EU-Importsteuer ab Juli: 3 Euro fĂĽr Kleinsendungen aus China
27.06.2026 - 12:30:47 | boerse-global.de
Oktober 2026 eine Paketsteuer von 2 Euro pro Sendung erheben. Betroffen sind Versandhändler mit einem Inlandsumsatz von über 100 Millionen Euro im Vorjahr. Die Einnahmen sollen eine befristete Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel wie Brot, Gebäck und Gemüse gegenfinanzieren.
Ökonomen sehen die Verknüpfung kritisch. Die halbierte Mehrwertsteuer senke die Inflation nur um 0,15 Prozentpunkte – vorausgesetzt, der Handel gibt die Ersparnis vollständig weiter. Gleichzeitig belaste die Paketsteuer vor allem einkommensschwache Haushalte, während finanzstarke Haushalte absolut stärker von der Lebensmittel-Entlastung profitieren.
Juristischer Gegenwind aus BrĂĽssel
EU-Rechtsexperte Georg Eisenberger zweifelt an der Unionsrechtskonformität der Abgabe. Von den rund 15 betroffenen Unternehmen hat nur eines seinen Sitz in Österreich. Das nährt den Verdacht einer Diskriminierung ausländischer Anbieter – womöglich eine unzulässige staatliche Beihilfe mit hohem Rückzahlungsrisiko.
Amazon, Zalando und eBay haben bereits rechtliche Schritte angekündigt. Auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) fordert einen Stopp der Pläne. Der bürokratische Aufwand sei enorm: Allein die Umstellung der Kassensysteme kostet Branchenkennern zufolge über 5 Millionen Euro.
EU-weite Importsteuer fĂĽr Pakete aus Drittstaaten
Parallel dazu tritt am 1. Juli 2026 eine neue EU-Regelung in Kraft. Für Kleinsendungen aus Ländern wie China, den USA oder der Schweiz mit einem Warenwert unter 150 Euro wird eine Importsteuer von 3 Euro pro Warenkategorie fällig. Enthält ein Paket drei verschiedene Produktkategorien, steigt die Abgabe auf 9 Euro zuzüglich Einfuhrumsatzsteuer.
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Die Regelung gilt als Übergangslösung bis 2028 – dann fällt die bisherige Freigrenze von 150 Euro komplett weg. Hintergrund ist die Explosion der Kleinsendungen aus Drittstaaten. In Dänemark stiegen die Zollanmeldungen von 3,5 Millionen (2024) auf 17 Millionen (2025).
Kampf gegen Ultra Fast Fashion und unsichere Produkte
Deutschland, Frankreich und die Niederlande drängen im EU-Umweltrat auf schärfere Regeln gegen Ultra Fast Fashion. Ergänzend tritt am 19. Juli 2026 ein Vernichtungsverbot für unverkaufte Verbraucherprodukte in Kraft – Teil der Ökodesign-Verordnung.
Die Notwendigkeit strengerer Kontrollen belegen EU-Stichproben: 84 Prozent der getesteten Spielzeuge und Elektronikartikel wurden als gefährlich eingestuft. Die Importsteuer soll also nicht nur den Wettbewerb schützen, sondern auch europäische Sicherheitsstandards durchsetzen.
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DHL fĂĽhrt kontaktloses Bezahlen an der HaustĂĽr ein
Die Logistikbranche stellt sich auf die neuen Abgaben ein. DHL kündigte an, ab Ende Juli 2026 flächendeckend bargeldlose Zahlung bei der Zustellung einzuführen. Empfänger können Zollbeträge oder Nachnahmen dann per Girocard, Kreditkarte oder Smartphone begleichen – eine Reaktion auf den erwarteten Abrechnungsbedarf an der Haustür.
