EU-China-Handel, Elektroautos

EU und China vereinbaren Mindestpreise für chinesische E-Autos

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 19:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Vereinbarung soll den Zugang chinesischer Fahrzeuge zum EU-Markt über Preis- und Mengenvorgaben steuern. Das Institut der deutschen Wirtschaft hält gezielte Ausgleichszölle für wirksamer und warnt vor anhaltenden Wettbewerbsvorteilen chinesischer Hersteller.

EU und China einigen sich bei E-Autos - IW kritisiert Mindestpreise
E-Auto Ladestation (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die EU und China haben sich darauf verständigt, die Exportmengen chinesischer Hybridfahrzeuge zu reduzieren und für Elektroautos Mindestpreise einzuführen. Die Vereinbarung stößt beim Institut der deutschen Wirtschaft auf Kritik.

IW favorisiert Ausgleichszölle

Jürgen Matthes, Handelsexperte des IW Köln und Sachverständiger in der China-Kommission des Bundestags, bezeichnete Ausgleichszölle auf chinesische Importe als das bessere und gezieltere Mittel. Sie könnten nach seiner Einschätzung Wettbewerbsverzerrungen ausgleichen, die durch Subventionen und eine unterbewertete Währung entstünden.

Mindestpreise würden China dagegen ermöglichen, große Gewinnmargen zu sichern, so Matthes. Chinesische Unternehmen hätten dadurch mehr finanziellen Spielraum für Investitionen in Innovationen als europäische Firmen.

Kritik an Mengensteuerung

Eine Steuerung über Mengen und Quoten bei Hybridfahrzeugen habe nicht mehr viel mit Marktwirtschaft zu tun, kritisierte der Ökonom. Gezielte Ausgleichszölle könnten den künstlichen Preisvorteil chinesischer Anbieter hingegen unmittelbar verringern.

Nach Einschätzung von Matthes hängt ein großer Teil der seit 2019 verlorenen Industriearbeitsplätze mit China zusammen. Er fordert deshalb einen Ausgleich, der fairen Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen ermöglicht und zugleich unfaire Verzerrungen kompensiert; solche Zölle seien klassische Ordnungspolitik und kein Protektionismus.

EU-Gipfel berät über weitere Schritte

Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen Ende nächster Woche in Brüssel über den Ausgang der Gespräche zwischen EU-Handelskommissar Maros Sefcovic und Chinas Handelsminister Wang Wentao beraten. Dabei soll es auch um mögliche weitere Maßnahmen im Umgang mit chinesischen Fahrzeugimporten gehen.

Die Einigung fällt in eine Phase deutlich angespannter Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und China. Im Mittelpunkt stehen seit Jahren Vorwürfe, chinesische Unternehmen profitierten von staatlichen Subventionen und weiteren Wettbewerbsvorteilen, während europäische Firmen beim Zugang zum chinesischen Markt auf Hürden stoßen. Das Handelsdefizit der EU gegenüber China lag im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei mehr als einer Milliarde Euro pro Tag.

Mit Mindestpreisen für Elektroautos und einer Begrenzung chinesischer Hybridexporte setzt die EU nun auf eine Kombination aus Preis- und Mengensteuerung. Mindestpreise können verhindern, dass Fahrzeuge zu besonders niedrigen Preisen auf den europäischen Markt gelangen. Sie lösen jedoch nicht automatisch die strukturellen Unterschiede bei Subventionen, Produktionskosten, Skaleneffekten und Marktzugang.

Streit über das geeignetere Instrument

Die Kritik des IW zielt deshalb auf die Ausgestaltung der Vereinbarung. Ausgleichszölle würden nach dieser Argumentation gezielt den künstlichen Preisvorteil einzelner Produkte ausgleichen, während Mindestpreise chinesischen Herstellern weiterhin hohe Margen lassen könnten. Mengen- und Quotenregelungen greifen zudem unmittelbar in den Marktzugang ein und könnten die Auswahl sowie die Preisentwicklung für europäische Käufer beeinflussen.

Die Gespräche finden vor dem EU-Gipfel Ende der kommenden Woche in Brüssel statt. Dort müssen die Mitgliedstaaten bewerten, ob die Vereinbarung europäische Hersteller ausreichend schützt, zugleich aber Wettbewerb und ein breites Angebot für Verbraucher erhalten bleiben. Für die Autoindustrie ist entscheidend, ob aus der politischen Verständigung konkrete, kontrollierbare Regeln mit einheitlicher Anwendung werden.

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