Fachkräftemangel, Betriebe

Fachkräftemangel: Betriebe rekrutieren verstärkt Auszubildende aus dem Ausland

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschland intensiviert die Anwerbung ausländischer Fachkräfte: Neue digitale Verfahren, internationale Ausbildungsprojekte und mehr Migrantinnen im Arbeitsmarkt sollen den Personalmangel lindern.

Fachkräftemangel: Deutsche Betriebe setzen verstärkt auf internationale Rekrutierung
Junge Auszubildende arbeiten gemeinsam an einer technischen Anlage in einem modernen deutschen Industriebetrieb. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Deutsche Betriebe und Kommunen verstärken ihre Bemühungen, den Fachkräftemangel durch die gezielte Rekrutierung von Menschen aus dem Ausland zu lindern. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres im August 2026 rücken dabei internationale Kooperationen in den Fokus.

In Kiel traten am 3. August zwei junge Frauen aus Indien ihre Ausbildung in einem pharmazeutischen Betrieb an. Solche individuellen Erfolge spiegeln einen regionalen Trend wider: Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) besitzt inzwischen jeder 14. Auszubildende im Bezirk Kiel eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dennoch bleibt die Lücke groß – in Schleswig-Holstein sind derzeit rund 5.500 Ausbildungsstellen unbesetzt. Programme wie „THAMM Plus“ unterstützen die Vermittlung von Nachwuchskräften aus Nordafrika, insbesondere aus Ägypten, Tunesien und Marokko.

Digitalisierung beschleunigt Zuwanderungsverfahren

Um die Arbeitsmarktintegration zu vereinfachen, hat das Land Bremen am 3. August ein Online-Portal für das beschleunigte Fachkräfteverfahren freigeschaltet. Unternehmen können den Antrag nun digital stellen, sofern ein konkretes Arbeitsplatzangebot vorliegt. Innensenatorin Högl betonte, dass die Digitalisierung Behördenwege verkürze und den Papieraufwand reduziere. Das Angebot richtet sich an Fachkräfte aus Drittstaaten, die eine Erwerbstätigkeit anstreben oder ihre ausländischen Berufsabschlüsse anerkennen lassen möchten.

Auch in der frühkindlichen Bildung setzen Kommunen verstärkt auf internationales Personal. In Maintal arbeiten bereits seit dem vergangenen Jahr pädagogische Fachkräfte aus Spanien, Chile und der Türkei in Kindertagesstätten. Bürgermeisterin Monika Böttcher bezeichnete diesen Schritt als notwendige Maßnahme zur Fachkräftesicherung. Aktuell befinden sich in der Stadt zudem 52 angehende Erzieher in der Ausbildung. Fachleute weisen auf strukturelle Unterschiede in den Herkunftsländern hin – etwa bei Personalschlüsseln oder dem pädagogischen Konzept des freien Spiels.

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Frauen aus Drittstaaten als wesentliche Stütze des Arbeitsmarktes

Eine Untersuchung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) unterstreicht die wachsende Bedeutung von Migrantinnen für die deutsche Wirtschaft. Demnach trugen Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, vor allem aus Drittstaaten, seit 2014 fast zur Hälfte zum Beschäftigungszuwachs bei Frauen bei. Die Zahl der ausländischen Spezialistinnen stieg bis 2024 um rund 760.000 Personen – ein Zuwachs von 32,3 Prozent.

Doch das Potenzial bleibt teilweise ungenutzt: Rund 42 Prozent der Frauen arbeiten in Berufen mit deutlichem Fachkräftemangel, während über 530.000 nichtdeutsche Frauen arbeitslos gemeldet sind. In Österreich forderte Arbeits- und Sozialministerin Schumann angesichts ähnlicher Herausforderungen eine Verkürzung der Integrationspausen für Mütter, um den Zugang zu Sprachkursen und Qualifizierungsmaßnahmen zu beschleunigen.

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Schwierige Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Die Situation bleibt trotz der verstärkten Bemühungen angespannt. Eine umfrage der IHK Niedersachsen zeigt: Nur noch 53,4 Prozent der Betriebe konnten alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen – im Vorjahr lag der Wert bei 56,4 Prozent. Fast jedes vierte Unternehmen, das Stellen offenlassen musste, erhielt keine einzige Bewerbung. Zudem meldeten über 94 Prozent der Betriebe Defizite bei der Ausbildungsreife der Bewerber.

In Sachsen-Anhalt verzeichneten die Handwerkskammern und die IHK zum Stichtag 1. August eine gemischte Bilanz. Die HWK Halle meldete 1.126 neue Lehrverträge, die HWK Magdeburg 958. Um die Attraktivität einer Ausbildung zu steigern, setzen einige Regionen auf finanzielle Anreize wie Praktikumsprämien von bis zu 120 Euro pro Woche. Gleichzeitig wandelt sich die Unternehmenskultur: Branchenbeobachter berichten, dass traditionelle Scherze auf Kosten von Auszubildenden zunehmend verschwinden – Betriebe behandeln ihren Nachwuchs angesichts der Knappheit verstärkt als wertvolle Ressource auf Augenhöhe.

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