FachkrÀftemangel: 723.000 Stellen unbesetzt bis 2029
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 13:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt vor einer massiven VerschĂ€rfung des Personalmangels auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Wie aus einer neuen Studie des Instituts hervorgeht, ĂŒber die am 7. September 2026 berichtet wurde, wird die Zahl der unbesetzten Stellen fĂŒr qualifizierte ArbeitskrĂ€fte in den kommenden Jahren massiv ansteigen. Den Prognosen zufolge werden bis zum Jahr 2029 rund 723.000 FachkrĂ€fte in Deutschland fehlen.
Dieser Anstieg markiert eine nahezu verdoppelte LĂŒcke im Vergleich zum Jahr 2025. FĂŒr das Jahr 2025 beziffert das IW den Mangel noch auf etwa 370.000 Personen. Damit entspricht die prognostizierte GesamtlĂŒcke fĂŒr 2029 einer Zunahme um 96 Prozent innerhalb weniger Jahre.
Einzelhandel und soziale Berufe besonders betroffen
Die Studie schlĂŒsselt den zukĂŒnftigen Bedarf nach verschiedenen Berufsgruppen auf und identifiziert insbesondere im Dienstleistungssektor sowie im Sozial- und Gesundheitswesen kritische EngpĂ€sse.
Die gröĂte absolute FachkrĂ€ftelĂŒcke wird laut den Berechnungen im Bereich der VerkĂ€ufer erwartet. Hier fehlen den SchĂ€tzungen zufolge bis 2029 etwa 39.100 ArbeitskrĂ€fte. Um die Dimension zu verdeutlichen: In dieser Berufsgruppe sind derzeit rund 870.000 Menschen beschĂ€ftigt.
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Ebenfalls hohe Defizite zeigen sich in Berufen, die fĂŒr die soziale Infrastruktur und die Gesundheitsversorgung wesentlich sind. In der Kinderbetreuung wird mit 29.900 fehlenden FachkrĂ€ften gerechnet, gefolgt von der Sozialarbeit mit einer LĂŒcke von 23.600 Stellen.
Auch in der Krankenpflege (18.700 fehlende Personen) und in technischen Handwerksberufen wie der Bauelektrik (17.400 fehlende Personen) wird sich der Mangel laut IW deutlich bemerkbar machen.
Ursachenanalyse: Demografie und Zuwanderung im Fokus
Das Institut der deutschen Wirtschaft fĂŒhrt die wachsende Personalnot auf eine Kombination aus verschiedenen strukturellen Faktoren zurĂŒck. Ein wesentlicher Treiber ist der Renteneintritt der geburtenstarken JahrgĂ€nge, wodurch dem Arbeitsmarkt kontinuierlich erfahrene KrĂ€fte entzogen werden. Dieser Effekt könne durch den derzeitigen Nachwuchs nicht kompensiert werden, da es an einer ausreichenden Zahl an Berufseinsteigern fehle.
ZusĂ€tzlich erschwert wird die Situation durch eine rĂŒcklĂ€ufige Zuwanderung. Die Studie weist darauf hin, dass die bisherigen Migrationsströme nicht ausreichen, um die demografisch bedingten Verluste an Erwerbspersonen auszugleichen.
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Forderungen nach strukturellen GegenmaĂnahmen
Alexander Burstedde, Autor der IW-Studie, betonte angesichts der Ergebnisse, dass der Mangel an qualifiziertem Personal bereits jetzt tĂ€glich spĂŒrbar sei. Um der drohenden VerschĂ€rfung entgegenzuwirken, sieht der Experte dringenden Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes.
Burstedde riet dazu, die Arbeitsanreize fĂŒr die bestehende Erwerbsbevölkerung zu erhöhen, um das vorhandene Potenzial besser auszuschöpfen. Zudem plĂ€dierte er fĂŒr eine deutliche Erleichterung der Zuwanderung von FachkrĂ€ften aus dem Ausland. Ohne gezielte politische und wirtschaftliche Interventionen drohe der FachkrĂ€ftemangel zu einer dauerhaften Bremse fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Branchen zu werden.
Mehr zum Thema bei DER SPIEGEL: âFachkrĂ€ftemangel in Deutschland: IW prognostiziert deutliche VerschĂ€rfung bis 2029â
