EU-SouverĂ€nitĂ€t, BrĂŒssel

EU-SouverĂ€nitĂ€t: BrĂŒssel beschließt Cloud- und Chips-Offensive

03.06.2026 - 18:30:33 | boerse-global.de

BrĂŒssel stellt mit Cloud Act und Chips Act 2.0 Weichen fĂŒr mehr digitale SouverĂ€nitĂ€t und weniger AbhĂ€ngigkeit von US-Konzernen.

EU-SouverĂ€nitĂ€t: BrĂŒssel beschließt Cloud- und Chips-Offensive - Bild: ĂŒber boerse-global.de
EU-SouverĂ€nitĂ€t: BrĂŒssel beschließt Cloud- und Chips-Offensive - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Am 3. Juni stellte BrĂŒssel zwei zentrale Initiativen vor: den „Cloud and AI Development Act" (Cada) und den „Chips Act 2.0". Ziel ist es, europĂ€ische Lösungen in kritischen Bereichen wie Finanzen, Gesundheit und Energie zu fördern.

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80 Prozent der digitalen Dienste kommen aus dem Ausland

Die Zahlen sind alarmierend: Rund 80 Prozent aller digitalen Dienste in der EU stammen von Anbietern aus Drittstaaten – vor allem aus den USA. Allein im Cloud-Sektor kontrollieren Amazon, Microsoft und Google zwischen 60 und 70 Prozent des europĂ€ischen Marktes. JĂ€hrlich gibt die Union rund 264 Milliarden Euro fĂŒr Software und IT-Dienstleistungen US-amerikanischer Firmen aus.

Ein zentrales Problem: Der US Cloud Act erlaubt amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten, die von US-Firmen gespeichert werden – unabhĂ€ngig vom Standort des Servers. Genau hier setzt der neue Cloud Act an. Er fĂŒhrt vier Sicherheitsstufen fĂŒr Daten ein. Die höchste Stufe, gedacht fĂŒr rund ein Prozent der sensibelsten öffentlichen Daten, verlangt vollstĂ€ndige europĂ€ische Kontrolle und Speicherung in Rechenzentren innerhalb der EU.

KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen betonte, die Union könne es sich nicht leisten, bei ihrer digitalen Infrastruktur von externen Anbietern abhĂ€ngig zu bleiben. Technologiekommissarin Henna Virkkunen warnte zudem vor auslĂ€ndischen „Kill Switches", die europĂ€ische Infrastruktur lahmlegen könnten.

Öffentliche AuftrĂ€ge: Nicht mehr nur der Preis zĂ€hlt

Das Gesetzespaket will die Vergabe öffentlicher AuftrĂ€ge grundlegend reformieren. KĂŒnftig sollen Behörden, KrankenhĂ€user und Polizeibehörden nicht mehr allein auf den gĂŒnstigsten Preis achten. Stattdessen sollen „Nicht-Preis-Kriterien" greifen: Bevorzugt werden Anbieter, die Daten auf europĂ€ischen Servern speichern und sie dem Zugriff auslĂ€ndischer Regierungen entziehen.

Ein symboltrĂ€chtiger Schritt: Das EuropĂ€ische Parlament hat bereits die französische Suchmaschine Qwant als Standard-Tool eingefĂŒhrt – und damit Google ersetzt. Die Kommission will zudem Open-Source-Lösungen fördern, um ein wettbewerbsfĂ€higeres europĂ€isches Ökosystem zu schafften.

Um den Wandel zu stemmen, plant die EU, ihre RechenzentrumskapazitĂ€t in den nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Aktuell liegt sie bei 12 Gigawatt, bis 2030 sollen 60 Gigawatt erreicht werden. Nötig sind dafĂŒr Investitionen von rund 200 Milliarden Euro. Die Kommission will Genehmigungsverfahren fĂŒr Rechenzentren beschleunigen – vor allem fĂŒr solche, die europĂ€ische Halbleiter nutzen und hohe Energieeffizienz nachweisen.

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Chips Act 2.0: Europas Halbleiter-Offensive

Der zweite Pfeiler des Pakets, der Chips Act 2.0, soll Investitionen von rund 120 Milliarden Euro in die Halbleiterindustrie auslösen. Ziel ist es, Europas globalen Marktanteil bei der Chip-Produktion zu verdoppeln. Allerdings zweifelt der EuropĂ€ische Rechnungshof in einem Bericht vom April 2025 daran, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen, um bis 2030 einen Marktanteil von 20 Prozent zu erreichen.

Das neue Gesetz rĂ€umt der EU Notfallbefugnisse ein: Bei Halbleiter-EngpĂ€ssen könnten Chip-Hersteller verpflichtet werden, AuftrĂ€ge aus Europa vorrangig zu behandeln. Zudem sind „Kaufgarantien" fĂŒr in der EU produzierte Halbleiter vorgesehen, um die Nachfrage anzukurbeln.

Finanzierung bleibt die große Unbekannte

Die Kommission bezeichnet die Gesetze als essenziell fĂŒr die „wirtschaftliche SouverĂ€nitĂ€t" Europas. Doch die Finanzierung ist ungeklĂ€rt. Bis mindestens 2027 stehen keine neuen EU-Mittel zur VerfĂŒgung. Das Paket setzt daher auf private Investitionen und die Koordination der Mitgliedstaaten.

Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera betonte, die Schritte seien notwendig, um die europĂ€ische Wirtschaft vor Störungen durch auslĂ€ndische Sanktionen oder Lieferketten-Probleme zu schĂŒtzen. Die VorschlĂ€ge gehen nun an das EuropĂ€ische Parlament und die Mitgliedstaaten zur Verhandlung und endgĂŒltigen Genehmigung.

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