EU-Verordnung 2024/ 1610: 30 Hersteller fordern Überarbeitung
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 20:35 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Branchengrößen wie Krone und Schmitz Cargobull warnen vor drastischen Preissteigerungen und dem Verlust von 70.000 Arbeitsplätzen.
Streit um Simulations-Tool
Im Zentrum der Kritik steht das VECTO-Tool (Vehicle Energy Consumption Calculation Tool). Die Hersteller bemängeln: Die Simulationsmethodik der EU bilde die betriebliche Realität nicht korrekt ab. Im schlimmsten Fall könnte die Verordnung sogar zu höheren Emissionen führen – weil mehr Fahrten nötig werden.
Bereits 2025 hatten acht namhafte Hersteller wie Fliegl, Kögel, Langendorf und Schwarzmüller Klage eingereicht. Anfang Juli 2026 unterzeichneten die Geschäftsführer nun eine Petition mit fünf Kernforderungen. Dazu gehören das Vorziehen der für 2027 geplanten Überprüfung auf dieses Jahr, eine Senkung des Reduktionsziels auf fünf Prozent sowie ein Moratorium für Strafzahlungen.
Die wirtschaftlichen Folgen sind existenzbedrohend. Allein Kögel drohen Strafzahlungen von bis zu 64 Millionen Euro pro Jahr. Branchenexperten rechnen mit Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent für Trailer. Unterstützung kommt von EU-Abgeordneten wie Jan-Christoph Oetjen, die eine Anpassung an die technischen Realitäten fordern.
Während neue EU-Verordnungen die Branche unter Druck setzen, verursachen auch klassische Haftungsfallen im Alltag massive Kosten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Logistikern, wie sie rechtliche Fallstricke bei der Beladung vermeiden und die Haftungssicherheit erhöhen. Checklisten zur rechtssicheren Ladungssicherung jetzt kostenlos herunterladen
Pilotprojekt zeigt: Elektrifizierung funktioniert
Während die Politik streitet, treiben Unternehmen die Dekarbonisierung voran. Mars und REWE elektrifizierten einen grenzüberschreitenden Logistik-Korridor. 47 batterieelektrische Lkw fahren von Fabriken in Veghel (Niederlande), Viersen und Verden über Minden bis nach Oranienburg.
Die Bilanz: Seit Anfang 2024 (Mars) beziehungsweise 2025 (REWE) legten die E-Lkw 2,4 Millionen Kilometer elektrisch zurück. Das sparte 2.600 Tonnen CO2-Äquivalente und 750.000 Liter Diesel. Entscheidend für die Branche: Bei über 50 Prozent der Touren liegen die Betriebskosten der E-Lkw bereits unter denen von Diesel-Fahrzeugen.
Neben technischen Innovationen bleibt die rechtssichere Schulung des Personals ein entscheidender Faktor für einen wirtschaftlichen Fuhrparkbetrieb. Mit dieser fertigen Muster-PowerPoint bereiten Sie Ihre nächste Unterweisung zur Ladungssicherung in Rekordzeit vor und beugen teuren Schadensersatzforderungen vor. Kostenlose Unterweisungsvorlagen für Profis sichern
Technik macht Sprünge – Bürokratie bremst
Iveco präsentierte in Turin eine neue Generation des S-Way. Die Baureihe MY26 soll bis zu elf Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als das Modell von 2024. Digitale Flottenmanagementsysteme reduzieren zudem die Ausfallzeiten.
Doch während die Technik voranschreitet, drohen neue Belastungen. Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) kritisiert Pläne der Bundesregierung für eine pauschale Plastikabgabe. Laut Umweltbundesamt könnten die Bürokratiekosten bei 420 Millionen Euro pro Jahr liegen, die Gesamtkosten für die Wirtschaft bei über zwei Milliarden. Fachleute fordern eine ökologische Lenkungswirkung statt einer reinen Fiskalabgabe. Sonst drohe die Recyclingwirtschaft geschwächt zu werden.
