach beziehen sich die aktuellen Herausforderungen auf insgesamt 171 digitale Gesetze, die den rechtlichen Rahmen fĂŒr den Binnenmarkt bilden.

Die KomplexitĂ€t wird durch die Vielzahl der beteiligten Akteure weiter verschĂ€rft. Die Experten identifizierten in ihrem Vorschlag 315 verschiedene Organismen, die mit der Überwachung oder Umsetzung dieser Regeln befasst sind. Zudem existieren laut dem Bericht 597 spezifische Governance-Mandate innerhalb der EU.

Diese Zersplitterung der Verantwortlichkeiten fĂŒhre dazu, dass die Durchsetzung digitaler Rechte und Pflichten oft uneinheitlich erfolge, was insbesondere fĂŒr grenzĂŒberschreitend tĂ€tige Unternehmen eine erhebliche Rechtsunsicherheit bedeute.

Anzeige

Wer sich mit der wachsenden KomplexitÀt digitaler Vorschriften befasst, benötigt eine klare Strategie zur Einhaltung aller Vorgaben. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden hilft Ihnen, die Anforderungen der EU-KI-Verordnung sowie bestehende Fristen und Risikoklassen sicher zu verstehen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklÀrt

Zentralisierung durch die Agencia de Cumplimiento Digital

Kern des Konzepts ist die ÜberfĂŒhrung dieser weit verzweigten Strukturen in eine neue, unabhĂ€ngige Agentur. Die „Agencia de Cumplimiento Digital“ soll als zentrale Anlaufstelle fungieren, um die bisherigen Governance-Mandate zu bĂŒndeln oder deren AusfĂŒhrung effektiver zu koordinieren.

Ziel sei es, die Effizienz des digitalen Enforcements zu steigern und sicherzustellen, dass europÀische Digitalgesetze in allen Mitgliedstaaten nach den gleichen Standards angewendet werden.

Durch die UnabhÀngigkeit der Agentur soll zudem gewÀhrleistet werden, dass die Aufsicht frei von politischer Einflussnahme agieren kann. Dies wird als notwendiger Schritt erachtet, um das Vertrauen der Marktteilnehmer in die digitale SouverÀnitÀt und die Rechtssicherheit der EuropÀischen Union zu stÀrken.

Die Experten betonen, dass eine bloße Kooperation zwischen bestehenden nationalen Behörden angesichts der schieren Anzahl von ĂŒber 300 beteiligten Organen nicht mehr ausreiche, um die digitale Transformation des Binnenmarktes rechtlich abzusichern.

Anzeige

Angesichts drohender Strafen bei Compliance-VersĂ€umnissen ist eine proaktive Vorbereitung auf neue EU-Regulierungen fĂŒr Unternehmen unerlĂ€sslich. Ein kostenloser Experten-Report klĂ€rt darĂŒber auf, welche konkreten Pflichten jetzt auf Sie zukommen und wie Sie Hochrisiko-Systeme rechtssicher dokumentieren. Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act jetzt kostenlos herunterladen

Langfristiger Fahrplan und EU-Vertragsreform

Die Umsetzung einer solch weitreichenden institutionellen Neuerung erfordert nach Ansicht der Expertengruppe tiefgreifende strukturelle VerÀnderungen auf der Ebene des PrimÀrrechts. Der am 3. September 2026 vorgelegte Plan sieht vor, dass die notwendigen rechtlichen Grundlagen im Rahmen einer umfassenden Reform der EU-VertrÀge geschaffen werden.

Dieser Prozess soll nach den Vorstellungen der Initiatoren bis zum Jahr 2030 abgeschlossen sein. Eine Vertragsreform gilt als unumgĂ€nglich, um der neuen Agentur die erforderlichen Kompetenzen fĂŒr ein direktes und unabhĂ€ngiges Enforcement zu ĂŒbertragen, die ĂŒber die derzeitigen Befugnisse bestehender EU-Einrichtungen hinausgehen. Damit positioniert die Gruppe ihren Vorschlag als zentralen Baustein fĂŒr die langfristige strategische Ausrichtung der europĂ€ischen Digitalpolitik in der laufenden Dekade.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70050549 |