EUDR-Umsetzung: Druckereien warnen vor Haftung für Lieferkette
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) hat Mitte August 2026 deutliche Kritik am aktuellen Kabinettsentwurf zur nationalen Umsetzung der europäischen Entwaldungsverordnung (EUDR) geäußert.
Der Verband warnt davor, dass Druckereien als nachgelagerte Akteure in der Lieferkette für Verstöße haftbar gemacht werden könnten, auf die sie faktisch keinen Einfluss haben. Diese Entwicklung stellt die Branche vor erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Herausforderungen.
Unkontrollierbare Risiken in der Lieferkette
Im Kern der Kritik steht die Sorge, dass Unternehmen am Ende der Wertschöpfungskette für Versäumnisse ihrer Vorlieferanten zur Rechenschaft gezogen werden. Nach Einschätzung des BVDM könnten Druckereien für Unregelmäßigkeiten innerhalb der Lieferkette sanktioniert werden, obwohl sie die Einhaltung der EUDR-Vorgaben bei den Rohstoffen in der Praxis nicht kontrollieren können.
Da Druckereien als nachgelagerte Glieder agieren, fehle ihnen der direkte Zugriff auf Informationen über die Herkunft und die Entwaldungsfreiheit der eingesetzten Materialien in früheren Produktionsstadien.
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Der Branchenverband betonte in einer Stellungnahme vom 14. August 2026, dass diese Haftungsregelung eine unverhältnismäßige Belastung darstelle. Es sei für die Betriebe nicht leistbar, lückenlose Kontrollen über die gesamte Kette hinweg durchzuführen, wenn die entsprechenden Kontrollmechanismen rechtlich und organisatorisch primär bei den Importeuren und Erstinverkehrbringern der Rohstoffe liegen sollten.
Forderung nach Entlastung und Verhältnismäßigkeit
Angesichts dieser Risiken fordert der BVDM eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs, um nachgelagerte Unternehmen wirksam zu entlasten. Ein zentraler Punkt der Forderungen ist der Verzicht auf eine strafrechtliche Verantwortung für Betriebe, die lediglich als Verarbeiter in der Lieferkette fungieren.
Der Verband plädiert dafür, dass die Verantwortung dort angesiedelt sein muss, wo die tatsächliche Kontrolle über die Einhaltung der Umweltstandards ausgeübt werden kann.
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Zudem mahnte der Verband die Verhältnismäßigkeit bei den geplanten Sanktionen an. Die derzeitigen Entwürfe sähen Maßnahmen vor, die für mittelständische Druckereien existenzbedrohend sein könnten. In diesem Zusammenhang kritisierte der BVDM auch die im Entwurf vorgesehene Möglichkeit zur Vernichtung von Produkten.
Eine solche Praxis stehe im Widerspruch zu den eigentlichen Nachhaltigkeitszielen und würde zu massiven wirtschaftlichen Verlusten führen, ohne einen direkten ökologischen Mehrwert in der Lieferkette zu schaffen.
Die Branche fordert daher eine klare Abgrenzung der Verantwortlichkeiten, die dem Realitätsgehalt der industriellen Produktion Rechnung trägt. Ziel müsse es sein, die Ziele der EU-Entwaldungsverordnung umzusetzen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Druckindustrie durch rechtliche Unsicherheiten und unverhältnismäßige Haftungsrisiken zu gefährden.
