Ex-BND-PrÀsident Hanning wegen Spionageverdacht festgenommen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 11:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(Neu: wohl keine Russland-Verbindung, Notz)
BERLIN (dpa-AFX) - Der ehemalige BND-PrĂ€sident August Hanning ist am Morgen unter Spionageverdacht festgenommen worden. AuĂer Hanning wurde auch sein ehemaliger BĂŒroleiter Manfred D. festgenommen, teilte der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mit.
Demnach steht Hanning unter anderem unter dem Verdacht des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen AgententĂ€tigkeit. Manfred D. wird Beihilfe vorgeworfen. Nach Informationen von WDR, NDR und "SĂŒddeutscher Zeitung" geht es dabei aber nicht um Russland.
Ein Regierungssprecher sagt zu den Festnahmen: "Die Bundesregierung wird das wegen der laufenden Ermittlungen nicht kommentieren."
Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D., der wĂ€hrend Hannings Zeit an der Spitze des BND dessen BĂŒroleiter war, seinen ehemaligen Chef auch nach dessen Zeit beim BND weiter mit Informationen des Nachrichtendienstes versorgt haben. Den Ermittlungsbehörden zufolge arbeitete D. von MĂ€rz 2012 bis MĂ€rz 2026 weiter als BĂŒroleiter fĂŒr BND-PrĂ€sidenten.
Weitergabe von Informationen gegen Geld?
Nach dem Ende von Hannings Amtszeit beim BND sollen beide MĂ€nner verabredet haben, dass Manfred D. gegen Geld auch weiter Erkenntnisse des Dienstes an Hanning weitergibt. Diese habe Hanning fĂŒr seine BeratertĂ€tigkeit nutzen können, hieĂ es.
Hanning leitete den Bundesnachrichtendienst von 1998 bis 2005, danach war er StaatssekretÀr im Bundesinnenministerium. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.
Gut 2.000 Dokumente soll D. laut Bundesanwaltschaft Hanning ĂŒber die Jahre so zur VerfĂŒgung gestellt haben. Viele davon seien als Verschlusssache eingestuft und ausschlieĂlich fĂŒr die interne Verwendung bestimmt gewesen, etwa fĂŒr Lagebesprechungen verschiedener Spitzenbeamter im Kanzleramt.
Ermittlungen kamen durch Block-Fall ins Laufen
In einem Fall soll Hanning laut Bundesanwaltschaft die Informationen auch dafĂŒr verwendet haben, um fĂŒr Mitarbeiter eines fremden Nachrichtendienstes eine Analyse zu erstellen. Ob diese den Adressaten erreicht habe, sei bislang nicht festzustellen gewesen. Zudem soll Hanning ĂŒber Jahre in engem Austausch mit einem Angehörigen eines anderen Nachrichtendienstes gestanden und diesen mit Informationen versorgt haben.
Zuletzt stand er auch im Fokus wegen einer möglichen Beteiligung an der EntfĂŒhrung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block. Der frĂŒhere PrĂ€sident des Bundesnachrichtendiensts und ein pensionierter Beamter des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg stĂŒnden im Verdacht, als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma 2022 einen Auftrag von Christina Block zur Kindesentziehung angenommen zu haben, hatte die Staatsanwaltschaft im Herbst 2025 mitgeteilt.
Durch die Ermittlungen in diesem Fall waren die Beamten Hanning und seinem Mitarbeiter auf die Spur gekommen. Das aktuelle Verfahren gehe auf Funde aus einer Durchsuchung bei Hanning im Zusammenhang mit dem Block-Fall zurĂŒck, teilte die Bundesanwaltschaft mit.
Festgenommen wurden Hanning und sein Mitarbeiter laut Bundesanwaltschaft im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern sowie im nordrhein-westfÀlischen Landkreis Steinfurt.
Der GrĂŒnen-Innenpolitiker Konstantin von Notz ziegte sich schockiert. "Das ist eine eisenharte und abgrĂŒndige Geschichte, wir erwarten eine zĂŒgige und vollstĂ€ndige AufklĂ€rung der ungeheuerlichen VorwĂŒrfe", sagte von Notz, der auch Mitglied im Bundestagsgremium zur Kontrolle der Geheimdienste (PKGr) ist, dem "Spiegel". "Die dubiosen und vielfĂ€ltigen LobbytĂ€tigkeiten ehemaliger Spitzenbeamter und höchster GeheimnistrĂ€ger der Bundesrepublik kritisieren wir seit Jahren." Dem "Spiegel"-Bericht zufolge forderte er konkret, frĂŒheren GeheimnistrĂ€gern solche TĂ€tigkeiten nach ihrer Amtszeit zu verbieten.
