EU-Inc-Gesetz: 50 CEOs fordern digitale Gründung unter 100 Euro
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem am 10. September 2026 veröffentlichten offenen Brief haben 50 führende europäische CEOs und Investoren die Gesetzgeber der Europäischen Union dazu aufgerufen, das geplante EU-Inc-Gesetz nicht zu verwässern. Ziel der Initiative ist es, Unternehmensgründungen deutlich kostengünstiger und unbürokratischer zu gestalten sowie die Expansion über EU-Grenzen hinweg zu erleichtern.
Prominente Unterstützung für die Reformpläne
Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören namhafte Akteure der europäischen Technologie- und Wagniskapitalszene. Unter anderem unterstützen Vertreter von Index Ventures, Accel, Balderton, Atomico, EQT sowie Sequoia die Forderungen.
Zu den beteiligten Einzelpersonen zählen namhafte Unternehmer wie Daniel Ek von Spotify, Jarek Kutylowski von DeepL, Nik Storonsky von Revolut sowie Niklas Zennström (Atomico/Skype). Auch junge KI-Unternehmen wie Mistral AI, ElevenLabs und Synthesia sowie Firmen wie Alan und Lovable gehören zum Kreis der Unterstützer.
Parallel dazu wird die EU-Inc-Initiative von rund 26.000 Gründern und Investoren getragen. In einem separaten Brandbrief warnten diese, darunter mehr als 40 Führungskräfte von Unternehmen mit Milliardenbewertung, vor einem möglichen Scheitern der Reform.
Kernforderungen und visionäre Ziele
Die Unterzeichner fordern die Einhaltung von fünf Kernpunkten, um den europäischen Wirtschaftsraum wettbewerbsfähiger zu machen. Dazu gehören die freie Wahl des Firmensitzes, die Einführung eines zentralen EU-Registers sowie einheitliche Regelungen für Aktienoptionsprogramme.
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Insbesondere solle die Besteuerung von Aktienoptionen erst beim Verkauf der Anteile erfolgen. Zudem wird gefordert, dass das lokale Arbeitsrecht am jeweiligen Arbeitsort der Angestellten Anwendung findet.
Bereits am 18. März 2026 legte die EU-Kommission den ursprünglichen Gesetzesvorschlag für „EU Inc.“ vor. Dieser sieht vor, dass eine Firmengründung künftig innerhalb von 48 Stunden und für Kosten von unter 100 Euro möglich sein soll.
Der Prozess soll vollständig digital, ohne Notartermin und ohne Mindestkapital erfolgen können, womit das Unternehmen sofort EU-weit aktiv wäre. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterstrich dabei die Notwendigkeit, Zeitaufwand für Bürokratie zugunsten von Innovationen zu reduzieren.
Widerstand und Kompromissvorschläge
Derzeit stehen die Pläne jedoch zur Debatte. Ein Kompromissvorschlag des Rates sieht signifikante Änderungen vor, die auf Kritik in der Branche stoßen. Demnach soll das zentrale digitale Register gestrichen und neue Haftungsregeln eingeführt werden.
Zudem könnte sich die Umsetzung erheblich verzögern: Der Vorschlag sieht ein Anwendungsdatum von 27 Monaten nach dem Inkrafttreten vor, was erste Gründungen unter dem neuen Recht möglicherweise erst im Jahr 2028 erlauben würde.
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Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Rolle der Notare. Während Stripe-CEO Patrick Collison in einem viralen Beitrag von einem Fall berichtete, in dem ein Gründer 30.000 Euro für einen Notartermin gezahlt habe, halten Fachorganisationen wie der Deutsche Notarverein dagegen.
Typischerweise lägen die Kosten für eine GmbH-Gründung bei 600 bis 800 Euro, bei einer Unternehmergesellschaft (UG) sogar bei etwa 150 Euro. Die Summe von 30.000 Euro würde laut Experten einem beurkundeten Stammkapital von etwa 16 Millionen Euro entsprechen.
Wettbewerbsdruck und Zeitplan
Die Dringlichkeit der Reform wird durch aktuelle Marktdaten untermauert. Während rund 60 Prozent der globalen Wachstumsfirmen in den USA ansässig sind, liegt dieser Anteil in der Europäischen Union derzeit bei lediglich 8 Prozent.
Der Zeitplan für die Gesetzgebung ist eng gefasst. Bis zur Winterpause der EU-Gesetzgebung verbleiben rund 100 Tage. Die Verhandlungen im sogenannten Trilog zwischen dem EU-Parlament und den Mitgliedstaaten sollen Ende Oktober beginnen. Eine finale Verabschiedung des EU-Inc-Gesetzes wird bis zum Jahresende 2026 angestrebt.
