Bahngewerkschaft geht auf Schlichtung ein
29.06.2023 - 15:10:41Weitere Warnstreiks auf der Schiene sind vorerst vom Tisch: Im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft unter Vermittlung von auĂen versuchen, eine Lösung zu finden. «Wir haben nach dem Scheitern der Verhandlungen erklĂ€rt, uns gegen ein solches Verfahren nicht zu verwehren - jetzt halten wir Wort», teilte EVG-VerhandlungsfĂŒhrer Kristian Loroch am Donnerstag mit Blick auf das von der Bahn vorgeschlagene Schlichtungsverfahren mit.
Eigentlich wollte der Gewerkschaftsvorstand an diesem Donnerstag ĂŒber den nĂ€chsten Arbeitskampf entscheiden. Diese PlĂ€ne seien nun erstmal abgesagt, hieĂ es. Ăber unbefristete Streiks will die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihre Mitglieder aber weiterhin bei einer Urabstimmung entscheiden lassen.
Drohen also doch bald unbefristete Streiks?
Das hĂ€ngt vom Ausgang des nun angestrebten Schlichtungsverfahrens ab. Die Urabstimmung wĂ€re ein Votum ĂŒber das Ergebnis der Schlichtung, betonte EVG-TarifvorstĂ€ndin Cosima Ingenschay am Donnerstag. «Ăberzeugt das Ergebnis nicht, werden unbefristete Streiks die Folge sein.»
Was ist mit den Sommerferien?
Hier gab die EVG am Donnerstag vorsichtig Entwarnung, machte ArbeitskĂ€mpfe aber auch dabei von dem Zustandekommen und Fortschritt der Schlichtung abhĂ€ngig. Komme es zu dem Verfahren, werde die EVG von Streiks wĂ€hrend der Urlaubszeit «möglichst absehen», teilte Loroch mit. Warnstreiks werde es bis zum Zustandekommen der GesprĂ€che keine geben. Zuletzt hatte die «Bild»-Zeitung von PlĂ€nen ĂŒber Warnstreiks in der kommenden Woche berichtet. Diesen PlĂ€nen erteilte die EVG nun eine Absage.
Wie geht es jetzt im Tarifkonflikt weiter?
Bei einer Schlichtung versuchen am Streit unbeteiligte Personen zwischen beiden Seiten einen Kompromiss zu vermitteln. DafĂŒr mĂŒssen sich Bahn und EVG zunĂ€chst auf einen solchen Schlichter oder eine Schlichterin einigen. Namen wurden am Donnerstag zunĂ€chst nicht bekannt. Anfang der kommenden Woche will die Arbeitnehmerseite eigenen Angaben zufolge auf die Bahn zugehen, um diese und weitere Prozessfragen zu klĂ€ren, hieĂ es. Ziel sei es, das gesamte Verfahren bis Ende Juli zu einem Ende zu bringen. Die Bahn Ă€uĂerte sich am Donnerstag zunĂ€chst nicht zum Zeitplan.
Warum braucht es die Schlichtung?
Die EVG hatte die Tarifverhandlungen mit der Bahn vergangene Woche fĂŒr gescheitert erklĂ€rt und eine Urabstimmung ĂŒber unbefristete Streiks angekĂŒndigt. Eine Lösung am Verhandlungstisch war damit nicht zustande gekommen. Nun hoffen beide Seiten - und alle FahrgĂ€ste - bei einer Schlichtung auf den Durchbruch. «Unser Ziel ist es, an den letzten Verhandlungsstand vor dem Scheitern anzuknĂŒpfen», teilte EVG-VerhandlungsfĂŒhrer Loroch mit.
Die EVG fordert 650 Euro mehr pro Monat fĂŒr 180 000 DB-BeschĂ€ftigte. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll nach Gewerkschaftsvorstellung bei zwölf Monaten liegen. Zudem wurden einige strukturelle Anpassungen im komplexen Tarifwerk bei der DB gefordert. Die Bahn zeigte sich zuletzt bereit, den BeschĂ€ftigten ab Dezember 200 Euro mehr zu zahlen, ab August dann weitere 200 Euro mehr. AuĂerdem stellte der Konzern 2850 Euro InflationsausgleichsprĂ€mie in Aussicht. Die Laufzeit des Tarifvertrags sollte bei 27 Monaten liegen. Die Gewerkschaft lehnte dieses Paket ab, vor allem die lange Laufzeit gilt als entscheidendes Problem auf dem Weg zu einer Lösung.


