EU-USA-Zollabkommen: Erste Bilanz nach einem Jahr vorgelegt
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 00:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission und die US-Regierung haben eine vorläufige Bilanz zum ersten Jahr des gemeinsamen Zollabkommens veröffentlicht. Das am 27. Juli 2026 vorgestellte Dokument beschreibt ein komplexes Verhältnis zwischen Kooperation und fortbestehenden Handelskonflikten. Während das Abkommen nach Einschätzung von Beteiligten eine weitere Eskalation verhindert hat, belasten neue regulatorische Streitigkeiten und bestehende Sonderzölle das transatlantische Verhältnis.
Gemischtes Stimmungsbild in der Wirtschaft
Eine aktuelle Umfrage der US-Handelskammer in der EU (AmCham EU), die zwischen dem 6. und 20. Juli 2026 durchgeführt wurde, verdeutlicht die Stabilisierung der Erwartungen im Vergleich zu den Vorjahren. Demnach gehen 51 % der befragten US-Unternehmen von stabilen transatlantischen Beziehungen in den kommenden zwölf Monaten aus. Während 21 % eine Verbesserung erwarten, rechnen 28 % mit einer Verschlechterung.
Dieser Trend markiert eine deutliche Abkehr von der Stimmung zum Zeitpunkt des Amtsantritts von US-Präsident Trump im Januar 2025, als noch 89 % der Unternehmen pessimistisch gestimmt waren. Auch vor einem Jahr hatten noch 46 % der Befragten eine Verschlechterung der Lage befürchtet. Malte Lohan, CEO der AmCham EU, betonte in diesem Zusammenhang, dass das Abkommen maßgeblich dazu beigetragen habe, eine unkontrollierte Eskalation der Handelsstreitigkeiten zu vermeiden. Europäische Firmen berichten zwar von einer gestiegenen Planungssicherheit, weisen jedoch darauf hin, dass von einer vollständigen Entwarnung noch keine Rede sein könne.
Neue Spannungsfelder durch Digitalregulierung und Zölle
Trotz der positiven Tendenzen in der Wirtschaftsumfrage bleiben die politischen Fronten teilweise verhärtet. Ein aktueller Streitpunkt ist ein im Juli 2026 von der EU verhängtes Bußgeld gegen Google in Höhe von 890 Millionen Euro. US-Präsident Trump drohte als Reaktion auf diese Strafe sowie auf weitere EU-Geldbußen gegen Alphabet in Höhe von etwa 1 Milliarde US-Dollar mit einer sogenannten Section-301-Untersuchung und der Einführung neuer Zölle.
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Der US-Handelsbeauftragte Greer signalisierte zwar Verhandlungsbereitschaft, verknüpfte dies jedoch mit der Forderung nach einer Aufhebung der Geldbußen. Greer erklärte, dass die Maßnahmen der EU das bestehende Abkommen gefährden könnten. Gleichzeitig erhoben die USA mit Wirkung vom 24. Juli 2026 neue Zölle unter Verweis auf Zwangsarbeits-Regulierungen. Diese belaufen sich auf 10 % für die meisten EU-Waren und 15 % für Automobile. Die EU-Kommission stufte die neuen US-Zölle von 10 % bisher als abkommenskonform ein.
Politische Einordnung und künftige Entwicklungen
Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament, bewertete die Position der Europäischen Union ein Jahr nach Abschluss des Deals als deutlich selbstbewusster. Er wies darauf hin, dass die EU-Staaten geschlossener agierten und in den USA mittlerweile mehr Rationalität eingekehrt sei. Dennoch bleibe die Lage fragil. Die EU-Kommission hat Schutzklauseln eingeführt, die eine Aussetzung des Abkommens vorsehen, sollten US-Zölle den Schwellenwert von 15 % überschreiten oder diskriminierende Maßnahmen ergriffen werden.
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Lange geht davon aus, dass die sogenannten Turnberry-Zölle in Höhe von 15 % erst bis zum Jahr 2029 vollständig abgebaut werden können. Während die USA weiterhin Zölle von 50 % auf Stahl und Aluminium erheben, rechnet der SPD-Politiker bis zum Jahresende mit Ausnahmen für Spezialstahl. Parallel dazu dauern die Gespräche über europäische Digitalregeln an, wobei das Risiko besteht, dass die USA gezielte Beschränkungen für digitale Dienste aus der EU verhängen könnten. Laut Lange würde ein heute neu verhandeltes Abkommen aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen vorteilhafter für die EU ausfallen.
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