Weck, GlÀser

Hersteller der Weck-GlÀser meldet Insolvenz an

20.06.2023 - 13:13:52

Fast jeder kennt sie: Weck-EinmachglÀser. Die GlÀser gibt es seit mehr als 120 Jahren. Die Marke könnte aber bald Geschichte sein. Die Hersteller-Firma hat Insolvenz angemeldet.

In vielen Kellern und VorratsrĂ€umen sind sie zu finden: EinkochglĂ€ser. Die wohl bekanntesten dieser BehĂ€lter stammen von der Firma Weck. Mit Erdbeer-Logo, Markenname und orangefarbenem Dichtring sind sie zum Symbol fĂŒr das Einkochen von Lebensmitteln geworden. Der Begriff «Einwecken» steht sogar im Duden. Nun hat das Unternehmen aus dem SĂŒden Baden-WĂŒrttembergs Insolvenz angemeldet. Das teilte eine Sprecherin der Weck-Gruppe mit.

Das Traditionsunternehmen will sich demzufolge im Insolvenzverfahren neu strukturieren. Konkret geht es um die Muttergesellschaft J. Weck GmbH und Co. KG mit Sitz in der Stadt Wehr und die Tochterfirma Weck Glaswerk GmbH mit einem Produktionsstandort in Bonn. Beide Verfahren wurden nach Angaben des Amtsgerichts Karlsruhe am Montag eröffnet. Zum vorlÀufigen Insolvenzverwalter wurde der Freiburger Rechtsanwalt Thilo Braun bestellt. Zuvor hatte die «Wirtschaftswoche» berichtet.

In SĂŒdbaden sind die Verwaltung, der Vertrieb und das VerlagsgeschĂ€ft der Gruppe angesiedelt. 115 Menschen arbeiten dort. Das Glaswerk in Bonn beschĂ€ftigt 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das GeschĂ€ft lĂ€uft nach Angaben von Insolvenzverwalter Braun unvermindert weiter. Löhne und GehĂ€lter der Angestellten seien bis einschließlich August ĂŒber das Insolvenzgeld gedeckt, hieß es.

Niedrige Nachfrage, hohe Kosten

Dem Unternehmen machten demnach zuletzt eine niedrigere Nachfrage und die hohen Energiepreise zu schaffen. «Aufgrund der Preissteigerungen des EnergietrĂ€gers Gas kam es in den letzten Monaten zu erheblichen Belastungen», wird GeschĂ€ftsfĂŒhrer Eberhard Hackelsberger in einer Mitteilung zitiert. «Die Glasherstellung ist energieintensiv und die eingesetzten Schmelzöfen können nicht einfach abgeschaltet werden, ohne dass sie dabei irreparabel beschĂ€digt werden».

Die Glasindustrie gehört zu den Wirtschaftszweigen, die besonders unter den hohen Energiepreisen leidet. Auslöser war der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Verbraucherinnen und Verbraucher sind wegen der hohen Inflation, die unter anderem eine Folge des Krieges ist, außerdem zurĂŒckhaltender bei Kaufentscheidungen.

Weck-Chef Hackelsberger fĂŒhrt das Unternehmen in vierter Generation. Der Diplom-Betriebswirt ist Urenkel von FirmengrĂŒnder Johann Weck. Zusammen mit seinem GeschĂ€ftspartner und Nachfolger Georg von Eyck hob dieser Anfang 1900 den Einmachglas-Hersteller aus der Taufe. Wenig spĂ€ter wurde das «Einwecken» bereits an Kochschulen gelehrt - und die GlĂ€ser zu einem der ersten Markenartikel in Deutschland.

Die Nachfrage nach den wiederverschließbaren GlasbehĂ€ltern boomte im den Folgejahren - vor allem in Zeiten der Not, etwa wĂ€hrend der zwei Weltkriege. Die Menschen waren darauf angewiesen, Lebensmittel haltbar zu machen. Der Weck-Firmenchronik zufolge wurden bis Ende des Zweiten Weltkriegs Hunderte Millionen GlĂ€ser produziert.

VerÀndertes GeschÀft in der Nachkriegszeit

Mit der zunehmenden Verbreitung von KĂŒhlschrĂ€nken und TiefkĂŒhltruhen verĂ€nderte sich in der Nachkriegszeit auch das GeschĂ€ft von Weck. Seitdem stellt das Familienunternehmen auch Verpackungen aus Glas fĂŒr die Lebensmittelindustrie her - zum Beispiel fĂŒr Gurken und Senf. Zudem werden etwa KerzenglĂ€ser fĂŒr Kirchen und Friedhöfe produziert.

Obwohl das Haltbarmachen von Lebensmitteln wieder im Trend liegt und die GlĂ€ser auch in der Gastronomie Anklang finden, machen sie heute nur noch einen Bruchteil der Produktpalette aus. Wie aus dem letzten GeschĂ€ftsbericht fĂŒr das Jahr 2021 hervorgeht, lag das Absatzziel fĂŒr das laufende Jahr bei insgesamt 420 Millionen Glasverpackungen. Ob Weck daran festhĂ€lt, war zunĂ€chst nicht bekannt.

Wie es mit dem Traditionsunternehmen weitergeht, werden die nĂ€chsten Wochen und Monate zeigen. «Das Wichtigste ist nun die Stabilisierung des GeschĂ€ftsbetriebes und die umgehende Einleitung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen», sagte Braun laut Mitteilung. Noch in dieser Woche sollen die wirtschaftliche Lage und die Sanierungsoptionen fĂŒr Weck geprĂŒft werden.

@ dpa.de