FachkrÀftemangel Juli: 23,2% der Betriebe finden keine Spezialisten
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die bloße Gewinnung neuer Fachkräfte reicht für eine stabile Unternehmensentwicklung nicht mehr aus. Wie der Personaldienstleister Juno Search Partners aktuell betont, gewinnt eine ganzheitliche Strategie zur Mitarbeiterbindung massiv an Bedeutung.
Neben der reinen Rekrutierung müssten Unternehmen verstärkt auf Benefits, eine fundierte Finanzplanung für Beschäftigte sowie gezielte Karriereentwicklungen setzen, um langfristiges Wachstum zu sichern.
Mangelnde Transparenz bei Kompetenzen und interner Mobilität
Trotz der erklärten Wichtigkeit von Mitarbeiterbindung weisen globale Daten auf erhebliche strukturelle Defizite in vielen Organisationen hin. Laut Erhebungen von ETHRWorld verfügen 55 Prozent der Unternehmen über keine zentrale Sicht auf die vorhandenen Kompetenzen ihrer Belegschaft.
Lediglich 16 Prozent nutzen unternehmensweite Skill-Frameworks. Diese mangelnde Transparenz hat Folgen für die interne Mobilität: Bei 46 Prozent der untersuchten Organisationen liegt die Quote interner Stellenwechsel unter 20 Prozent.
Zudem zeigt sich eine Diskrepanz in der Wahrnehmung der Personalverantwortlichen. Zwar sehen 92 Prozent der HR-Leiter eine ausreichende Sichtbarkeit von Kompetenzen, doch gleichzeitig geben 74 Prozent an, dass Skill-Lücken die Erreichung der Geschäftsziele behindern.
Nur jede vierte Organisation besetzt mehr als die Hälfte ihrer offenen Stellen aus den eigenen Reihen. Im Juni 2025 sank die Quote interner Einstellungen sogar auf 30 Prozent. Dass eine Steigerung möglich ist, belegt die Axis Bank, die ihre interne Mobilität von 40 Prozent im Geschäftsjahr 2023 auf über 65 Prozent steigern konnte.
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Fachkräftemangel und die Rolle künstlicher Intelligenz
In Deutschland bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung. Nach Angaben des Ifo-Instituts fanden im Juli 23,2 Prozent der Unternehmen keine geeigneten Fachkräfte, was einen Anstieg gegenüber 21,1 Prozent im April darstellt. Besonders betroffen sind Baden-Württemberg sowie die Branchen Steuerberatung und Telekommunikation, während der Einzelhandel mit 16,2 Prozent eine geringere Betroffenheit aufweist.
Die Einführung neuer Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) verschärft den Bedarf an Qualifizierung. Die OECD berichtete im Juni, dass 40 Prozent der Arbeitgeber im Industrie- und Finanzsektor fehlende Kompetenzen als größte Hürde für den KI-Einsatz sehen. Bei kleinen und mittleren Unternehmen ohne generative Verfahren liegt dieser Wert sogar über 50 Prozent.
Über die Hälfte der KI-Nutzer erhält bereits finanzierte Weiterbildungen, da mehr als 50 Prozent der Arbeitgeber einen gestiegenen Bedarf an Hochqualifizierten melden. Ergänzend dazu weist presse-board.de darauf hin, dass eine nachhaltige Führungskräfteentwicklung vermehrt im Arbeitsalltag durch Mentoring und Feedback erfolgen müsse.
Herausforderungen in der Ausbildung und gesundheitliche Prävention
Auch bei den Nachwuchskräften zeigt sich ein gemischtes Bild. Der DGB-Ausbildungsreport 2026 beziffert die allgemeine Zufriedenheit der Auszubildenden auf 65,7 Prozent. In Betrieben mit Mitbestimmungsstrukturen liegt dieser Wert mit 75,7 Prozent deutlich höher.
Dennoch leistet über ein Drittel der Auszubildenden regelmäßig Überstunden, und mehr als die Hälfte berichtet von psychischen Belastungen. Zudem können zwei Drittel der Befragten nicht eigenständig von ihrer Vergütung leben.
Angesichts steigender Fehlzeiten und gesundheitlicher Belastungen wird ein rechtssicheres Vorgehen beim Erhalt der Arbeitskraft für Betriebe immer wichtiger. Dieser kostenlose Ratgeber bietet eine vollständige BEM-Anleitung inklusive Gesprächsleitfaden und Muster-Betriebsvereinbarung. Kostenloses E-Book zum BEM-Verfahren sichern
Um den technologischen Wandel in der Ausbildung zu unterstützen, startet in Nordrhein-Westfalen ab September die Initiative AzubiTrain, die KI-Praxis-Labs für das Handwerk anbietet. Anmeldungen hierzu sind ab dem 25. August möglich.
Ein kritischer Faktor für die langfristige Mitarbeiterbindung bleibt die Gesundheit. Die Deutsche Rentenversicherung verzeichnete für das Jahr 2025 knapp 176.000 Empfänger von Erwerbsminderungsrenten, was 4 Prozent über dem Zehnjahresschnitt liegt.
Im Reha-Zentrum Bad Dürrheim sind zudem über 35 von 175 Betten mit Patienten unter 30 Jahren belegt. Trotz dieser Entwicklung erhielt im Jahr 2024 nur gut die Hälfte der Berechtigten ein betriebliches Eingliederungsmanagement.
Vor dem Hintergrund schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen müssen auch Großunternehmen ihre Strategien anpassen. So traf Bosch Vereinbarungen zum Stellenabbau, der in der Zuliefersparte insgesamt rund 22.000 Stellen in Deutschland betrifft. Dennoch betonte der Betriebsrat, dass trotz der Reduzierungen die Übernahme von Auszubildenden gesichert werden konnte.
