Fachkräftemangel: Sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen bis 2035
06.07.2026 - 05:06:26 | boerse-global.de
Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel den Kampf um Talente. Aktuelle Marktdaten zeigen ein zweigeteiltes Bild.
Virtuelle Assistenten erobern die Personalabteilung
Mehrere Softwareanbieter haben Anfang Juli neue KI-Werkzeuge für HR-Prozesse vorgestellt. uKnowva brachte am 4. Juli den virtuellen Assistenten UVA an den Start. Er basiert auf dem Model Context Protocol (MCP) und soll Recruiting, Urlaubsverwaltung und Zeitplanung per natürlicher Sprache automatisieren.
Navan setzt ebenfalls auf MCP – das Unternehmen implementierte die Technologie bereits Anfang Juli für Reise- und Ausgabendaten. SugarCRM veröffentlichte am 5. Juli eine Projektmanagement-Lösung mit integrierten KI-Agenten. Lucanet zog nach und stellte sechs spezialisierte KI-Agenten vor, die unter anderem ESG-Reporting effizienter machen sollen.
Der Unternehmer Bhavin Turakhia investierte Anfang Juli 30 Millionen Euro in die KI-Plattform Neo. Für die kommenden Tage ist zudem die Version 17.6 von OpenProject mit XWiki-Integration angekündigt.
Automatisierungswelle trifft Berufseinsteiger hart
Die Folgen dieser Entwicklung für den Arbeitsmarkt werden kontrovers diskutiert. Eine Studie von Jobcloud zeigt: Seit der Einführung generativer KI Ende 2022 ist die Zahl der Einstiegsjobs um 32 Prozent gesunken. Besonders betroffen sind Administration, Marketing und Finanzwesen.
In der Schweiz stieg die Arbeitslosenquote unter Hochschulabsolventen zwischen 2024 und 2026 von 1,4 auf 2,2 Prozent. Die Ökonomin Monika Bütler warnt: „Bildung als Garant für hohe Gehälter wird zunehmend hinterfragt."
Doch die Datenlage ist widersprüchlich. Ramp und Revelio Labs haben zwischen 2021 und 2026 erhoben: Unternehmen mit hohen KI-Investitionen bauten ihre Belegschaft im Schnitt um zehn Prozent aus. Einstiegspositionen legten sogar um zwölf Prozent zu.
Während KI die Personalplanung automatisiert, bleibt die rechtssichere Gestaltung der Basis-Dokumente entscheidend. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie Ihre Arbeitsverträge an die aktuelle Gesetzeslage anpassen und teure Bußgelder vermeiden. 19 Muster-Formulierungen für rechtssichere Arbeitsverträge jetzt kostenlos sichern
Anthropic-CEO Dario Amodei sieht trotzdem düstere Aussichten für Branchen wie Jura und Programmierung. Sein Unternehmen investiert über 170 Millionen Euro in die Erforschung der Arbeitsmarkteffekte.
Demografische Lücke: Sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen
Parallel zur KI-Revolution spitzt sich die demografische Lage in Deutschland zu. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert bis 2035 einen Verlust von sieben Millionen Arbeitskräften. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bezifferte den Schaden durch unbesetzte Stellen für 2024 auf 49 Milliarden Euro – bis 2027 sollen es 74 Milliarden sein.
Viele Arbeitnehmer zweifeln an ihrer langfristigen Arbeitsfähigkeit. Laut DGB-Index Gute Arbeit glauben 40 Prozent der Beschäftigten nicht, ihren Beruf bis zum Rentenalter ausüben zu können. Besonders kritisch ist die Lage in der Krankenpflege (71 Prozent) und im Handwerk (72 Prozent).
Der wachsende Fachkräftemangel macht ein professionelles Onboarding neuer Talente unverzichtbar für die langfristige Bindung. Mit dieser kostenlosen Checkliste strukturieren Sie die Einarbeitung optimal und senken die Fluktuation in der Probezeit deutlich. Kostenlose Onboarding-Checkliste für Führungskräfte hier herunterladen
DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert würdige Übergänge in den Ruhestand. Die Bundesregierung berät derweil über eine Anpassung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung.
SAP bremst Neueinstellungen – ADP sichert Milliarden
Große Marktakteure reagieren auf die Umbrüche mit strategischen Umschichtungen. SAP begrenzt Neueinstellungen außerhalb von KI-Kernrollen und deckelt Reisekosten. Das Ziel: Ressourcen für Cloud-Kapazitäten und KI-Spezialisten freisetzen. Amazon und Adobe haben ähnliche Maßnahmen ergriffen.
Finanziell zeigt sich der HR-Sektor robust. ADP erweiterte Ende Juni seine Kreditkapazität auf 9,2 Milliarden US-Dollar. Das Geld soll Liquidität für Betriebskapital und mögliche Akquisitionen sichern.
Institutionelle Investoren reagieren unterschiedlich: Y Intercept Hong Kong baute seine ADP-Positionen im ersten Quartal aus, Kepler Cheuvreux Suisse reduzierte Bestände. Analysten erwarten die nächsten Quartalszahlen für Ende Juli – mit prognostiziertem Umsatzplus.
