EU-CO-Regeln, Indische

EU-CO?-Regeln: Indische KMU fürchten massive Wettbewerbsnachteile

04.07.2026 - 06:46:10 | boerse-global.de

Strenge EU-Berichtspflichten belasten indische Mittelständler. Ein nationaler CO?-Markt soll die Exporteure entlasten.

EU-CO?-Regeln: Indische KMU fürchten Wettbewerbsnachteile
EU-CO-Regeln - Eine indische Industrieanlage mit Schornsteinen und komplexen Rohrsystemen unter einem diesigen Himmel, die Umweltauflagen und Handel symbolisiert. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Auf einer Branchenkonferenz in Neu-Delhi warnten Experten am Freitag vor gravierenden Wettbewerbsnachteilen für die heimische Stahl- und Aluminiumindustrie.

KMU fehlen Ressourcen für EU-Auflagen

Besonders kleine und mittlere Unternehmen im Fertigungssektor haben ein Problem: Ihnen fehlen schlicht das Geld und die technischen Mittel für die strengen Berichtspflichten des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). Das Forschungsinstitut TERI stellte fest, dass viele Betriebe keine internen Strukturen zur Emissionsüberwachung besitzen. Hohe Kosten für externe Audits fressen zudem die ohnehin dünnen Margen im exportgeschäft auf.

Die EU ist mit rund 118 Milliarden Euro Handelsvolumen Indiens drittgrößter Handelspartner. Die Indian Steel Association warnt: Indische Exporteure müssten ihre Preise drastisch senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Experten prognostizieren spürbare Belastungen für das indische BIP zwischen 2026 und 2030.

Eigener CO?-Markt als Rettungsanker

Um zu verhindern, dass Emissionszahlungen einfach nach Europa abfließen, fordern Industrievertreter einen schnelleren Aufbau eines nationalen Kohlenstoffmarktes. Das indische Bureau of Energy Efficiency (BEE) hat bereits konkrete Pläne für den Stahlsektor vorgelegt – Teil des nationalen Carbon Credit Trading Scheme (CCTS).

Der Handel könnte bereits im Oktober 2026 starten. Indien will bilateral mit der EU und Großbritannien verhandeln, um die gegenseitige Anerkennung der Zertifikate zu erreichen. Ziel: Indische Firmen zahlen Emissionskosten im eigenen Land statt Grenzausgleichsabgaben in Europa. Der Verband PHDCCI schlug zudem einen nationalen Fonds vor, der KMU bei der technologischen Umrüstung unterstützen soll.

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EU lockert eigene Berichtsregeln

Parallel zu den indischen Sorgen hat die EU-Kommission am Freitag ihre Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) überarbeitet. Die Zahl der Pflicht-Datenpunkte sinkt um über 60 Prozent. Ein freiwilliger Standard für kleinere Unternehmen begrenzt zudem die Informationspflichten in der Lieferkette. Ab dem Geschäftsjahr 2027 sollen die neuen Regeln vollständig gelten.

Doch gleichzeitig plant das Europäische Parlament weitere Verschärfungen: Der Umweltausschuss stimmt Anfang nächster Woche über eine Ausweitung der Produktliste für Stahl und Aluminium ab. Auch der Wegfall bestimmter Schutzklauseln steht zur Debatte – bislang ermöglichten sie temporäre Ausnahmen für einzelne Handelspartner.

Indien will seine Stahlkapazitäten von 220 auf 300 Millionen Tonnen bis Ende des Jahrzehnts hochfahren. Der Zugang zum europäischen Markt bleibt dabei kritisch. Neben Maßnahmen zur Emissionsreduzierung prüfen indische Exporteure verstärkt alternative Absatzmärkte – etwa in Afrika – um die Abhängigkeit von Europa zu verringern.

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