EU-Verordnung 2019/ 2144: Neue Assistenzpflichten gelten seit 7. Juli 2026
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit dem 7. Juli 2026 gilt fĂŒr die Automobilbranche die nĂ€chste Stufe der EU-Verordnung 2019/2144. Diese Regelung verpflichtet Hersteller dazu, neue Sicherheitstechnologien in Kraftfahrzeuge zu integrieren, um insbesondere den Schutz schwĂ€cherer Verkehrsteilnehmer zu erhöhen und die Zahl der UnfĂ€lle durch menschliches Versagen zu reduzieren.
Erweiterte SchutzmaĂnahmen fĂŒr schwĂ€chere Verkehrsteilnehmer
Die aktuelle Phase der Verordnung sieht vor, dass neu zugelassene Fahrzeuge mit weiterentwickelten Notbremsassistenten ausgestattet sein mĂŒssen. Diese Systeme sind nun spezifisch darauf ausgelegt, FuĂgĂ€nger und Radfahrer zuverlĂ€ssig zu erkennen und bei drohenden Kollisionen automatisch einzugreifen.
Parallel dazu wird ein Ablenkungswarnsystem zur Pflicht, das die Aufmerksamkeit der fahrenden Person ĂŒberwacht und bei Anzeichen von Unaufmerksamkeit warnt.
ZusĂ€tzlich umfassen die Vorgaben einen erweiterten FuĂgĂ€ngerschutz sowie die Ausdehnung von Notfall-Spurhalteassistenten auf weitere Fahrzeugklassen. Diese MaĂnahmen zielen darauf ab, die aktive Sicherheit ĂŒber das bisherige MaĂ hinaus zu erhöhen und technische Standards fĂŒr Pkw sowie leichte Nutzfahrzeuge an die aktuellen Anforderungen des StraĂenverkehrs anzupassen.
RĂŒckblick auf die Basisanforderungen seit Sommer 2024
Bereits seit dem 7. Juli 2024 mĂŒssen neue Pkw eine Reihe von Basissystemen vorweisen, um zulassungsfĂ€hig zu sein. Dazu gehören der intelligente Geschwindigkeitsassistent (ISA), ein MĂŒdigkeitswarner, ein RĂŒckfahrassistent sowie ein Notbremslicht. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Stufe war zudem die EinfĂŒhrung des Ereignisdatenspeichers, auch Blackbox genannt.
Dieser Speicher ist fĂŒr neue Pkw der Klasse M1 und leichte Nutzfahrzeuge der Klasse N1 vorgeschrieben. Er zeichnet im Falle eines Unfalls kurzzeitig Parameter wie Geschwindigkeit, BremsvorgĂ€nge und Lenkwinkel auf. Dabei betont die Verordnung den Datenschutz: Eine vollstĂ€ndige Fahrzeug-Identifikationsnummer wird nicht gespeichert, und eine permanente VideoĂŒberwachung findet nicht statt. Bestehende Fahrzeuge im Altbestand sind von einer NachrĂŒstpflicht dieser Systeme ausgenommen.
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Fahrplan fĂŒr Euro 7 und modernisierte Notrufsysteme
Die regulatorische Landschaft wird in den kommenden Monaten durch weitere Fristen ergĂ€nzt. Seit dem 1. Januar 2026 ist die nĂ€chste Generation des Notrufsystems eCall fĂŒr neu entwickelte Fahrzeugtypen Pflicht. Ab dem 1. Januar 2027 muss diese modernisierte Version, die auf 4G/LTE- und 5G-Netzen basiert, bei allen neuen Pkw und leichten Transportern im Rahmen der Erstzulassung unterstĂŒtzt werden.
Hinsichtlich der Emissionsnormen gilt die Euro-7-Verordnung ab dem 29. November 2026 fĂŒr neu typgenehmigte Pkw-Modelle. Ein Jahr spĂ€ter, ab dem 29. November 2027, mĂŒssen sĂ€mtliche erstmals zugelassenen Pkw diesen Standard erfĂŒllen.
Im Bereich der Fahrerlaubnis steht zudem der 19. Januar 2027 als nĂ€chster wichtiger Termin fest: Bis zu diesem Datum mĂŒssen Inhaber von KartenfĂŒhrerscheinen der Ausstellungsjahre 2002 bis 2004 ihre Dokumente umtauschen.
Hersteller setzen neue Standards im Nutzfahrzeugsegment
Die Industrie reagiert auf diese Anforderungen mit der EinfĂŒhrung neuer Modellgenerationen. So erweitert MAN Truck & Bus beim Modell TGE zum Modelljahr 2027 die Fahrerassistenzsysteme. Die Produktion dieses Modells startete Anfang September im polnischen Wrze?nia.
Ein zentrales Element ist der neue Kreuzungsassistent, der innerhalb seiner Systemgrenzen querenden Verkehr beim Einfahren in Kreuzungen erkennt, mehrstufig warnt und bei akuter Gefahr selbststÀndig bremsen kann.
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Zudem implementiert der Hersteller eine kamerabasierte Aufmerksamkeits- und MĂŒdigkeitserkennung, die als Serienausstattung fungiert. Laut Unternehmensangaben analysiert die Kamera im Innenspiegel lediglich abstrakte ZustĂ€nde, ohne personenbezogene Daten zu erfassen.
FĂŒr Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen wird zudem die automatische Distanzregelung (ACC) um eine prĂ€diktive Geschwindigkeitsanpassung ergĂ€nzt, die Navigationsdaten und Verkehrszeichenerkennung nutzt, um das Tempo vorausschauend an Kurven oder Tempolimits anzupassen.
Martin Imhoff von MAN Truck & Bus betonte in diesem Zusammenhang, dass mit dem neuen Modelljahr die aktive Sicherheit im Transportersegment spĂŒrbar reduziert werde.
