GESAMT-RUNDUP / Scholz in China: Warnung vor Dumping - Cannabistipps fĂŒr Studenten
15.04.2024 - 16:51:20Es dĂŒrfe kein Dumping und keine Ăberproduktion geben, verlangte der Kanzler am Montag in der Wirtschaftsmetropole Shanghai. Und er warnte davor, Moskau mit Produkten zu versorgen, die sowohl militĂ€risch als auch zivil nutzbar sind. Er werde darauf hinweisen, dass Russland einen Eroberungskrieg gegen die Ukraine fĂŒhre, "und genau darauf bestehen, dass niemand mithelfen darf, dass das gelingt".
Scholz trifft am Dienstag neben PrĂ€sident Xi auch MinisterprĂ€sident Li Qiang. FĂŒr die GesprĂ€che mit den beiden sind mehrere Stunden vorgesehen. Neben der Wirtschaft und dem Ukraine gibt es mit dem Konflikt um Taiwan und der Menschenrechtslage in China noch weitere schwierige Themen.
Scholz als Drogenberater: Einfach nicht rauchen
Am Montag ging es in der Wirtschafts- und Finanzmetropole Shanghai aber erst einmal etwas lockerer zu. Scholz diskutierte an der mehr als 100 Jahre alten Tongji-UniversitĂ€t mit Studenten, die nicht nur exzellent Deutsch sprechen, sondern auch blendend ĂŒber die deutsche Innenpolitik informiert sind.
Einer, der ab September in Berlin studieren will, zeigte sich beunruhigt ĂŒber das neue Cannabis-Gesetz. Er wollte vom Kanzler wissen, was er als Student in Berlin beachten mĂŒsse, "wenn ich Cannabis ĂŒberhaupt nicht probieren will und meine eigene Gesundheit nicht gefĂ€hrden will". Er habe gelesen, dass Studenten in Deutschland jetzt Cannabis in Wohnungen anbauten. In China sei das nicht legal. "Deshalb habe ich groĂe Sorge."
Scholz sagte, die Antwort sei ganz einfach: "Nicht rauchen." Er selbst sei jetzt fast 66 und habe "noch nie Cannabis geraucht". Dem Eindruck, dass nun alle in Berlin mit Joints herumliefen, trat Scholz entgegen: "Wenn man in Berlin studiert, kann man die ganze Zeit durch die Gegend rennen und trifft niemanden, der so etwas tut."
TikTok-Kanzler: Scholz will "auf allen KanÀlen" sein
Auch dass der Kanzler seit ein paar Tagen auf dem chinesischen Sozialnetzwerk TikTok unterwegs ist, haben die Studenten in Shanghai mitbekommen. Was er damit bezwecke und was er dort hochladen wolle, fragte einer. Er wolle "auf allen KanÀlen Diskussionspartner" sein, sagte Scholz, bekrÀftigte aber auch: "Ich werde nicht tanzen, weil ich das nicht so gut kann." Er lobte auch das chinesische Essen: "Ich find's super."
Am Dienstag wird es dann aber ernst. In Peking stehen am dritten Tag des Kanzler-Besuchs die Termine mit der Staats- und ParteifĂŒhrung an. Ein Hauptthema: Der Ukraine-Krieg. Bei seinem letzten China-Besuch im November 2023 hatte Scholz den chinesischen PrĂ€sidenten dazu gebracht, sich gegen die Drohungen des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin mit einem Atomschlag zu stellen. Diesmal will Scholz klare Kante zeigen, was eine UnterstĂŒtzung der russischen Kriegswirtschaft durch China angeht, das als wichtigster VerbĂŒndeter Russlands gilt und verdĂ€chtigt wird, militĂ€risch nutzbare GĂŒter zu liefern.
Russischer Angriffskrieg "nicht nur eine europÀische Angelegenheit"
Der russische Angriffskrieg sei sich nicht nur eine europĂ€ische Angelegenheit, betonte der Kanzler in Shanghai. "Wenn das Schule macht, ist das eine Bedrohung fĂŒr Frieden und Sicherheit ĂŒberall auf dem Planeten, weil es so viele motivieren wĂŒrde, historische Korrekturen herbeizufĂŒhren."
Eine versteckte Mahnung hatte Scholz auch mit Blick auf Taiwan parat. Es mĂŒsse gewĂ€hrleistet sein, "dass man sich vor seinem Nachbarn nicht fĂŒrchten muss", betonte Scholz an der Tongji-UniversitĂ€t. So gibt es BefĂŒrchtungen, dass die mĂ€chtige kommunistische Volksrepublik China die demokratische Inselrepublik Taiwan angreift, die Peking als sein eigenes Territorium ansieht. Die chinesische FĂŒhrung hat mehrfach mit einer Invasion gedroht. AuĂerdem streitet sie sich mit NachbarlĂ€ndern wie Vietnam, Malaysia oder den Philippinen um groĂe Seegebiete im SĂŒdchinesischen Meer.
Und auch bei den Wirtschaftsfragen fand Scholz vor seinem Abflug nach Peking klare Worte. "Das Einzige, was immer klar sein muss, ist, dass der Wettbewerb fair sein muss", sagte er. "Wir möchten natĂŒrlich, dass unsere Unternehmen keine BeschrĂ€nkungen haben, aber umgekehrt verhalten wir uns genauso, wie wir es hier fordern."
Ermittlungen in BrĂŒssel seit Herbst
Seit dem Herbst ermittelt BrĂŒssel in einer Antisubventionsuntersuchung gegen in China produzierte E-Autos. Der Verdacht lautet auf Marktverzerrung. Staatliche Subventionen sorgten dafĂŒr, dass chinesische Marken ihre E-Autos in Europa zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten können als heimische Hersteller.
In China klagen auch viele der rund 5000 deutschen Firmen ĂŒber Nachteile gegenĂŒber der chinesischen Konkurrenz, erschwerte MarktzugĂ€nge und rechtliche Unsicherheiten. Am Montag traf Scholz Vertreter von Unternehmen und der deutschen Auslandshandelskammer in Shanghai, um darĂŒber zu sprechen, welche Probleme die Firmen in China haben - als Vorbereitung auf das entscheidende Finale seiner Reise am Dienstag in Peking.

