Fakeshop-Haftung: Erstes Urteil gegen Google in Deutschland
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Amtsgericht Starnberg hat Google zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt – weil der Konzern betrügerische Online-Shops in seiner Werbung nicht gestoppt hat. Es ist das erste Urteil dieser Art in Deutschland (Az. 1 C 198/26).
Warnungen ignoriert
Der Fall: Ein Verbraucher aus Bayern bestellte im Sommer 2025 über eine Google-Shopping-Anzeige einen Fahrradträger für 489,99 Euro. Er zahlte per Vorkasse – die Ware kam nie. Der Shop war ein sogenannter Fakeshop.
Das Gericht sah die Schuld bei Google. Der Shop war zum Zeitpunkt der Anzeigenschaltung bereits als betrügerisch gemeldet. Google hätte die Anzeige prüfen und den Betrug erkennen müssen. Stattdessen bewarb das Unternehmen den Shop weiter – und verletzte damit seine Sorgfaltspflichten.
Plattformen in der Pflicht
In der Urteilsbegründung berief sich das Gericht auf den Digital Services Act (DSA) und deutsches Recht. Google hatte keine Klageerwiderung eingereicht – die Entscheidung fiel zugunsten des Klägers.
Das Amtsgericht Starnberg hat Google zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt – weil der Konzern einen bereits gemeldeten Fakeshop weiter bewarb. Für Compliance-Verantwortliche ist das ein Weckruf: Werden Betrugsmeldungen ignoriert, drohen Regressforderungen. Unser Report zeigt, wie Sie Werbeplatzierungen rechtssicher prüfen und Haftungsrisiken minimieren. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern
Der Konzern muss nun zahlen: 489,99 Euro Kaufpreis plus Zinsen, 202,30 Euro Anwaltskosten und die Gerichtskosten.
Rechtsanwalt Sven Galla, der den Kläger vertrat, kritisierte die Meldeverfahren der großen Plattformen: „Sie bleiben in der Praxis häufig wirkungslos.“ Das Urteil zeige nun: Sobald konkrete Hinweise auf rechtswidrige Inhalte vorliegen, sind die Betreiber für ihre Werbeplatzierungen verantwortlich.
Signal fĂĽr die Zukunft
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Das Urteil ist rechtskräftig – aber formal eine Einzelfallentscheidung. Andere Gerichte müssen nicht folgen. Dennoch ist die Botschaft klar: Werden Betrugsmeldungen ignoriert, können Betroffene Schadensersatz verlangen.
Google hat sich zum Verfahren nicht geäußert. Branchenbeobachter rechnen damit, dass Plattformen ihre Prüfmechanismen nun verschärfen – sonst drohen weitere Haftungsfälle.
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