Exilby: Erstes Cannabis-Arzneimittel gegen Nervenschmerzen verfügbar
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit dem 1. September 2026 ist mit Exilby das erste Cannabis-Fertigarzneimittel zur Behandlung von chronischen Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente auf dem deutschen Markt verfügbar.
Das Präparat des Herstellers Vertanical wurde speziell für Patienten zugelassen, bei denen eine Therapie mit herkömmlichen Nicht-Opioid-Analgetika keine ausreichende Wirkung erzielt hat. Damit erweitert sich das Spektrum der technologischen und medikamentösen Unterstützung für die Gesundheit am Arbeitsplatz und im Alltag um eine neue Behandlungsoption für komplexe Schmerzsyndrome.
Klinische Studienergebnisse und Wirksamkeit
Die Zulassung des Medikaments basiert auf umfangreichen klinischen Untersuchungen. Insgesamt wurden Studien mit mehr als 1200 Patienten durchgeführt. Eine zentrale Phase-III-Studie, die in dem Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht wurde, umfasste 815 Teilnehmer. Innerhalb dieser Gruppe wurde eine spezifische Subgruppe von 180 Patienten mit neuropathischer Schmerzkomponente detailliert untersucht.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eine Differenz in der Schmerzlinderung: Während der Schmerzscore auf der numerischen Bewertungsskala (NRS) in der Placebo-Gruppe lediglich um 0,5 sank, konnte unter der Anwendung des Verums ein Rückgang von 1,7 Punkten verzeichnet werden.
Experten wie Prof. Hartmut Göbel ordneten diese Daten als klinisch bedeutsam ein, wiesen jedoch gleichzeitig darauf hin, dass die erzielte Schmerzreduktion als moderat zu bewerten sei.
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Kostenstruktur und therapeutische Anwendung
Exilby ist als verschreibungspflichtiges Medikament eingestuft. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Therapie. Nach Herstellerangaben belaufen sich die täglichen Therapiekosten auf einen Betrag zwischen 11 und 12 Euro. Eine Flasche des Fertigarzneimittels ist auf eine Verwendungsdauer von bis zu zwei Monaten ausgelegt, was eine langfristige Planung der Behandlung ermöglicht.
Das Medikament ist für den Einsatz vorgesehen, wenn klassische Schmerzmittel nicht mehr ausreichen. Dies betrifft insbesondere Patienten, deren chronische Rückenbeschwerden durch Nervenschädigungen oder neurologische Reizungen kompliziert werden.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Wie bei cannabisbasierten Arzneimitteln üblich, wurden im Rahmen der klinischen Erprobung verschiedene Nebenwirkungen dokumentiert. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen zählen Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit. Zudem wurde über Somnolenz, also eine gesteigerte Schläfrigkeit, berichtet. Prof. Hartmut Göbel bestätigte in einer Einschätzung, dass diese Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit im Rahmen der Behandlung häufig auftreten können.
Für bestimmte Patientengruppen bestehen strikte Kontraindikationen. Das Medikament darf nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit eingenommen werden. Ebenso ist eine Anwendung bei Patienten mit vorliegenden psychotischen Erkrankungen ausgeschlossen.
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Ausbau des Indikationsspektrums
Die aktuelle Markteinführung konzentriert sich auf den Bereich der chronischen Rückenschmerzen mit Nervenbeteiligung. Vertanical plant jedoch bereits eine Erweiterung des Einsatzgebiets. Künftige Zulassungsverfahren sollen den Einsatz von Exilby auch für andere Krankheitsbilder ermöglichen.
Konkret befinden sich Anwendungen bei Arthrose sowie bei der diabetischen Neuropathie in der Planung, um weiteren Patientengruppen mit chronischen Schmerzzuständen eine zusätzliche Behandlungsalternative zu eröffnen.
