EU-Flottengrenzwert: Hersteller treffen 93g CO? aufs Gramm genau
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 16:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der durchschnittliche CO?-Ausstoß neuer Pkw in der EU liegt im ersten Halbjahr 2026 bei genau 93 Gramm pro Kilometer. Damit treffen die Hersteller den geltenden Grenzwert aufs Gramm genau – eine Punktlandung, die vor allem dem stark gestiegenen Absatz von Elektroautos zu verdanken ist.
Im Juni erreichten mehrere Hersteller Rekordwerte bei den reinen Stromern. Bei Kia entfielen 54 Prozent der Neuzulassungen auf BEV, Renault kam auf 42 Prozent, die Kernmarke Volkswagen auf 33 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Berechnung des International Council on Clean Transportation (ICCT).
Elektroautos erobern den Markt
Die Neuzulassungen in der EU stiegen im ersten Halbjahr um 5,7 Prozent auf rund 5,9 Millionen Fahrzeuge. Inklusive EFTA-Staaten und Großbritannien waren es sogar 7,23 Millionen Einheiten. Während Benziner und Diesel massiv verlieren – ihr Absatz brach um über 16 Prozent ein –, legen elektrifizierte Modelle rasant zu.
Im Juni machten reine Elektroautos bereits 23,6 Prozent aller Neuzulassungen aus. Über das gesamte Halbjahr lag der BEV-Anteil bei 20,7 Prozent. Zusammen mit Hybriden (37,3 Prozent) und Plug-in-Hybriden (9,8 Prozent) hatten rund zwei Drittel aller Neuwagen einen elektrifizierten Antrieb. Allerdings bleibt ein Nord-Süd-Gefälle: Während Skandinavien und Westeuropa hohe Elektroanteile melden, hinken Ost- und Südeuropa hinterher.
Chinesen drängen in den Markt
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Ein entscheidender Faktor für den Wandel ist der Vormarsch chinesischer Hersteller. Im Juni erreichten BYD, Chery und Leapmotor in der EU einen gemeinsamen Marktanteil von 10,5 Prozent. Über das Halbjahr waren es 9,3 Prozent. Rechnet man Großbritannien und die EFTA-Staaten hinzu, stieg der Wert im Juni sogar auf 12,1 Prozent.
Analysten von A2MAC1 sehen die chinesischen Anbieter vor allem bei Entwicklungsgeschwindigkeit und Kostenstruktur im Vorteil. Europäische Hersteller müssten bei Fahrzeugarchitektur und Batteriekosten aufholen, um die Parität zum Verbrenner zu erreichen.
Volkswagen unter Druck
Trotz der erfüllten Klimaziele kämpfen etablierte Konzerne mit finanziellen Problemen. Die Volkswagen Group verzeichnete im ersten Halbjahr einen leichten Umsatzrückgang auf 158,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sank um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro – eine Marge von nur 3,8 Prozent. Besonders das China-Geschäft bereitet Sorgen: Dort brachen die Auslieferungen um 31,6 Prozent ein.
Innerhalb des Konzerns läuft es aber nicht überall schlecht. Skoda steigerte die Auslieferungen um 9,1 Prozent und verzeichnete bei Elektroautos mit plus 48,3 Prozent einen Rekord. Auch Seat/Cupra meldete ein Umsatzwachstum und eine deutliche Gewinnsteigerung. Volkswagen reagierte auf die Gesamtlage mit einer angepassten Umsatzprognose und kündigte an, die operative Rendite im zweiten Halbjahr verbessern zu wollen.
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Kritik an deutscher Förderpolitik
Während die Industrie die EU-Flottengrenzwerte einhält, geraten nationale Rahmenbedingungen in die Kritik. Eine Analyse von Transport & Environment (T&E) bemängelt die steuerliche Behandlung von Firmenwagen in Deutschland. Demnach würden Verbrenner im Flottensegment weiterhin stark subventioniert – ein Bremsklotz für den Umstieg auf emissionsfreie Antriebe.
Zum Vergleich: In Belgien führte eine Reform dazu, dass der BEV-Anteil in Firmenflotten innerhalb weniger Jahre von unter 10 Prozent auf über 54 Prozent im Jahr 2025 stieg. Ein Modell, das zeigt, wie es auch anders ginge.
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