Exoskelette am Arbeitsplatz: 30% weniger RĂŒckenbelastung
27.05.2026 - 17:40:23 | boerse-global.deExoskelette, fahrerlose Transportsysteme und intelligente Hebehilfen sollen körperlich schwere Arbeit ertrĂ€glicher machen â und gleichzeitig die ProduktivitĂ€t steigern. Der Trend ist eine direkte Antwort auf FachkrĂ€ftemangel und alternde Belegschaften.
Leichte Helfer fĂŒr den RĂŒcken
Die hTRIUS GmbH stellte im Mai 2026 das BionicBack Exoskelett vor. Es wiegt unter zwei Kilogramm und ist speziell fĂŒr Hebearbeiten in Logistik und Reifenhandel konzipiert. Das System reduziert Belastungsspitzen im unteren RĂŒcken um bis zu 30 Prozent. Auf der THE TIRE COLOGNE Anfang Juni soll es einem breiteren Publikum prĂ€sentiert werden.
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Die Wissenschaft bestĂ€tigt die Wirksamkeit solcher passiven Systeme. Eine Studie der UniversitĂ€tsmedizin Magdeburg, veröffentlicht Anfang Februar in Applied Ergonomics, untersuchte Exoskelette im Pflegealltag. Das Team um Prof. Dr. Dr. Fabian-S. Frielitz stellte fest: Die Systeme entlasten PflegekrĂ€fte bei Hebe- und StĂŒtzbewegungen spĂŒrbar. Allerdings können sie physische Belastungen nicht vollstĂ€ndig eliminieren â die personelle Ausstattung und ergonomische AblĂ€ufe bleiben essenziell. FĂŒr Arbeitgeber interessant: Laut Studienergebnissen rechnen sich die Systeme bereits, wenn dadurch nur wenige Fehltage vermieden werden.
Hebehilfen fĂŒr die Industrie
Neben körpergetragenen Systemen setzt die Industrie verstĂ€rkt auf stationĂ€re Hebehilfen. Der Hersteller Schmalz bietet etwa den Vakuum-Schlauchheber Jumbo fĂŒr die Textilindustrie an. Die GerĂ€te bewegen Garn-Pakete zwischen 10 und 50 Kilogramm. Die Handhabungsgeschwindigkeit steigt damit von drei bis vier auf acht bis zehn Konen pro Minute. Je nach Modell sind Lasten bis 50 Kilogramm (JumboFlex) oder bis 85 Kilogramm (JumboErgo, JumboSprint) möglich.
Automatisierung als Ergonomie-Booster
Die Albert Eger GmbH, Hersteller von PapierhĂŒlsen und Wickelkernen, setzt auf das fahrerlose Transportsystem âLEO flow" von Bito. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Viktor Epp betont: HĂ€ndische Arbeit wurde weitgehend durch Automatisierung ersetzt. Das reduziert nicht nur den Personalbedarf in belastenden Bereichen, sondern ermöglicht auch einen stabilen Drei-Schicht-Betrieb bei Auftragsspitzen.
Ăhnliche Erfolge erzielt die ELECTROSTAR GmbH aus Reichenbach an der Fils. Der Hersteller von Reinigungslösungen optimierte seine Montage mit Partner BeeWaTec innerhalb einer Woche durch eine neue Taktfertigung. Ergebnis: 18 Prozent mehr ProduktivitĂ€t, 33 Prozent weniger FlĂ€chenbedarf â und ein gesundheitsschonenderes Umfeld fĂŒr die rund 250 Mitarbeiter.
PrÀvention als Unternehmensstrategie
Das DGUV Barometer Arbeitswelt 2026 zeigt: Neun von zehn BeschĂ€ftigten sehen PrĂ€ventionsmaĂnahmen als wesentlichen Faktor fĂŒr UnternehmensstabilitĂ€t. 94 Prozent der FĂŒhrungskrĂ€fte wollen gesundes Arbeiten bis zum Rentenalter ermöglichen. Bereits ein Drittel der befragten Unternehmen hat die Ausgaben fĂŒr Arbeitsschutz erhöht.
Die Notwendigkeit ergibt sich aus verschiedenen Risiken: 53 Prozent der Befragten nannten Stolpern, Rutschen und StĂŒrzen als Hauptunfallrisiko. Gleichzeitig sehen 50 Prozent der BeschĂ€ftigten Stress als Hauptbelastung. FĂŒr die Zukunft erwarten 60 Prozent ein steigendes Risiko durch psychische Belastungen. Ergonomische Hilfsmittel adressieren beide Aspekte â physische Entlastung und psychische Entspannung durch weniger anstrengende AblĂ€ufe.
48 Prozent der Unternehmen stufen die Altersstruktur der Belegschaft als zukĂŒnftiges Risiko ein. Lösungen, die körperliche Arbeit erleichtern, sind daher zentral, um erfahrene FachkrĂ€fte lĂ€nger im Betrieb zu halten.
Ein effektiver Arbeitsschutz beginnt bereits bei der Identifikation von Risiken wie SturzunfĂ€llen oder Ăberlastung. Erfahren Sie in diesem Praxis-Leitfaden, welche 7 hĂ€ufigen IrrtĂŒmer bei der GefĂ€hrdungsbeurteilung Unternehmen oft teuer zu stehen kommen. Zum kostenlosen Download: Report GefĂ€hrdungsbeurteilung
Schwere GerĂ€te fĂŒr den AuĂeneinsatz
Auch bei schwerem GerĂ€t tut sich etwas. Atlas Weyhausen startete die Serienproduktion der neuen Weycor 3er-Radladerserie. Die Maschinen in der 2,7 bis 3,5 Tonnen Klasse bieten eine Hubkraft von ĂŒber 1,6 bis zu mehr als 2 Tonnen. Verschiedene Kinematik-Varianten erhöhen die PrĂ€zision und damit die Sicherheit am Arbeitsplatz.
GroĂauftrag Bundeswehr und E-Antrieb
Die Modernisierung der Logistikflotte der Bundeswehr zeigt das Potenzial fĂŒr die kommenden Jahre. Das Bundesamt fĂŒr AusrĂŒstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) schrieb einen Rahmenvertrag ĂŒber bis zu 1.000 multifunktionale FeldumschlaggerĂ€te (MUFFEL) aus. Diese Teleskopstapler ersetzen Ă€ltere Modelle und sind fĂŒr Lasten ĂŒber vier Tonnen ausgelegt. Die Lieferung von zunĂ€chst 594 fest beauftragten Systemen soll bis Ende 2032 abgeschlossen sein.
Gleichzeitig schreitet die Elektrifizierung voran. FĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte 2026 sind vollelektrische Varianten der neuen Weycor-Radlader angekĂŒndigt. Bei einer Ladezeit von etwa zwei Stunden erreichen sie eine Laufzeit von bis zu acht Stunden â ein Gewinn fĂŒr geschlossene Hallen, wo Abgase entfallen.
Ergonomie ist 2026 kein reiner Kostenfaktor mehr. Unternehmen begreifen sie als Investition in ProduktivitĂ€t und Mitarbeiterbindung. Die Kombination aus Exoskeletten, automatisierten Prozessen und moderner Arbeitsplatzgestaltung wird zum Fundament einer zukunftsfĂ€higen Betriebskultur. Wer frĂŒhzeitig adaptiert, sichert sich Wettbewerbsvorteile in einem Markt, in dem Gesundheitsschutz und Effizienz untrennbar zusammengehören.
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